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Streit um Übernahme Uniper-Chef stichelt gegen Fortum

Der Vorstandsvorsitzende von Uniper, Klaus Schäfer Quelle: dpa

Im Streit um die Übernahme durch Fortum verteilt Klaus Schäfer, Chef des Stromproduzenten Uniper, weiter kleine Spitzen gegen finnische Energieunternehmen.

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Uniper-Chef Klaus Schäfer pocht im Streit mit dem finnischen Angreifer Fortum auf einer Partnerschaft auf Augenhöhe. „Lassen Sie uns lieber nach vorne schauen“, betonte Schäfer am Dienstag bei der Vorlage der Zahlen zum ersten Quartal. Dass nach einem Abwehrkampf Narben zurückblieben, sei ganz normal. „Am Schluss geht es darum, gemeinsam Werte zu schaffen. Dazu sind wir bereit.“ Fortum sei künftig Großaktionär von Uniper – allerdings kein Mehrheitsaktionär. Die Finnen haben sich über die frühere Uniper-Mutter E.ON für 3,8 Milliarden Euro ein Paket von 47 Prozent an dem Kraftwerksbetreiber so gut wie gesichert.

Schäfer konnte sich ein paar Spitzen gegen Fortum nicht verkneifen, nachdem dem finnischen Konzern durch eine Entscheidung der russischen Behörden eine Übernahme der Mehrheit an dem Düsseldorfer Versorger untersagt ist. Angesichts der für beide Seiten doch erträglichen Situation nach der Entscheidung in Russland erschließt sich mir nicht ganz, warum auf Seiten Fortums eine gewisse Verstimmung wahrzunehmen ist.“ Schäfer wies zugleich entschieden Vorwürfe von Fortum-Chef Pekka Lundmark zurück, Uniper habe in Russland gegen die Transaktion agiert, was die künftige Zusammenarbeit belaste.

Die Russen hatten als Grund für ihre Entscheidung angegeben, dass Uniper in Russland Kraftwerke betreibe, zu denen auch eine als strategisch wichtig eingestufte Anlage zur Trinkwasser-Aufbereitung gehöre. „Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass das Uniper-Management in Russland aktiv gegen die Transaktion gearbeitet hat“, hatte Lundmark beklagt. Uniper stemmt sich seit dem vergangenen Jahr gegen eine Übernahme durch Fortum. E.ON hatte mit den Finnen einen Deal vereinbart, von dem sich Schäfer überrumpelt sah. Danach kann Fortum die restlichen Uniper-Anteile von 47 Prozent für 3,8 Milliarden Euro von E.ON übernehmen. Uniper schenkte anschließenden Aussagen der Finnen, sie strebten nicht nach der Mehrheit, keinen Glauben. In einem Reuters-Interview bezeichnete Schäfer Fortum als „Wolf im Schafspelz“ und sprach von einem „feindlichen Vorstoß“.

Und schon deutet sich er nächste Zwist an. Die Luxemburger Aktionärin Cornwall will auf der Hauptversammlung am 6. Juni die Einsetzung eines Sonderprüfers durchsetzen. Dieser solle das Vorgehen des Uniper-Vorstands in dem Fall unter die Lupe nehmen. Hinter dem Antrag stehe der Hedgefonds Elliott, sagte Schäfer. Von Elliott in Deutschland war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. Elliott hält nach den letzten Angaben 7,38 Prozent der Stimmrechte von Uniper. Der Investor gilt als wenig zimperlich, was gerade auch der Anlagenbauer Gea zu spüren bekommt.

Schäfer sagte, er sehe keinen Grund, warum E.ON den Antrag unterstützen sollte. Der frühere Mutterkonzern wollte sich dazu ebenso wenig wie Fortum äußern. E.ON-Finanzchef Marc Spieker zählt bereits die milliardenschweren Einnahmen aus dem Deal mit Fortum. Er gehe davon aus, dass die noch offenen Freigaben der Behörden in den nächsten Monaten vorliegen werden, sagte er. Die EU teilte mit, bis zum 15. Juni entscheiden zu wollen.

Während Uniper unter anderem wegen einer erneuten Verzögerung bei der Inbetriebnahme des Pannenkraftwerks Datteln 4 zum Jahresauftakt einen Gewinneinbruch einfuhr, kann E.ON mit Zuwächsen im Rücken den Umbau vom Stromerzeuger zu einem reinen Energiedienstleister vorantreiben. Im ersten Quartal kletterte das operative Ergebnis (bereinigtes Ebit) um 24 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro. E.ON habe dabei von neuen Kunden und dem Anschluss neuer Windparks profitiert. Der Versorger bestätigte die Prognose für das Gesamtjahr, in dem der Konzern ein bereinigtes Ebit von 2,8 bis 3,0 Milliarden Euro anpeilt. E.ON will künftig keinen Strom mehr erzeugen – weder aus Kraftwerken noch aus Ökostromanlagen – und sich auf die Geschäfte mit den Strom- und Gasnetzen, dem Vertrieb und den Kundenlösungen konzentrieren. Dazu will E.ON bis Ende 2019 das Vertriebs- und Netzgeschäft der RWE-Tochter Innogy übernehmen und das Ökostromgeschäft an RWE weiterreichen.

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