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ThyssenKrupp Die 13. Hauptversammlung bringt Pech

Auf der Aktionärsversammlung in Bochum wird deutlich: Der Konzern sucht sich noch immer selbst

Die Stärken und Schwächen von ThyssenKrupp
Stärke 1: Das Unternehmen besitzt ein solides Liquiditätspolster. Zwar hat Thyssen-Krupp gerade den zweiten Milliardenverlust in drei Jahren eingefahren. Dennoch ist der Konzern, dank eines sehr konservativen Finanzengagements, erstaunlich gut bei Kasse. Im vierten Quartal gelang es Finanzchef Guido Kerkhoff, die liquiden Mittel auf 3,6 Milliarden Euro zu erhöhen. Maßgeblich dazu beigetragen hat der Verkauf eigener Aktien, die ursprünglich als strategische Reserve für Übernahmen gedacht waren. Der Verkauf brachte einen Erlös von 1,6 Milliarden Euro. Quelle: dpa
Das aktuelle Liquiditätspolster reicht – abzüglich einer halben Milliarde Euro, die fest im operativen Geschäft gebunden sind – aus, um die in wenigen Monaten fälligen Finanzschulden von 0,6 Milliarden Euro abzulösen. Außerdem kann Thyssen-Krupp auf nicht gezogene Kreditlinien zurückgreifen, um sich bei Bedarf weitere 4,7 Milliarden Euro bei seinen Hausbanken zu borgen. Dank der hohen Liquidität sind die Anleihen von Thyssen-Krupp sogar für einen kleinen Kreis institutioneller Investoren interessant, die ihr Geld auch bei Unternehmen mit einer schlechten Bonitätsnote anlegen. Thyssen-Krupp gibt überwiegend Anleihen mit einem Nennwert von 1.000 Euro aus , wendet sich also gezielt an Privatanleger. Der Ruhrkonzern steht für Seriosität und finanzielle Solidität. Die Sorge, das Unternehmen könne pleitegehen, haben viele Privatanleger nicht. Bei den meisten Dax-Konzernen ist eine Mindeststückelung von 50.000 Euro üblich. Quelle: dapd
Stärke 2: Innovative Ingenieure sichern Vorsprung gegenüber den Konkurrenten. Der Investitionsgüter- und Stahlkonzern Thyssen-Krupp ist überwiegend auf bereits entwickelten Märkten tätig – und trifft dabei auf Konkurrenten mit günstigeren Kostenstrukturen. Um gegen sie zu bestehen, setzt der Konzern auf die innovative Kompetenz seiner Ingenieure. Denn erfahrungsgemäß sind die Kunden bereit, für bessere Qualität, größere Zuverlässigkeit und längere Lebensdauer eines Produktes einen Aufpreis zu bezahlen. Quelle: dapd
Auch im Geschäft mit seinen wichtigsten Kunden, den deutschen Autokonzernen, folgt Thyssen-Krupp diesem Prinzip. Und bei der wichtigsten Kennzahl, dem operativen Gewinn vor Abschreibungen pro Tonne Stahl, liegt der Konzern mit 124 Euro vor der Konkurrenz: Voestalpine verdient 105, Weltmarktführer Arcelor-Mittal sogar nur 44 Euro. Quelle: dpa
Allerdings musste Thyssen-Krupp auch lernen, dass ein vermeintlich günstiges Angebot am Ende richtig teuer werden kann: Um das Budget für das neue Stahlwerk in Brasilien nicht zu überziehen, hatte der Vorstand entschieden, die für das Milliardenprojekt wichtige neue Kokerei von einem chinesischen Anbieter bauen zu lassen. Der Experte im eigenen Haus, der Anlagenbauer Uhde, kam nicht zum Zug. Das Ergebnis ist bekannt: Die Chinesen lieferten Schrott, und jetzt muss Uhde für viel Geld die Kokerei ans Laufen bringen. Quelle: dpa
Stärke 3: Führende Marktposition in den meisten Geschäftsbereichen. Für einige Experten ist Thyssen-Krupp ein Paradebeispiel für einen Mischkonzern. Für andere ist der Essener Konzern ein unübersichtliches Industriekonglomerat. Tatsächlich zählt das Essener Traditionsunternehmen allein 636 Tochtergesellschaften in mehr als 80 Ländern, deren Geschäftszahlen, also Umsätze und Ergebnisse, voll in die Konzernbilanz einfließen. Quelle: dpa
Viele dieser Unternehmen sind in ihren Märkten tonangebend. Die Tochter Thyssen-Krupp Steel Europe beispielsweise ist nach Umsatz gemessen der zweitgrößte Anbieter auf dem Kontinent – hinter dem Branchenprimus Arcelor-Mittal. Weltweit belegt Thyssen-Krupp mit sämtlichen Stahlaktivitäten in Europa, Nord- und Südamerika sowie der Edelstahlstahlsparte nach Umsatz den siebten Rang. Nach Produktionsmenge zählt der Konzern nicht zu den Top 15. Quelle: dpa

Die Hagelkörner prasselten auf das Dach des Kongresszentrums, als ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger in die erste große Antwortrunde einstieg. Die bohrenden Fragen nach dem Milliardenloch in Brasilien und in Alabama forderten trotz des Unwetters über Bochum die volle Konzentration des gebürtigen Allgäuers.

Brasilien und Alabama stehen für ein Fiasko des Managements, an beiden Standorten wurden vor einem Jahr Stahlwerke feierlich in Betrieb genommen, die seither nur Anlaufprobleme bereiten und einen Konzernverlust im vergangenen Jahr von nahezu 1,8 Milliarden Euro  produzierten. Die Botschaft von Hiesinger: Er kann keine Entwarnung geben, für das Jahr 2012 werden weitere Verluste aus diesen Problemzonen erwartet.

Der Vorstandsvorsitzende von ThyssenKrupp, Heinrich Hiesinger, muss sich während der Aktionärsversammlung des Konzerns in Bochum kritischen Fragen stellen. Quelle: dapd

ThyssenKrupp-Manager sagten am Rande der Hauptversammlung, zum brasilianischen Brammenwerk werde man in Zukunft keine Zwischenberichte mehr abgeben. Bis Anfang 2014 werde es aber noch dauern, bis das Werk „voll eingeschwungen“ sei. Vorher will man sich nicht auf Prognosen festlegen. Ob ThyssenKrupp diese lange, selbst auferlegte Schweigeperiode unbeschadet durchhält?

Die Frage ist offen. Auf der 13. Hauptversammlung des fusionierten Konzerns ThyssenKrupp wurde offenbar, dass das Unternehmen in den vergangenen Jahren nicht weitergekommen ist. Die zivilen Teile der Werften sind nun verkauft, aber lange genug hat es gedauert. Die Edelstahlwerke konnten während des langen Fusionszeitraums nicht saniert werden, weil keines der Werke auf Druck des Betriebsrates geschlossen werden konnte.

Eine ICE-Zugfahrt von Düsseldorf nach Bochum zeigt auf der linken Seite die Stahlwerke von ThyssenKrupp, diese gehören alle zum Edelstahl und ThyssenKrupp will  sich von ihnen trennen. Das Titan-Werk in Essen, gleich gegenüber der gewaltigen Hauptzentrale soll auch nicht mehr zu ThyssenKrupp gehören, auf dieses Werk blickt Konzernchef Hiesinger, wenn er aus dem Fenster seines Büros guckt.

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