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Umwelttechnik Problematische Speicher für Ökostrom

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Ein Elektro-Auto steht an Quelle: REUTERS

Eine Alternative, Strom einzulagern, ist, ihn in andere Energieträger umzuwandeln. Wasser etwa lässt sich mit Billigstrom per Elektrolyse in Sauer- und Wasserstoff aufspalten. Letzterer wird in Tanks gesammelt und bei Bedarf in Brennstoffzellen in Strom zurückverwandelt.

Das Unternehmen Enertrag aus Brandenburg verbindet die Idee in einer weltweit einmaligen Anlage. Ein Hybridkraftwerk, das in Prenzlau ans Netz gehen soll, erzeugt per Windgeneratoren Strom. Überschüssige Energie wird zur Gewinnung von Wasserstoff genutzt, der bei Flaute wieder Strom erzeugt.

Brillant, aber nicht ausgereift

Ebenfalls auf ein Gas als Energiespeicher, wenn auch mit einem gänzlich neuen Konzept, setzt eine deutsch-österreichische Forschungskooperation. An der ist das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung (ZSW) in Stuttgart beteiligt, das die erste Demonstrationsanlage betreibt. Sie wandelt Strom in Wasser und Methan um, den Hauptbestandteil konventionellen Erdgases.

Das Methan kann Erdgasautos antreiben, in Kraftwerken verbrannt oder in vorhandene Gasometer und Gasleitungen eingespeist werden. „In Deutschland kommen wir auf rund 200 Terawattstunden Speicherkapazität“, rechnet Gregor Waldstein vor, Chef der Salzburger Firma Solar Fuel, die sich um die kommerzielle Verwertung kümmert. Noch allerdings befindet sich die Technik im Entwicklungsstadium.

Das gilt erst recht für die brillante, aber technisch längst nicht ausgereifte Idee, regenerativen Strom in supraleitenden Spulen zu lagern. In den auf minus 196 Grad Celsius gekühlten Leitern kreist Strom beinahe beliebig lange, ohne an Kraft zu verlieren. Vorausgesetzt, die Kühlung ist absolut zuverlässig. Fällt sie aus, ist nicht nur der gespeicherte Strom auf einen Schlag futsch. Auch der Supraleiter zerstört sich in einem gleißenden Lichtblitz selbst.

Damit ist klar: So vielversprechend die Pläne auch sind, es wird noch Jahrzehnte dauern, bis neue Speicher die schwankenden Belastungen der Netze wirklich werden ausgleichen können. So lange werden die Energiemanager von Transpower & Co. noch so manches Kilowatt Ökostrom an der Energiebörse mit mit einer Gutschrift für den Abnehmer aufhübschen müssen.

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