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Strafzolldiskussion Warum Altmaier dem Solarworld-Chef wenig nützt

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Wenig Unterstützung aus der Industrie

Bosch Solar, Europas größter Solarzellen- und modulhersteller hat Asbeck bereits eine klare Absage erteilt. Bosch-Solar-Chef Holger von Hebel: „Wir sind für einen offenen und auf Wachstum ausgerichteten Welthandel, in dem sich die besten Produkte und Lösungen durchsetzen sollen. Strafzölle sind mit Hinblick auf dieses Ziel kontraproduktiv. Wir werden uns nicht aktiv an einem entsprechenden Handelsschutzverfahren beteiligen.“ Auch Bosch-Konkurrent REC Solar, ein norwegischer Hersteller von Solarmodulen, will bei der Asbeck-Initiative nicht teilnehmen.

Einen Teilerfolg erzielte das Bonner Unternehmen in den USA, wo das Handelsministerium vorläufige Anti-Dumping-Zölle eingeführt hat. Zwischen 31 Prozent und 250 Prozent Strafzoll müssen Hersteller aus Fernost bezahlen, die ihre Produkte in die USA exportieren wollen. Im Herbst steht die endgültige Entscheidung der Behörde an.

Verzichtet auf sämtliche Bezüge, bis es dem Unternehmen wieder besser geht - Solarworld-Chef Frank Asbeck. Quelle: dpa

Luc Graré, stellvertretender Vertriebs- und Marketingchef von REC Solar, hält Strafzölle, wie sie die USA erlassen haben für wenig wirkungsvoll. Dort habe sich gezeigt, dass "viele chinesische Markenhersteller auf Solarzellen aus Taiwan ausweichen". Dieses Szenario hatten Experten umgehend nach dem Inkrafttreten der Antidumping-Zölle vorhergesagt.

Wolfang Hummel vom Berliner Zentrum für Solarmarktforschung hatte vor weitreichenden Folgen der Schutzzölle gewarnt: "Zölle sind kurzsichtig und beschwören im übrigen die Gefahr von Gegenmaßnahmen herauf. China, Deutschland und die USA befinden sich in einem internationalen Subventionswettlauf. Ein funktionierender Markt ohne staatliche Förderung besteht bisher nirgendwo." So hat etwa auch Japan vor kurzem einen Solarförderung nach dem Modell der deutschen Einspeisevergütung eingeführt.

Kritiker befürchten bereits, dass die chinesische Regierung als Reaktion auf die Strafzölle einen Gegenangriff etwa in Form von Einfuhrzöllen auf Solarsilizium starten könne. Das könnte dann unter anderem Produzenten wie die deutsche Wacker Chemie treffen. Die Betroffenen sehen den Vorstoß des Solarworld-Chefs jedoch kritisch. Wacker-Sprecher Christof Bachmair: „Wir halten das nicht für zielführend und nicht für hilfreich. “ Es sei nicht sinnvoll, einen Handelskrieg mit China zu beginnen.

China will Photovoltaik-Leistung bis 2015 verfünffachen

Solarworld vertritt die Meinung: „Die Branche ist voll wettbewerbsfähig und kann mit jedem auf der Welt konkurrieren außer mit der Zentralregierung der Volksrepublik China.“ China stecke „Unsummen in die Exportsubventionen von Solarprodukten, die dann in Europa zu Preisen weit unter den Herstellungskosten angeboten werden“. Die Exporte der Chinesen sind das eine Problem - der Zutritt zum chinesischen Solarmarkt das andere. Denn das Riesenreich birgt enormes Potenzial.

Vor wenigen Tagen hat Peking angekündigt, die Installation von Photovoltaikanlagen in China noch stärker als bisher voranzutreiben. Der Fünf-Jahres-Plan werde überarbeitet. Bis 2015 sollen 21 Gigawatt Solarleistung entstehen, ursprünglich strebte Peking fünf Gigawatt an, im September 2011 war das Ziel schon auf 15 Watt angehoben worden. Viele Unternehmen versuchen daher über Joint-Ventures einen Fuß ins Reich der Mitte zu bekommen.

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