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Teyssens Trick Wie E.On das Gaskraftwerk Irsching retten will

Der Energieriese E.On will sein Gaskraftwerk Irsching mit einem raffinierten Trick in die Gewinnzone hieven. Der Plan von Konzernchef Johannes Teyssen geht zulasten der Kunden.

Der Vorstandschef des Energiekonzerns Eon, Johannes Teyssen (l), und der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU - M) im Kraftwerk Irsching. Quelle: dpa

Kurz vor Ostern kommt auf Jochen Homann ordentlich Arbeit zu. Dann wird der Präsident der Bundesnetzagentur einen Brief vom Energiekonzern E.On erhalten – und der hat es in sich.

Termingerecht am Montag, vor Ende der Frist am 31. März, wird Deutschlands größter Stromversorger definitiv die Stilllegung seines hochmodernen Gaskraftwerks Irsching in Bayern beantragen. Das erfuhr die WirtschaftsWoche aus dem Unternehmen. Bisher erklärte E.On lediglich, die Stilllegung zu prüfen. Eine Entscheidung sei noch nicht getroffen, hieß es vergangene Woche bei E.On. Doch die wirtschaftliche Perspektive des Kraftwerkes sei kritisch.

Hinter dem Ansinnen steckt ein raffiniertes Kalkül von Konzernchef Johannes Teyssen, um die Widersprüche der Energiewende auszunutzen und E.On alle Möglichkeiten zu lassen, mit Irsching doch noch Gewinn zu machen. Geht der Plan auf, helfen die Stromkunden dem Konzern am Ende, das Gaskraftwerk am Laufen zu halten, bis sich die Geschäftsaussichten entscheidend verbessern.

Die künftige E.On-Struktur

Der Stromverbraucher muss für Stilllegung zahlen

Und das soll so funktionieren: Weil Irsching durch die Bevorzugung von Wind- und Sonnenstrom zu selten ans Netz darf und dadurch Verluste macht, verlangt Teyssen, die Turbinen Ende März kommenden Jahres für immer abschalten zu dürfen. So lange muss das Kraftwerk nach einer Sondervereinbarung mit dem Netzbetreiber Tennet aus dem Jahr 2013 bereitstehen. Dafür überweist Tennet E.On schätzungsweise bis zu 80 Millionen Euro. Diese Summe bringt letztlich der Stromverbraucher auf.

Mit dem Antrag auf Stilllegung zwingt E.On die Politik, Klarheit über die Zukunft von Irsching zu schaffen. Denn dass die Netzagentur dem Begehren stattgibt, ist so gut wie ausgeschlossen. Dazu ist die Stromversorgung südlich der Main-Linie zu fragil. In der Region hat die Behörde seit dem Atomausstiegsbeschluss 2011 noch keinen Antrag auf Stilllegung eines fossilen Kraftwerks erlaubt. Stattdessen stufte sie elf solcher Anlagen als unerlässlich ein.

Das wird die Netzagentur auch mit Irsching tun und E.On deshalb dazu verdonnern, die Gasturbinen zwei weitere Jahre bis zum 31. März 2018 bereitzuhalten. Dieser Umstand – dass Irsching für die Versorgungssicherheit in Bayern unerlässlich ist – verschafft Konzernchef Teyssen aber eine überaus starke Position.

Teyssen will gegen die Netzagentur klagen

So wird der Konzern die Vergütung für Irsching zu seinen Gunsten neu verhandeln. Entscheidend ist die Verordnung für Reservekraftwerke. Denn die gilt nur für alte, abgeschriebene Anlagen. Würde die Netzagentur Irsching entsprechend einstufen, bliebe E.On auf Kapitalkosten sitzen, weil zwei der Blöcke erst 2010 und 2011 fertiggestellt wurden und noch längst nicht abgeschrieben sind. Zudem dürfen Anlagen mit dem Etikett Reservekraftwerk nie wieder regulär ans Netz. E.On-Chef Teyssen will deshalb laut Konzernkreisen gegen die Netzagentur klagen, sollte sie Irsching als Reservekraftwerk einstufen. Auf eine neue Sondervereinbarung mit der Behörde dürfte sich Teyssen allerdings nur einlassen, wenn für ihn mehr Geld herausspringt als bisher.

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Am Ziel seiner Träume wäre Teyssen vermutlich, wenn er Irsching weiterbetreiben könnte – als eines von acht Kraftwerken. Die will Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel einem internen Papier zufolge als dauerhafte Versicherung gegen Schwankungen beim Ökostrom unter Vertrag nehmen. Die Anlagen sollen per Ausschreibung den Zuschlag behalten.

Ob dauerhafte Versicherung gegen Stromschwankungen oder Sondervereinbarung: In beiden Fällen könnte Irsching überwintern, bis 2022 die letzten Atomkraftwerke stillgelegt werden – und dann, so die Hoffnung bei E.On, die Strompreise wieder steigen.

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