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Stromanbieter-Ranking Faire und günstige Stromtarife für 100 Städte

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Strom aus Flensburg - für ganz Deutschland

Viele Stromanbieter in unserem Ranking sind mit kommunalen oder städtischen Versorgern verbunden oder haben zumindest alte Verbindungen zu diesen. So ist zum Beispiel der Anbieter ESWE mit Sitz in Wiesbaden im Jahr 2000 aus den dortigen Stadtwerken hervorgegangen. Hier berichten Kunden vereinzelt über Probleme etwa im Wechselprozess, dies könnte die Folge eines großen Kundenansturms beim preisaggressiven Anbieter sein.  Der Ökostrom-Rankingspitzenreiter Stadtwerke Flensburg ist noch heute komplett in Hand der Stadt Flensburg. Etwa drei von vier ihrer Kunden stammen aber nicht mehr aus Flensburg, sondern aus dem restlichen Bundesgebiet. Seit 1999 können auch Haushalte von außerhalb ihren Strom von den Flensburgern beziehen. Der Anbieter Rheinpower ist eine Onlinemarke der Stadtwerke Duisburg. Die Anbieter Logo Energie, Sauber Energie, Maingau und EnergieGUT zählen zumindest zu ihren Gesellschaftern kommunale und städtische Unternehmen.

Bei all diesen Anbietern waren keine Auffälligkeiten in Sachen Kundenzufriedenheit festzustellen.

Auf ein kommunal geprägtes Unternehmen könnte auch der Name des Anbieters BEV hindeuten, der in Gänze BEV Bayerische Energieversorgungsgesellschaft mbH heißt. Doch dieser Eindruck täuscht. Zwar ist der Anbieter nach eigener Darstellung "der günstige Stromversorger aus München". Doch wer hier Verbindungen etwa zu den Münchner Stadtwerken vermutet, täuscht sich. Weitere Details zum Unternehmen und seinen Gesellschaftern suchen Interessenten auf der Website vergeblich. Alleiniger Gesellschafter der BEV ist laut Auskunftei Creditreform eine in der Schweiz ansässige Genie Holding AG. Zu BEV zählt auch noch die Marke Enervatis, die ebenfalls Strom anbietet.

Mittlerweile tummeln sich auf dem Strommarkt auch einige Anbieter, die ohne großen eigenen Personalaufwand auskommen. Sie können Strom an der Börse kaufen, Call-Center von Dienstleistern  und den Vertrieb weitgehend über Vergleichsportale abwickeln. Insofern muss ein schlanker Unternehmensauftritt nicht problematisch sein. Allerdings gibt es bei BEV ein paar Auffälligkeiten. So geriet das Unternehmen etwa in die Kritik von Verbraucherschützern. Sowohl BEV als auch Enervatis wurden vom Marktwächter Energie  -  eine bislang im Bundesland Niedersachen eingerichtete Stelle der Verbraucherzentrale, die mittlerweile auf das ganze Bundesgebiet ausgeweitet wurde  - abgemahnt, weil sie die laufenden Abschläge von Kunden mitten in der laufenden Abrechnungsperiode ändern wollten. Kunden wurden aufgefordert, einen höheren Abschlag zu zahlen, weil sie angeblich einen höheren Stromverbrauch als ursprünglich prognostiziert hätten.

Die günstigsten Tarife bei 5000 kWh Verbrauch - Normalstrom ohne Bonus
AnbieterTarifTop-3-Tarif in … von 100 Städten (1)Preis in Euro (2)Ersparnis erstes Jahr in Euro (3)
Maingau EnergieStromRegio961267228
Grünweltgrünstrom pur 12951268227
BEVStrom Pur601286209

Gewertet wurde je ein Tarif pro Sparte und Anbieter;
max. 6 Wochen Kündigungsfrist, max. 1 Monat automatische Vertragsverlängerung, mind. 1 Jahr Preisgarantie (meist ohne EEG-Umlage);
(1) Anzahl Top-3-Platzierung in den 100 größten Städten;
(2) Durchschnitt über die Städte mit Top-Platzierung aus den 100 größten Städten;
(3) durchschnittliche Ersparnis in den Städten mit Top-Platzierung aus den 100 größten Städten gegenüber dem Grundversorgungstarif des lokalen Anbieters;
Stand: 20.09.2017
Quelle: WirtschaftsWoche, Daten: Verivox


Laut Verbraucherzentrale Niedersachen kann der Anbieter selbst Abschläge nur mit Blick auf den Vorjahresverbrauch festsetzen.

