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Stromkonzerne Politik der Energiewende macht große Versorger kaputt

Die vier großen Versorger sind ein Schatten ihrer selbst. Die Politik der Energiewende hat den Unternehmenswert, die Finanzkraft und die Substanz dezimiert. Den Chefs bleibt vorläufig nur, sich durchzuwurschteln – Ziel und Ausgang offen.

Nach 100 Tagen im Amt zieht Frank Mastiaux, Chef bei EnBW, bittere Bilanz - Und auch bei den anderen Energieriesen sieht es nicht rosig aus Quelle: dpa

Frank Mastiaux, seit knapp über 100 Tagen Chef des baden-württembergischen Stromversorgers EnBW, gab sich vorige Woche am Konzernsitz in Karlsruhe als weitsichtiger Stratege: „Schnellschüsse wird es bei uns nicht geben.“

Der 49-Jährige hat 15 Experten benannt, die eine neue Strategie ausarbeiten sollen – Manager „mit Biss und Birne“, wie Mastiaux sagt. Mit Birne, weil es viel Hirnschmalz braucht, um dem atomlastigen Riesen eine Zukunft zu eröffnen. Und mit Biss, weil Mastiaux jede Beteiligung und jedes Kraftwerk gnadenlos auf Wirtschaftlichkeit prüfen muss.

E.On nach 20 Monaten Energiewende

Es sieht düster aus für die großen vier der deutschen Energiebranche, speziell auch für die Nummer drei EnBW. 13.400 Megawatt Strom kann der Energiekonzern derzeit erzeugen, genügend, um zwölf Städte der Größe Stuttgarts mit Energie zu versorgen. Aber Geld verdient der Riese im Eigentum des grün-rot regierten Baden-Württembergs und mehrerer oberschwäbischer Kommunen keines.

Hohe Rohstoffpreise und der Vorrang der erneuerbaren Energien bei der Stromeinspeisung ins Netz machen die Gas- und Kohlekraftwerke zum Minusgeschäft. Seitdem EnBW vor fast zwei Jahren zwei seiner vier Atomkraftwerke abschalten musste, drehten die Zahlen ins Minus. Nach einem Verlust von 867 Millionen Euro 2011 dürfte auch die Bilanz 2012, die Mastiaux im März vorlegen will, nicht rosig ausfallen.

Ob EnBW oder RWE, Branchenprimus E.On oder die Nummer vier hierzulande, Vattenfall: Der mittelfristige Ausstieg aus der Atomkraft, obwohl erst für 2022 terminiert, hat zusammen mit dem rasanten, hoch subventionierten Ausbau der Solar- und Windenergie die Geschäftsmodelle zerbröselt und die Konzerne geschwächt.

