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Sonnenenergie Schicksalsjahr für die deutsche Solarindustrie

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Technischer Fortschritt: Solarzellen kommen mit immer weniger Silizium aus

Doch für Holger Krawinkel, Energieexperte beim Bundesverband der Verbraucherzentralen geht das nicht weit genug. Er fordert eine Absenkung um 30 Prozent schon Mitte 2010. Das RWI kommt zu dem Schluss, dass die Ökounternehmen eine solche Kürzung „problemlos verkraften könnten“.

Es ist gut möglich, dass auch der Regierung das Konzept des BSW nicht ausreicht und es eine einmalige starke Kürzung der Förderung bereits im Sommer gibt. In den nächsten Tagen will Röttgen seinen eigenen Vorschlag vorlegen. Der BSW hofft jedenfalls auf eine schnelle Entscheidung, denn die Unsicherheit bremst Investitionen.

Solarlobby prognostiziert bescheidene Zuwächse

Krawinkel ist da schon weiter. Zusätzlich zu der 30-prozentigen Kürzung verlangt er verlässliche, vom Bundesumweltministerium abgesegnete Ausbauprognosen, um die ausufernden Kosten zu begrenzen.

Hintergrund: Um die Belastungen für die Stromkunden nicht allzu gigantisch erscheinen zu lassen, hatte die Solarlobby in den vergangenen Jahren viel zu geringe Zuwachsprognosen in Umlauf gebracht. Auch für die Zeit bis 2013 rechnet sie offiziell nur mit 600 bis 700 Megawatt jährlich.

Die Solarexperten des Marktforschungsinstituts Photon Consulting aber präsentieren ganz andere Zahlen. Sie prognostizieren für Deutschland schon für das laufende Jahr einen Zubau von mehr als 10.000 MW; 2012 sogar von fast 20.000 MW.

Fotovoltaik droht der Kollaps

Kommt es so, läuft die Branche Gefahr, an ihrem Erfolg zu ersticken, warnt Photon-Experte Michael Rogol. Denn bei solch einem Tempo wären in Deutschland bis 2013 Anlagen mit fast 54 Gigawatt Leistung installiert. Das wäre rund das Zweieinhalbfache der Leistung aller deutschen Atomkraftwerke. An sonnigen Sommertagen würden die Module genügend Strom erzeugen, um zeitweilig den gesamten Bedarf an elektrischer Energie im Land zu decken.

Spätestens dann, so Rogol, stehe die bevorzugte Einspeisung von Solarstrom zur Disposition. Fällt jedoch die Zwangsabnahme des Sonnenstroms durch die Energieversorger, droht dem Fotovoltaikmarkt der Kollaps.

So weit mag die Branche noch nicht denken. Lieber berauscht sie sich an aktuellen Erfolgen. Erstmals erzeugten deutsche Solaranlagen 2009 mancherorts Strom, der nicht mehr teurer ist als Strom vom Elektrizitätswerk. Damit ist die sogenannte Netzparität erreicht. Solarstrom kann mit Haushaltsstrom konkurrieren.

Die Industrie krönt das Jahr mit weiteren Erfolgsmeldungen: das Bonner Fotovoltaikunternehmen Solarworld meldete kürzlich einen Rekordumsatz von über einer Milliarde Euro. Sogar der Modulhersteller Aleo Solar aus dem brandenburgischen Prenzlau hat vier Prozent mehr umgesetzt als 2008, obwohl die ersten neun Monate für die Bosch-Tochter gar nicht gut liefen. Ende September lag Aleo Solar mit 221 Millionen Euro noch weit hinter dem Umsatz von 2008 zurück, der 360 Millionen Euro betragen hatte.

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