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Sonnenenergie Schicksalsjahr für die deutsche Solarindustrie

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Jährlich neu installierte Leistung von Fotovoltaikanlagen (Klicken Sie auf die Grafik für eine erweiterte Ansicht)

Das Fazit der Forscher ist ernüchternd. Nur 20 Unternehmen sind so gut aufgestellt, dass sie die nächsten Jahre sicher überleben werden. Besonders gut schneiden die US-Unternehmen First Solar und Sunpower ab sowie Suntech aus China und Solarworld, SMA und Q-Cells aus Deutschland. Zwar sind die Deutschen mit drei Unternehmen unter den besten am häufigsten vertreten. Doch Q-Cells gilt als Wackelkandidat.

Noch 2008 liefen die Geschäfte für den Modulbauer aus Sachsen-Anhalt glänzend. Er produzierte so viele Solarmodule wie kein anderer Konkurrent weltweit. 2009 war alles anders. Die Krise setzte Q-Cells übel zu. Nach einem Verlust von 47,6 Millionen Euro im ersten Halbjahr sah sich die Führung zum knallharten Sparen gezwungen, um Wettbewerber wie First Solar und Suntech mit ihren niedrigen Produktionskosten einzuholen.

Um der Lage Herr zu werden, schloss Q-Cells vier Produktionslinien, kündigte den Abbau von 500 Stellen an und will nun auch in Malaysia produzieren.

"Sunny Boys" sind die besten

Solche Sorgen hat SMA Solar aus der Nähe von Kassel nicht. Der weltweit größte Hersteller von Wechselrichtern konnte in den vergangenen Jahren zwar keine großen Kostensenkungen verzeichnen. Doch die Hessen punkten mit Innovation. Wechselrichter sind kleine Kästchen, die den Gleichstrom aus der Solarzelle in Wechselstrom für die Steckdose umwandeln. Und diese roten „Sunny Boys“, wie sie unternehmensintern heißen, sind für viele Installateure schlicht die besten.

Die große Entwicklungsabteilung von SMA hat dafür gesorgt, dass es für jede Solaranlage, unabhängig von Typ und Größe, einen passenden „Sunny Boy“ gibt, und zwar meist mit einem Wirkungsgrad von 98 Prozent. Das bedeutet, dass sie 98 Prozent des Sonnen- in Steckdosenstrom umwandeln. Das schaffen nur wenige Konkurrenten.

Auch die internationale Ausrichtung von SMA kann sich sehen lassen. Das Unternehmen verkauft seine Produkte in elf Ländern auf vier Kontinenten und hat im ersten Quartal vergangenen Jahres 53 Prozent seines Umsatzes im Ausland gemacht. „Sogar die Chinesen verwenden in ihren Anlagen SMA-Produkte“, sagt Photon-Experte Bernd Schüßler. „Sonst stellen sie ja alles lieber selbst her.“

Solarworld baut Werk in Südkorea

Das dritte deutsche Unternehmen in der Photon-Liste, die Bonner Solarworld, hat 2009 seine Auslandsgeschäfte zwar heruntergefahren. Aber dem Unternehmen, das die gesamte Wertschöpfungskette von Silizium bis zu kompletten Anlagen abdeckt, ist etwas Bemerkenswertes gelungen: Es kann für die Solarmodule aus Deutschland mehr Geld verlangen als die Konkurrenz. „Unternehmenschef Frank Asbeck hat eine so starke Marke geschaffen, dass alleine der Name der Firma reicht, um teurer zu verkaufen als manche Mitbewerber“, sagt Schüßler.

Asbeck weiß, dass das auf Dauer nicht reicht. „Erfolgreich ist, wer eine starke Marke hat – und seine Kosten im Griff“, sagt er. Deswegen hat er ein Werk in Südkorea gebaut. Und vor einigen Tagen ist er von einer Geschäftsreise nach Katar zurückgekommen. Das Emirat möchte kräftig in Solarenergie investieren.

Noch spielt die Musik in Deutschland. Aber in ein paar Jahren wird Installateur Thiemann aus Bochum seine Anlagen vielleicht schon am Golf montieren.  

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