Gut gerüstete Versorger
Welche Versorger seit der Energiewende umdenkenPlatz 10: VattenfallDie Studie der European School of Management (ESMT) analysiert, wie führende europäische Energiekonzerne mit den Herausforderungen der Energiewende umgehen. Der von der Bundesregierung beschlossene Atomausstieg setzt deutsche Unternehmen besonders unter Druck. Gleichwohl ist die gesamte Branche betroffen, denn - so das Ziel der EU - ganz Europa soll umsteigen auf eine nachhaltige, kohlendioxidarme Stromerzeugung. In der Studie wurden die Forschungsaktivitäten der Unternehmen, aber auch Produktivität und Nachhaltigkeit bewertet. Auf Platz 10 im Innovationsindex schafft es der schwedische Konzern Vattenfall. Für Wachstum im Konzern soll zukünftig grüne Energie sorgen. Noch stützen sich die Aktivitäten in Deutschland aber stark auf den Braunkohletagebau. Das Bild zeigt einen Schaufelradbagger im südbrandenburgischen Welzow. Quelle: dpa
Platz 9: EonNachdem sie jahrelang vernachlässigt wurden, rücken die Erneuerbaren Energien immer stärker in den Fokus der deutschen Stromriesen. Nicht der Großkraftwerksbau, sondern Windparks in Nord- und Ostsee oder Photovoltaik-Anlagen im Süden, Geothermie oder Biomasseanlagen gelten als die Geschäftsfelder der Zukunft. Alle 18 Monate, versprach Eon-Konzernchef Johannes Teyssen unlängst, werde das Unternehmen künftig einen neuen Windpark anfahren. Eine Summe von mindestens 7 Milliarden Euro wollen die Düsseldorfer in den kommenden sieben Jahren in Erneuerbare stecken. Ein Projekt ist der Windpark Amrumbank West, wo in drei Jahren 80 Turbinen Windstrom für 300.000 Haushalte produzieren sollen. Im Innovationsindex landet Eon auf Platz neun. Quelle: dpa
Platz 8: EnelDer italienische Energieriese Enel ist mit einem Umsatz von 72 Milliarden Euro der drittgrößte europäische Versorger hinter Eon und GDF Suez, aber noch vor Electricité de France. Vor vier Jahren gelang es Enel den damals größten spanischen Versorger Endesa zu übernehmen, obwohl sich auch Eon monatelang um diesen bemüht hatte. Seitdem hat Enel ein starkes Standbein in Spanien, ebenso in Südamerika. In der Studie schafft es Enel immerhin auf den achten Platz. Quelle: dpa
Platz 7: StatkraftDer norwegische Konzern Statkraft ist der europaweit größte Erzeuger erneuerbarer Energien - und landet im Ranking auf Platz sieben. Der Konzern baut und betreibt Wasser-, Wind-, Gas- und Fernwärmekraftwerke und beschäftigt 3.300 Mitarbeiter in über 20 Ländern. Statkraft betreibt allein in Deutschland zehn Wasserkraftwerke. Das Bild zeigt die Alltwalis Windfarm in Wales.
Platz 6: DongIm Innovationsindex landet der dänische Energieversorger Dong auf Platz sechs. Das Unternehmen betreibt einige der größten Windparks in der Nordsee. Der auf dem Bild gezeigte Windpark - 30 Kilometer westlich von Jütland gelegen - besteht als 91 Windturbinen (Kapazität: 209 Megawatt). Auch vor der deutschen Küste ist Dong aktiv: Das Unternehmen plant für eine Investitionssumme von 1,25 Milliarden Euro den Bau eines Offshore-Windparks vor Borkum. Die Gesamtkapazität soll bei 320 Megawatt liegen; die Strommenge würde ab 2014 den Bedarf von etwa 330.000 Haushalten decken. Quelle: ap
Platz 5: EDPAlle in der Studie untersuchten Energiekonzerne haben die Ausgaben für Forschung und Entwicklung in den vergangenen Jahren stark angehoben - insgesamt um mehr als 40 Prozent. Der portugiesische Stromerzeuger EDP ist in diesem Bereich besonders stark - und landet in der Rangliste der innovativsten europäischen Versorger auf Platz fünf. Doch nicht nur deshalb standen die Bieter Schlange, als der schuldengeplagte Staat seinen 21-Prozent-Anteil an EDP (Energias de Portugal) im November 2011 verkaufte. Mit dem Einstieg bei EDP ist auch der Vorstoß auf den brasilianischen Markt verbunden, wo der portugiesische Konzern stark vertreten ist. Am Ende erhielt der chinesische Investor „China Three Gorges Cooporation“ für 2,69 Milliarden Euro den Zuschlag. Eon ging leer aus. Quelle: Reuters
Platz 4: GDF-Suez Die Grande Nation setzt nur auf Atomkraft? Nein, nicht mehr. In Reihen der französischen Energie-Manager hat ein Umdenken eingesetzt, auch wenn der Vorstandschef von GDF-Suez, Gerard Mestrallet (Bild), den Jahresgewinn von 17 Milliarden Euro noch auf traditionellem Weg eingefahren hat. Derzeit nimmt Frankreichs erster Windpark auf See Gestalt an. GDF Suez bewirbt sich für den Standort vor dem bretonischen Ferienort Saint Brieuc, wo bis zu 500 Megawatt Energie erzeugt werden sollen. Insgesamt sollen nach Angaben der Regierung durch das Zehn-Milliarden-Euro-Projekt vor der französischen Küste bis zu 600 Windräder entstehen, die bis 2015 zusammen drei Gigawatt Strom erzeugen sollen - etwa so viel wie drei Atomkraftwerke. Bis 2020 sind sogar 1200 Windräder mit einer Produktion von sechs Gigawatt geplant. GDF-Suez will kräftig mitmischen und kommt im Innovationsindex auf Platz vier. Quelle: dpa

