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Sonnenenergie Schicksalsjahr für die deutsche Solarindustrie

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Rasante Talfahrt: Durchschnittlicher Preis für Silizium-Module

Und es spricht alles dafür, dass der Sonnen-Boom in Deutschland sich im neuen Jahr fortsetzen wird. „Wir erwarten ein gutes Geschäft“, sagt Alexander Kirsch. Er leitet das Münchner Unternehmen Centrosolar, das Solaranlagen herstellt und montiert. So sehen es viele seiner Wettbewerber auch.

Doch so vielversprechend die Aussichten sind, so unsicher ist die Lage für die deutschen Hersteller: „Auf der einen Seite hat die Einspeisevergütung der deutschen Solarbranche auf die Beine geholfen“, sagt Thorsten Gerhard von der Unternehmensberatung Egon Zehnder. „Auf der anderen Seite hat sie dazu geführt, dass der Druck nicht groß genug war, in den jungen Unternehmen bessere Strukturen und Prozesse und ein professionelles Talentmanagement einzuführen.“

Kurz gesagt: Wegen der hohen Subventionen sind die deutschen Hersteller zu teuer, zu wenig innovativ und zu sehr auf Deutschland fixiert.

Chinesen drängen auf den Markt

Derweil drängen Konkurrenten in den Markt, die klare Kostenvorteile haben wie etwa Yingli und Suntech aus China oder Motech aus Taiwan. Und es sind nicht nur die niedrigen Löhne, mit denen asiatische Hersteller ihren Vorteil ausbauen: „Die Chinesen beispielsweise produzieren günstiger, weil sie mit den modernsten Anlagen arbeiten“, sagt Dietmar Roth, Chef des sächsischen Anlagenbauers Roth & Rau.

Er muss es wissen: Mehr als die Hälfte seiner Maschinen für die Herstellung von Solarzellen liefert er nach China. Und was an fertigen Produkten aus China zurück nach Deutschland kommt, ist nicht so schlecht, wie es mancher einheimische Solarunternehmer gern hätte. „Um uns in Europa als Marke zu etablieren, müssen unsere Module tadellos sein“, sagt Stuart Brannigan, Europa-Chef von Yingli.

Das gelingt ihnen zunehmend. Viele deutsche Unternehmen kaufen bereits Solarzellen made in China, bauen sie zu Modulen zusammen und verkaufen sie anschließend mit dem Siegel „made in Germany“ weiter. So wie Solarwatt aus Dresden oder die Solar-Fabrik AG aus Freiburg. Die Badener haben einen Vertrag mit der chinesischen Ja Solar. „Wir schätzen Ja Solar als zuverlässigen Lieferanten von qualitativ hochwertigen Zellen zu äußerst wettbewerbsfähigen Preisen“, erklärt Solar-Fabrik-Chef Günter Weinberger seine Wahl.

Exportquote von Solarworld sinkt

Vor einigen Jahren wäre das noch undenkbar gewesen. Aber die Branche wandelt sich schneller, als vielen lieb ist. Zwar haben die deutschen Hersteller mit ihren Innovationen dem Solarstrom zu seinem ersten Erfolg verholfen. Doch dann haben sie sich zu lange darauf konzentriert, möglichst viel zu produzieren, um die durch Förderung angeheizte Nachfrage auf dem deutschen Markt zu befriedigen.

Eine gefährliche Strategie. Denn das Bilderbuchwachstum steht vor dem Ende – zumindest in Deutschland. Stattdessen werden Solarmärkte in Ländern wie Indien und Italien an Bedeutung gewinnen. Nur wer dort stark ist, kann im zunehmenden internationalen Wettbewerb mithalten. Die Exportquote der hiesigen Produzenten sinkt jedoch: bei Solarworld von 59 auf 33 Prozent, bei Aleo Solar von 50 auf 25 Prozent.

Die Lage ist fragil. Eine vor wenigen Wochen erschienene Studie von Photon Consulting zeigt, dass weltweit nur wenige große Solarunternehmen eine Strategie verfolgen, mit der sie die nächsten Jahre überleben können. Für ihre Untersuchung haben die Photon-Experten mit mehr als 500 Managern gesprochen, Markt- und Unternehmensdaten analysiert und Aussagen von Kunden, Lieferanten und Konkurrenten ausgewertet.

Sie haben fünf strategische Stützpfeiler identifiziert, die in den nächsten Jahren über die Existenz entscheiden werden: eine umfangreiche Produktpalette, eine breite Abdeckung der Wertschöpfungskette, niedrige Kosten, Präsenz auf mehreren Märkten und Technologieführerschaft.

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