Sollten Kunden tatsächlich deutlich mehr Strom verbrauchen, können sie Abschläge zwar anpassen, um sich vor einer späteren Nachzahlung zu schützen. Doch dafür sind sie auf die Zustimmung des Kunden angewiesen. In einem Fall bei der BEV stellte sich zum Beispiel laut Marktwächter Energie heraus, dass sich der Verbrauch des betreffenden Kunden tatsächlich gar nicht erhöht hatte. BEV nahm die Abschlagserhöhung daraufhin zurück. Auf dem Beschwerdeportal Reclabox schneiden BEV und Enervatis zusammen mit in Summe rund 570 Beschwerden relativ schlecht ab. Damit liegen sie auf Platz 5 der Energieversorger mit der höchsten Beschwerdeanzahl. Offenbar sah auch BEV hier Handlungsbedarf. So berichtet der Marktwächter Digitale Welt, ebenfalls den Verbraucherzentralen zugeordnet, dass BEV in der Vergangenheit Kunden im Gegenzug für positive Bewertungen auf dem Vergleichsportal Check24 einen 100-Euro-Bonus in Aussicht gestellt hatte.

Prokon, Prokon, war da nicht was?

Höhere Abschläge wären aus Kundensicht theoretisch nur ein vorübergehendes Problem. Schließlich müssten sie bei zu hohen Zahlungen nach der Abrechnung die Differenz erstattet bekommen. Doch, ähnlich wie bei Tarifen mit Vorauskasse, könnten sie ein Problem haben, wenn der Anbieter in finanzielle Schwierigkeiten geraten sollte. Dass dieses Risiko mehr als pure Theorie ist, zeigen mehrere Pleiten, etwa bei Teldafax 2011, Flexstrom 2013 und in diesem Jahr Care Energy.

Die günstigsten Tarife bei 2000 kWh Verbrauch - Ökostrom (1) ohne Bonus
AnbieterTarifTop-3-Tarif in … von 100 Städten (1)Preis in Euro (2)Ersparnis erstes Jahr in Euro (3)
SW FlensburgFlensburg Extra Öko10058375
ProkonProkon Strom9960157
EnergieGUTHalloNatur!9561147

Gewertet wurde je ein Tarif pro Sparte und Anbieter;
max. 6 Wochen Kündigungsfrist, max. 1 Monat automatische Vertragsverlängerung, mind. 1 Jahr Preisgarantie (meist ohne EEG-Umlage);
(1) Anzahl Top-3-Platzierung in den 100 größten Städten;
(2) Durchschnitt über die Städte mit Top-Platzierung aus den 100 größten Städten;
(3) durchschnittliche Ersparnis in den Städten mit Top-Platzierung aus den 100 größten Städten gegenüber dem Grundversorgungstarif des lokalen Anbieters;
Stand: 20.09.2017
Quelle: WirtschaftsWoche, Daten: Verivox


Zusammenzucken dürften daher manche, wenn sie in unseren Rankingtabellen auch den Namen des Anbieters Prokon lesen. Schließlich rutschte das Windkraftunternehmen aus Itzehoe schon 2014 in die Insolvenz. Verluste erlitten hier aber vor allem Investoren, etwa mit Genussrechten von Prokon, nicht Stromkunden. Im Internetauftritt des Stromanbieters sind Erläuterungen zur Insolvenz recht gut versteckt - etwa in den Ausführungen zur Unternehmenshistorie. Jedenfalls wird Prokon seit 2015 als Genossenschaft weiterbetrieben. Weder bei den Zahlen von Kündigungen noch bei denen der Beschwerden sticht der Stromanbieter hervor.

Auffällig viele Beschwerden von Kunden gab es zum Anbieter Grünwelt, der zum Unternehmen Stromio gehört. Stromio steht in der Kündigungsstatistik von Aboalarm mit fast 12.000 Kündigungen auf Platz 3, Grünwelt selbst mit rund 6900 Kündigungen auf Platz 5. Auch hier gilt: Da beide Anbieter mit Discountpreisen auftreten, lassen sich aus gehäuften Kündigungen nicht sofort Probleme etwa beim Kundenservice ableiten. Doch laut Aboalarm gab es bei Stromio auch einige Unklarheiten. So seien alle bis zum 1. Oktober 2016 abgeschlossenen Verträge ausschließlich auf dem Postweg kündbar. Erst seit diesem Stichtag könne auch per Fax gekündigt werden. Weil auf der Website aber die neuen Geschäftsbedingungen hinterlegt sind, hätten auch Kunden mit älteren Verträgen teils per Fax gekündigt - womit die Kündigung nicht wirksam war. Auf dem Beschwerdeportal Reclabox ist Stromio mit gut 1300 Beschwerden der Energieversorger mit den zweitmeisten Beschwerden, knapp hinter dem Anbieter ExtraEnergie (mit den dazugehörigen Marken HitEnergie und Prioenergie).

Wer sich neben günstigen Preisen und fairen Tarifkonditionen auch möglichst guten Kundenservice sichern will, der sollte daher den Hintergrund und Ruf der Anbieter kennen.

Auf den folgenden Seiten nochmal alle Tabellen mit den Top-Anbietern unseres Strom-Rankings, sortiert nach Verbrauch, mit und ohne Bonus.

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