„Wir haben eine Bilanz, die sich mit dem Haushalt von Spanien oder Italien vergleichen lässt“, sagt ein hochrangiger Manager eines der vier Konzerne. Anstelle von Aufbruch hat die Energiewende den großen vier Energiekonzernen den Abbruch beschert – und sie in eine weitgehend ungelöste Sinnkrise gestürzt. „Mastiaux will Zeit, denn die Ratlosigkeit ist groß“, sagt ein Brancheninsider. Im Sommer, hofft der neue Konzernchef, mit dem Aufsichtsrat zumindest eine neue Strategie diskutieren zu können.

Ohne Rücksicht

„Wir haben zu stark in Megawatt und Kilometern gedacht, jetzt müssen wir uns an Watt und Meter gewöhnen“, resümiert Mastiaux bitter und stöhnt über die völlig veränderte Geschäftslage. Jeder 60. Deutsche versorgt sich bereits selbst mit Energie und braucht die großen Versorger nicht mehr, Tendenz steigend. Die Haushaltskunden, früher eine träge Masse, wechselten immer häufiger die Stromlieferanten. Waren es früher nur vier Prozent pro Jahr, wählten in der zweiten Hälfte 2012 in der gesamten Branche gut 25 Prozent den Anbieter oder den Stromtarif.

Ausverkauf der Energiekonzerne

Was die Regierung erreicht hat
Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) und Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) stellten den ersten Monitoringbericht zur Umsetzung des Milliardenprojekts vor. Quelle: dpa
Klimaschutz Quelle: dpa
Erneuerbare Energien Quelle: dapd
Gebäude Quelle: dpa
Effizienz Quelle: dpa
Verkehr Quelle: dpa
Kosten Quelle: AP

Um nicht unter die Solarpaneele und Windräder zu kommen, bleibt EnBW wie RWE im Jahr zwei der Energiewende erst einmal nur, möglichst schnell Geschäft zu verkaufen. So soll EnBW planen, den Billigstromanbieter Yello loszuschlagen, heißt es in Branchenkreisen. Branchenführer E.On will sich von einst mächtigen Regionalversorgern trennen, etwa von der Tochter E.On Westfalen Weser. Hauptsache, das bringt Geld, um die unternehmerische Handlungsfähigkeit nicht vollends zu verlieren.

Schuld an dem Ausverkauf ist die Politik, die ohne Rücksicht auf die Unternehmen gleich eine doppelte Wende durchpeitschte und ihnen damit beträchtlichen Teil der Geschäftsgrundlage entzog. Auf der einen Seite entwerteten die Sofortabschaltung der ersten acht Atomkraftwerke, die Rücknahme der Laufzeitverlängerung und die deutlich verkürzten Restlaufzeiten bis 2022 die Meiler. Auch wenn die Noch- und Ex-Betreiber hoffen, sich den Milliardenschaden per Gericht beim Steuerzahler wiederzuholen: Bis klar ist, ob und wie viel Geld fließt, werden noch Jahre vergehen.

Überflüssige Puffer

Auf der anderen Seite zehrt der beschleunigte Ausbau der erneuerbaren Energien an den Verdienstmöglichkeiten. Zwar beschloss die Koalition im vergangenen Jahr, die geförderte Installation von Solaranlagen in Deutschland zu deckeln. Dadurch setzte sie aber ein Windhundrennen in Gang und trieb die Zahl der Neuinstallationen in neue Höhen. Zusammen mit dem staatlich verordneten Vorrang für Grünstrom bei der Einspeisung ins Netz führt das dazu, dass konventionelle Kraftwerke immer weniger Stunden gebraucht werden, wenn Sonne und Wind nicht genügend Strom liefern. Die Stilllegung solcher unrentablen Anlagen hatte die Bundesnetzagentur im vergangenen Winter sogar verboten. Künftig wollen sich die Kraftwerksbetreiber das nicht bieten lassen.

