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Subventionen EEG-Reform macht Strom noch teurer

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Der Preis der Sicherheit

13 bittere Wahrheiten über den Strompreis
Stromzähler Quelle: dpa
Ein Mann arbeitet in der Industrie Quelle: dapd
Rauchende Schornsteine Quelle: dpa
Ein Offshore-Windpark Quelle: dpa
Ein Windpark Quelle: dpa
Vormontierte Teile von Windkraftanlagen Quelle: dpa
Solaranlage Quelle: dpa

So wagte sich RWE-Frontmann Terium vergangene Woche aus der Deckung. „Der ganze Kontinent manövriert sich auf längere Sicht in eine kritische Lage“, mahnte Terium mit Blick auf die Versorgungssicherheit. Und forderte: „Unsere Kraftwerke müssen für gesicherte Leistung entlohnt werden.“ Die Börse gibt Teriums politischem Sendungswillen recht: Nach einer mehrjährigen Talfahrt gewinnen die Aktien von E.On und RWE in diesem Herbst zaghaft an Wert, die Marktteilnehmer haben offenbar eine Reform im Sinne der beiden Energieriesen bereits eingepreist.

Deren Forderungen machte sich jüngst die SPD zu eigen. Erst sorgte NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin mit einem WirtschaftsWoche-Interview für Aufsehen, in dem er offensiv für Subventionen von "maximal sechs Milliarden Euro im Jahr" warb, um den Betrieb fossiler Kraftwerke wieder rentabel zu machen. Am vergangenen Wochenende dann stellte sich Ministerpräsidentin Kraft grundsätzlich hinter ihren Minister, als sie die aus ihrer Sicht wichtigen Ziele der Energiewende benannte: "Entscheidend", so Kraft, sei es, "neben der Versorgungssicherheit die Preise für Verbraucher und Unternehmen im Blick zu behalten". Auch wenn die Höhe dieser Subvention umstritten ist, die grundsätzliche Bereitschaft, fossile Kraftwerke für Reserveleistung zu vergüten, gibt es parteiübergreifend.

Aufschlussreich ist auch das Personal, mit dem die SPD zu den Koalitionsverhandlungen über das Thema Energie nach Berlin reist. Neben Verhandlungsführerin Kraft sitzt der Industriefreund Heiko Maas aus der Kohle- und Stahlregion Saarland mit am Tisch. Der Umweltpolitiker Ulrich Kelber wurde vor Verhandlungsbeginn durch den brandenburgischen Ministerpräsidenten Dietmar Woidke ersetzt – Vattenfalls Braunkohletagebau ist im Land einer der wichtigsten Arbeitgeber. Als Sozialdemokratin mit ökologischer Überzeugung bleibt nur Nina Scheer übrig. Die Tochter des namhaften Umweltpolitikers Hermann Scheer ist jedoch gerade erst frisch in den Bundestag eingezogen, ihre Konfliktbereitschaft dürfte eher gering sein.

Die Versorgungssicherheit garantieren soll nach den Wünschen der Industrie die euphemistisch "Kapazitätsmarkt" betitelte Vergütung von Kraftwerksreserven. Mit Markt hat die Idee allerdings wenig zu tun: Um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, sollen Energiekonzerne Subventionen dafür erhalten, dass ihre fossilen Kraftwerke einspringen, wenn der Wind nicht bläst und die Sonne nicht scheint.

Ob als Kapazitätsmarkt oder in anderer Form etwa über eine Versicherungslösung – dass eine Subvention für fossile Kraftwerke kommt, kann fast als sicher gelten. Sogar der grüne NRW-Umweltminister Johannes Remmel sagt zum Kapazitätsmarkt: „So etwas Ähnliches brauchen wir.“ Das dürfte teuer werden.

Denn je mehr erneuerbare Energien ins Netz eingespeist werden, desto größer werden die Schwankungen. In fünf bis zehn Jahren liegen die Versorgungslücken, die gestopft werden müssen, voraussichtlich bei bis zu 50 Prozent der Leistung. Aktuell sind es etwa 15 Prozent. Zwar lässt sich mancher Engpass über die kurzfristige Abschaltung großer Stromverbraucher lösen, doch ganz ohne teure Reserven wird es nicht gehen.

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