WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Umwelttechnik Problematische Speicher für Ökostrom

Seite 2/3

Pumpspeicherkraftwerk Quelle: dpa

Nach BCG-Berechnungen aber werden in Deutschland bis 2025 Speicheranlagen mit einer Kapazität von rund 20 000 MW benötigt. Das entspricht der aktuellen Leistung aller deutschen Kernkraftwerke. Mehr noch: Um das wachsende Windstromangebot der neuen großen Offshore-Windparks aufnehmen zu können, müssten von 2020 an jährlich zehn Milliarden Euro in den Bau neuer Speicher fließen.

Die Vorarbeiten hätten längst beginnen müssen. Denn Planung und Bau dauern Jahre. Tatsächlich aber ist wenig geschehen. Mit dem 1400-MW-Pumpspeicherwerk Atdorf in Südbaden, unweit der Schweizer Grenze, ist nur eine einzige Anlage konkret in Planung. Abgesehen von diesem Standort gibt es in Deutschland kaum noch Möglichkeiten, weitere Anlagen zu bauen.

Umso drängender müssen daher die Speicheralternativen ausgebaut werden, die auch in Deutschland nutzbar sind.

Erprobt, aber bisher nicht in großem Umfang eingesetzt, sind Druckluftspeicher. Dabei wird Luft unter hohem Druck in unterirdische Salzstöcke gepresst und bei Bedarf über Turbinen entladen. Bundesweit gibt es jedoch nur eine begrenzte Anzahl geeigneter Lagerstätten und in einem Teil davon soll künftig das aus Kraftwerksabgasen herausgelöste Klimagas Kohlendioxid gelagert werden.

Weltweit einmalige Technik

Immerhin: Dass die Technik funktioniert, beweist das bisher einzige Kraftwerk dieser Art, das der Düsseldorfer Stromkonzern E.On im Oldenburger Land betreibt. Ein zweites solches Kraftwerk wollen RWE, General Electric, der Baukonzern Züblin und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Norddeutschland errichten. Das Kraftwerk soll eine Million Kilowattstunden speichern. Das ist etwa so viel wie ein 400-Megawatt-Windpark in der Nordsee in zweieinhalb Stunden produziert.

Bisher steht allerdings nicht einmal der Standort für das Adele genannte Projekt fest. Sollte Adele dennoch wie geplant 2013 in Betrieb gehen, wäre die Technik weltweit einmalig. Denn auch die Wärme, die beim Komprimieren der Luft entsteht, soll zur Stromproduktion genutzt werden. Das steigert den Wirkungsgrad von weniger als 50 auf 70 Prozent.

Ebenfalls im Grundsatz erprobt sind Batteriepuffer. Ihre Nutzbarkeit und Rentabilität in Stromnetzen muss die Technik aber noch nachweisen. Besonders leistungsstarke Großspeicherbatterien entwickelt Evonik. Der Industriekonzern testet die Technik in seinem Steinkohlekraftwerk Fenne im saarländischen Völklingen. 5000 Batteriezellen in einem zwölf Meter langen Container bieten ab Ende dieses Jahres eine Ladekapazität von 700 Kilowattstunden – rund 50-mal so viel wie die Batterie eines Elektrofahrzeugs speichert.

Während der japanische Evonik-Konkurrent NGK mit Natrium-Schwefel-Großbatterien für den Lastausgleich experimentiert, setzt Evonik auf eine Technik, die der Konzern mit Daimler im Gemeinschaftsunternehmen Li-Tec für Elektroautos entwickelt: Lithium-Ionen und eine keramische Membran, die im Akku Plus- und Minuspol trennt und zuverlässig Kurzschlüsse verhindern soll.

Eine weitere Option der Batteriepufferung sind die Elektroautos. Rund eine Million davon, strebt die Bundesregierung an, sollten in zehn Jahren auf Deutschlands Straßen fahren. In ihren Akkus könnten sie bis zu vier Gigawattstunden Strom speichern. Das wäre genug, um ganz Deutschland rund drei Tage mit elektrischer Energie zu versorgen. Noch sind Batterien wegen der begrenzten Lebensdauer unwirtschaftlich. Die Dena erwartet aber, dass sich die Speicherkosten in den nächsten zehn Jahren denen von Pumpspeichern annähern.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%