EnBW nach 20 Monaten Energiewende

E.On-Chef Johannes Teyssen bekommt diese Politik vor allem bei seinen Gaskraftwerken zu spüren, die keinen Cent Gewinn mehr abwerfen. Einst als Puffer in wind- und sonnenarmen Zeiten gelobt, werden die Meiler nun weniger gebraucht als gedacht. Bis 2015 muss Teyssen elf Megawatt Gas- und Kohlekraftwerke stilllegen, das entspricht der Leistung von rund zehn Atomkraftwerken. 30 konventionelle Anlagen will er vom Netz nehmen.

RWE nach 20 Monaten Energiewende

Zwar investiert E.On im Gegenzug kräftig in erneuerbare Energien. Die Düsseldorfer betreiben derzeit fünf Windparks in der Nord-, Ost- und Irischen See und planen, etwa alle 18 Monate eine neue Anlage in Betrieb zu nehmen. Und vor der britischen Küste bauen die Rheinländer zusammen mit dem dänischen Energiekonzern Dong und Abu Dhabi den weltweit größten Meereswindpark, London Array. Nach vollständiger Fertigstellung Ende 2016 soll die Riesenanlage Strom für 750.000 britische Haushalte erzeugen.

Flaute in der Windenergie

13 bittere Wahrheiten über den Strompreis
Stromzähler Quelle: dpa
Ein Mann arbeitet in der Industrie Quelle: dapd
Rauchende Schornsteine Quelle: dpa
Ein Offshore-Windpark Quelle: dpa
Ein Windpark Quelle: dpa
Vormontierte Teile von Windkraftanlagen Quelle: dpa
Solaranlage Quelle: dpa

Der Zuwachs an Windenergie kann aber nicht ausgleichen, was an fossilen Kraftwerken wegfällt. „Wir gehen davon aus, dass wir Ende 2015 über eine Erzeugungsleistung von über 1.000 Megawatt verfügen werden“, schwärmte unlängst der für Windkraftprojekte des Konzerns zuständige E.On-Manager Sven Utermöhlen. Gemessen an den stillgelegten fossilen Meilern, wäre das jedoch nur ein Klacks.

Übersicht zur Börsenentwicklung von RWE und Eon (zum Vergrößern bitte Bild anklicken)

Während E.On sich weltweit als drittgrößten Windparkbetreiber auf hoher See sieht, ist bei RWE von „VoRWEg gehen“, wie es in der Konzernwerbung heißt, auf diesem Gebiet wenig zu sehen. Weil die Essener später als E.On starteten, läuft ihnen bei den geplanten Offshore-Windparks Nordsee Ost und Innogy Nordsee die Zeit davon. Es fehlen Investoren und Netzanschlüsse, Genehmigungsverfahren kommen nicht voran, Ausrüster können nicht schnell genug liefern, und es mangelt an Spezialschiffen für den Aufbau der Fundamente und Mühlen.

Pech für die Konzerne

Und auch RWE-Chef Terium kann nicht hoffen, vom Grünstrom bedrohte Kraftwerke bald durch neue Ökoanlagen zu ersetzen. Die beiden RWE-Windparks North Noyle und Rhyl Flats vor der Küste von Nordwales liefern zwar seit Jahren Strom. Und vor der belgischen Küste nahm RWE Ende Januar die zweite Ausbaustufe des Offshore-Windparks Thornton Bank in Betrieb, an dem das Unternehmen 26,7 Prozent hält. Geht die dritte und letzte Stufe im Sommer ans Netz, stehen trotzdem nur Anlagen mit 325 Megawatt im Wind. Das ist nicht einmal die Hälfte der Leistung eines Steinkohlekraftwerks, das vor grünem Strom kapituliert. Einzig die Braunkohlekraftwerke von RWE laufen wegen der zurzeit billigen Emissionszertifikate für Verschmutzungsrechte profitabel.

