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Stromanbieter-Ranking So senken Sie Ihre Stromkosten um bis zu 400 Euro

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Verbraucher müssen selbst aktiv werden

Immerhin hilft den Anbietern, dass ein Großteil der Verbraucher nicht bei erster Gelegenheit flüchtet. Bleiben die mit Billigpreisen angelockten Kunden länger, zahlt sich das für den Anbieter aus. Besonders teuer ist die Kundengewinnung. Allein als Provision an Vergleichsportale – für Discountanbieter der wichtigste Vertriebskanal – zahlen Anbieter meist 60 bis 80 Euro. Um in den Portalen auf den vorderen Plätzen zu landen, passen die Anbieter ihre Preise oft mehrmals täglich an.

„Das erledigen Spezialisten nach unseren Vorgaben“, berichtet der Manager eines Billigstromanbieters. Es gebe teils „regelrechte Preisschlachten“. Die Auswirkungen zeigt die tägliche Auswertung des günstigsten Angebots in Berlin und Hamburg für einen Zwei-Personen-Haushalt: In einer zufällig gewählten Woche Ende September fielen die Preise um zwei Prozent, was binnen sechs Tagen den Tarif um elf Euro pro Jahr vergünstigte.

Aus diesen Gründen schwitzt die Erde

Selbst zwischen Großstädten ist der Wettbewerbsdruck unterschiedlich hoch: So zahlen Kunden beim günstigsten Anbieter in Berlin am wenigsten. In der Hauptstadt gibt es viele Wechselwillige, viele Angebote. Die Netzgebühren sind gering, sodass Anbieter höhere Nachlässe verkraften. Für 4000 Kilowattstunden werden nach Verivox-Daten in Berlin nur 224 Euro vor Steuern an Netzgebühren fällig. Im Bundesdurchschnitt sind es 263 Euro, in Brandenburg gar 339 Euro.

Aufschlag für beratungsintensive Kunden

Unter dem Strich zahlen Verbraucher selbst bei den günstigsten Anbietern in den Städten von Sachsen und Sachsen-Anhalt im bundesweiten Vergleich am meisten.

Discountanbieter steuern ihre Preise gezielt. Teils so, dass eine bestimmte Anzahl an Neukunden pro Tag abschließt. Zu viele sollen es nicht sein. Sonst wäre der Kundenservice überfordert, die Liquidität überstrapaziert. Denn besonders preissensible Kunden wählen fast ausschließlich Tarife mit Neukundenboni. Meist fließen ihnen diese mittlerweile als Sofortbonus zu, also in der Regel binnen 60 bis 90 Tagen nach Vertragsabschluss oder Lieferbeginn. Der Anbieter muss erst mal investieren, bevor er Geld vom Kunden sieht. Aus Sicht der Anbieter bieten Boni dennoch einen Vorteil: Vom zweiten Jahr an zahlen Kunden automatisch mehr, ohne dass der Anbieter den Preis erhöhen muss. So lassen sich auch niedrige Kampfpreise gegenfinanzieren. Probleme gibt es, wenn zu viele Kunden kündigen. „Manche Neukunden schicken gleich mit dem Lastschriftauftrag die Kündigung zur Mindestvertragslaufzeit“, sagt der Kundenbetreuer eines Billigstromanbieters.

Um im Markt bestehen zu können, werten Anbieter sogar detailliert Kundendaten aus. So steige die Wahrscheinlichkeit von Preiserhöhungen beim einzelnen Kunden nicht nur, wenn eine Zahlung verspätet eingehe, sondern auch wenn er sich häufig im Kundencenter melde, berichtet der Kundenbetreuer. Solche Kunden verursachten zu hohe Kosten.

Ein Ende der Preisanstiege für alle Kunden ist vorerst nicht in Sicht. Noch bis 2023 rechnet das Freiburger Öko-Institut mit einer steigenden EEG-Umlage, die – ohne weiteres Absinken des Börsenstrompreises – den Stromverbrauch verteuert. Erst danach soll die EEG-Umlage langsam fallen. So lange müssen Verbraucher noch selbst aktiv werden, um ihre Stromrechnung zu drücken.

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