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Tesla Powerwall Elon Musk verschiebt die Revolution

Beim Start ins deutsche Stromgeschäft kommt Tesla nicht wie geplant voran, die Powerwall verzögert sich. Aus Tesla-Sicht einer der Schuldigen: Wegen des deutschen Steuerrechts lohnen sich die Akkus für viele nicht.

Tesla Powerwall Quelle: Tesla

Ende Dezember hat Elon Musk, der Chef des Elektroautobauers Tesla und des Raumfahrtunternehmens SpaceX, Großes vollbracht: In der Weihnachtswoche gelang es seinem Team erstmals, eine Rakete für Weltraumtransporte sicher auf einer Plattform auf der Erde landen zu lassen. Wird die Landung Routine, können Module mehrfach verwendet werden – die Kosten der Raumfahrt werden drastisch sinken, hofft Musk. Dreimal zuvor waren Landeversuche gescheitert – sie endeten in teils mächtigen Feuerbällen.

Gemessen daran sind Verzögerungen bei zwei weiteren Vorzeigeprojekten Musks zwar weniger dramatisch. Doch für den ebenso ungeduldigen wie für große Sprüche bekannten Manager sind sie überaus ärgerlich. Im Fall des neuen Elektromobils Tesla Modell X brauchten seine Entwickler zwei Jahre länger als geplant, um den SUV straßentauglich zu bekommen. In Deutschland kommt er mit ebenfalls zwei Jahren Verspätung im Frühjahr auf den Markt.

Und nun klemmt es auch bei einem Vorhaben, von dem der Milliardär im vergangenen Mai behauptete, es werde „grundlegend ändern, wie die Welt Energie verwendet“. Einen Megaakku für den Hausgebrauch, Powerwall genannt, wollte Tesla im letzten Quartal 2015 in Deutschland auf den Markt bringen.

Doch ausgerechnet im Land, dessen Fokussierung auf Ökostrom der englischen Sprache den Begriff „the Energiewende“ bescherte, läuft es nicht nach Plan. Die Auslieferung des Sieben-Kilowattstunden-Akkus verzögert sich. Laut Tesla starte die Powerwall in Deutschland frühestens im Januar.

Deutsche Gesetze machen Tesla die Geschäfte schwerer

Musk will mit den Akkus ein Kernproblem der Energiewende beheben: Strom aus erneuerbaren Quellen zu gewinnen ist zwar umweltfreundlich und mittlerweile preislich konkurrenzfähig. Aber nur, solange der Wind weht oder die Sonne scheint. Strom zu puffern, also zu speichern und später zu nutzen, ist bis heute teuer. Das sollen Pufferbatterien für daheim ändern. Musks Powerwalls sollen in deutschen Kellern Energie puffern.

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Auslieferungsschwierigkeiten sind nicht das einzige Problem, mit dem Musk zu kämpfen hat. Dem Multirevolutionär und mit ihm der ganzen Strombranche erschwert eine widersinnige Klausel in der deutschen Energiegesetzgebung das Geschäft: Das deutsche Gesetz belastet auch Strom mit EEG-Umlage und Netzentgelten, der in privaten Großakkus oder in Batteriepacks von E-Autos gespeichert wird – auch dann, wenn die nur zwischengespeicherte Energie am Ende ins Netz zurückfließt.

Freunde und Feinde von Elon Musk

Das mache es für Eigentümer und Netzbetreiber unattraktiv, mit Akkus Angebotsspitzen bei Ökostrom aufzufangen und überschießende Nachfrage auszugleichen, klagen diese. So auch der Hamburger Energieversorger Lichtblick.

Der ist Technikpartner von Tesla und hat eine Software zur dezentralen Speichersteuerung entwickelt. Kunden können wählen, wie viel Strom in den Akkus bleiben soll und wie viel Lichtblick zum Puffern nutzen darf. Ein smarter Plan, der aber mit den Verbrauchsteuern kollidiert. „Ohne Abgabenbefreiung für systemdienlichen Speicherstrom“, sagt Lichtblick-Chef Gero Lücking, „ist es unwirtschaftlich, mobile Batterien in die Netze einzubinden.“

In Arbeit
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Der Bundesrat drängt nun auf eine Neuregelung und hat in der letzten Sitzung 2015 die Bundesregierung aufgefordert, Batterien von Netzentgelten und EEG-Umlage zu befreien. Der Bundestag möge das im Frühjahr 2016 im Strommarktgesetz verabschieden. Danach käme wohl auch Musk mit der nächsten Großtat im deutschen Stromnetz deutlich voran.

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