Vattenfall nach 20 Monaten Energiewende

Auch das Land Baden-Württemberg, das vor über einem Jahr für rund fünf Milliarden Euro eine 46,5-prozentige Beteiligung an EnBW erworben hat, wird seines Versorgers nicht mehr so richtig froh. Immerhin kann Mastiaux darauf bauen, dass die grün-rote Landesregierung Wind und Solar als ihre Herzenssache betrachtet: Weil aber die Energiewende EnBW die Einnahmen wegfrisst, schwindet auch Mastiauxs’ Handlungsspielraum. Mit dem Offshore- Windpark EnBW Baltic 1 hatte Mastiauxs’ Vorgänger Hans-Peter Villis 2011 den ersten kommerziellen Offshore-Windpark in der deutschen Ostsee in Betrieb genommen. Aktuell baut EnBW Baltic 2.

Investitionsrisiken bremsen Windenergie-Ausbau

Die Agenda der Energiekonzerne 2012
RWE: Beim zweitgrößten deutschen Energiekonzern steht ein Wechsel im Vorstandsvorsitz an. Quelle: dpa
Hans-Peter Villis Quelle: dapd
 Werner Müller Quelle: dpa
RAG-Stiftung Quelle: dpa
Steinkohlebergbau an der Saar Quelle: dpa
E.On Quelle: dpa

Doch das war’s erst einmal. Das geplante Windmühlenfeld Hohe See in der Nordsee will EnBW-Chef Mastiaux weiter ruhen lassen. Die Investitionsrisiken seien nach wie vor zu groß. Bei der Windenergie an Land hinkt EnBW den Wettbewerbern aus Düsseldorf und Essen abgeschlagen hinterher. E.On hat bereits 3.500 Megawatt, RWE rund 1.500 Megawatt installiert. EnBW bringt es auf mickrige 170 Megawatt.

Welche Offshore-Windparks den Netzanschluss bekommen oder warten müssen

Die Nummer vier, der schwedische Versorger Vattenfall, musste bei seiner deutschen Tochter im vierten Quartal 2012 einen Absturz beim Gewinn von 350 auf 150 Millionen Euro hinnehmen. Die Skandinavier, die ihre Atomkraftwerke Brunsbüttel und Krümmel an der Elbe abstöpseln mussten, profitieren ähnlich wie RWE nur noch von ihren Braunkohlekraftwerken.

Die größten Stärken und Schwächen von RWE
Schwäche 1: Teurer Zukauf von Kohlendioxid-ZertifikatenDer Atomausstieg macht RWE an einer Stelle besonders stark zu schaffen – wenn es um die CO2-Emissionen geht. RWE-Chef Jürgen Großmann hatte lange gehofft, durch eine Verlängerung der Laufzeiten bei den Kernkraftwerken möglichst viel CO2-freien Strom produzieren zu können. Doch nach der Atomkatastrophe von Fukushima ist klar: Der Energiekonzern wird nach wie vor sehr stark abhängig von seinen Kohlekraftwerken (Bild: Kraftwerk Westfalen in Hamm) und damit auch der größte Emittent des klimaschädlichen Kohlenstoffdioxids bleiben. Quelle: dapd
Schwäche 1: Teurer Zukauf von Kohlendioxid-ZertifikatenSo hat der Konzern im vergangenen Jahr insgesamt 161,9 Millionen Tonnen CO2 ausgestoßen. Das sind zwar knapp zwei Prozent weniger als 2010. Doch nur für 116,6 Millionen Tonnen hat RWE kostenlos Zertifikate zugeteilt bekommen. Für den Rest, also 45,3 Millionen Tonnen, musste der Versorger Zertifikate erwerben – und dafür rund 600 Millionen Euro bezahlen. (Bild: Braunkohlekraftwerk Neurath in Grevenbroich) Quelle: dpa
Schwäche 1: Teurer Zukauf von Kohlendioxid-ZertifikatenDoch während RWE heute noch fast drei Viertel der Verschmutzungsrechte kostenlos erhält, muss der Konzern sich darauf einstellen, ab 2013 für alle Zertifikate zu bezahlen. Wie hoch die Mehrbelastung für RWE dadurch sein wird, ist schwer vorauszusagen. Denn allein im Jahr 2011 schwankten die Preise zwischen 7,40 Euro und über 17 Euro pro Tonne. Für den Teil, den RWE bisher noch gratis erhalten hat, wären das Kosten zwischen gut 860 Millionen und knapp zwei Milliarden Euro. (Bild: Braunkohlekraftwerk Neurath) Quelle: dpa
Schwäche 2: Ratingagenturen kritisieren steigende VerschuldungDer Anstieg der Verschuldung ist ein weiterer Punkt, der dem RWE-Chef Jürgen Großmann (im Bild links mit seinem Nachfolger Peter Terium) angekreidet wird. Denn in seiner Amtszeit haben sich die Nettoschulden deutlich erhöht. Während sie im Jahr 2007 noch bei 16,51 Milliarden Euro lagen, betrugen sie Ende 2011 dagegen stolze 29,95 Milliarden Euro. Quelle: dpa
Schwäche 2: Ratingagenturen kritisieren steigende VerschuldungDie Nettoschulden beinhalten alle Finanzschulden wie etwa Anleihen und Bankkredite abzüglich der flüssigen Mittel. Hinzu kommen Rückstellungen für Pensionen und die Entsorgung im Kernenergiebereich sowie bergbauliche Rückstellungen. Die Nettoschulden machten 2011 175 Prozent des Eigenkapitals und das 3,5-Fache des Ergebnisses vor Zinsen,  Steuern und Abschreibungen (Ebitda) aus. Das eigens gesetzte Ziel, beim am Ebitda gemessenen Verschuldungsfaktor eine Obergrenze von 3,0 einzuhalten, hat RWE damit nicht erreicht. (Bild: Ratingagentur Moody's) Quelle: Reuters
Schwäche 2: Ratingagenturen kritisieren steigende VerschuldungTrotz bereits erfolgter Abstufungen – unter anderem weil die Belastungen durch den Atomausstieg ansteigen – sind die externen Ratings noch ordentlich: Moody’s vergibt ein A3, S&P ein A– und Fitch ein A. Alle drei Ratingagenturen haben ihre Bonitätsnoten aber mit einem negativen Ausblick versehen. Bekommt der Energieriese seine Verschuldung nicht in den Griff, könnte es mit den Ratings weiter abwärtsgehen. (Bild: Ratingagentur Standard & Poor's) Quelle: dpa
Schwäche 3: Investitionen können nicht aus eigenen Mitteln finanziert werdenRWE investiert regelmäßig mehr Geld, als der Konzern im operativen Geschäft erwirtschaftet. Im Jahr 2011 standen dem operativen Cash-Flow von 5,5 Milliarden Euro Investitionen in Sachanlagen und immaterielle Vermögenswerte von 6,4 Milliarden Euro gegenüber. Der sogenannte freie Cash-Flow lag somit bei minus 843 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor waren es sogar minus 879 Millionen Euro. (Bild: Windrad vor dem Braunkohlekraftwerk Neurath) Quelle: dpa

Inzwischen befürchtet die Politik, die Geister, die sie rief, könnten den Bürgern zu stark auf Geist und Portemonnaie gehen. Selbst Grüne und SPD wollen Verbraucher und Mittelstand beim Strompreis entlasten, nachdem Umweltminister Peter Altmaier die Idee einer Strompreisbremse in die Welt gesetzt hatte. Wie und wer stattdessen bezahlen muss, darauf haben sich Altmaier und Wirtschaftsminister Philipp Rösler geeinigt. Beide wollen die Betreiber der Ökoanlagen beteiligen, indem die Vergütung für neu zu bauende, aber auch für bestehende Anlagen reduziert wird.

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Um die Grünen auf ihre Seite zu ziehen, wollen Altmaier und Rösler den Kreis jener Unternehmen verkleinern, die ganz oder teilweise von der Ökostromumlage befreit sind. Künftig soll der Bonus nur für Branchen gelten, die im „intensiven“ internationalen Wettbewerb stehen. Die Begünstigten sollen zudem einen höheren Mindestbeitrag in den Ökostromtopf zahlen. Und auch der Eigenverbrauch der Ökostromerzeuger könnte der Umlage für die erneuerbaren Energien unterworfen werden – Ausnahmen für Kleinstanlagen und Kraft-Wärme-Kopplung inklusive.

Pech nur für E.On, RWE, EnBW und Vattenfall: Ihnen hilft das herzlich wenig.

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