Uniper Eine Perspektive für den Börsengang fehlt

Einen Nettoverlust von fast vier Milliarden Euro verbuchte die abgespaltene E.On-Tochter im ersten Halbjahr 2016. Eine überzeugende Perspektive für den Börsengang von Uniper im September fehlt.

Logo von Uniper. Quelle: dpa

Von einem „Marathonlauf mit Ziel Frankfurter Börse“ sprach Uniper-Konzernchef Klaus Schäfer an diesem Morgen. Wetterfest und solide sei Uniper für den anstehenden Börsengang im September aufgestellt. Doch wie schwer der Lauf für ihn und das neue Energieunternehmen ist, das zeigen die Halbjahreszahlen. Zwar stieg der bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen in den ersten sechs Monaten um 50 Prozent auf rund eine Milliarde Euro. Doch zulegen konnte nur das Geschäft mit dem Energiehandel, das von günstigen Gasverträgen profitierte.

Im Kerngeschäft mit Strom kämpft die E.On-Tochter Uniper weiter mit großen Einbußen. Unter dem Strich musste die neue Konzerntochter wegen hoher Abschreibungen auf die Kohle- und Gaskraftwerke einen Nettoverlust von 3,9 Milliarden Euro ausweisen. 

Erstmals  präsentierte der 48-jährige Schäfer, früher Finanzchef beim Energieriesen E.On, die Zahlen der neuen Tochter. Seit Anfang Januar ist sie operativ. Der Kunstname „Uniper“ steht für Unique Performance („einzigartige Leistungsfähigkeit“), doch die Zukunft der Einheit ist zweifelhaft. Tatsächlich hat der Essener E.On-Konzern hier all jene Aktivitäten abseits der deutschen Atomenergie versammelt, für die in der Nach-Energiewende-Zeit kein Platz mehr ist.

Die wichtigsten Fragen zur E.On-Aufspaltung

Schäfer ist Herr über weltweit mehr als 300 Kohle-, Gas- und Wasserkraftwerke in Europa, Russland und Brasilien sowie einen Handel mit Rohstoffen.

Sonderlich zukunftsträchtig ist das alles nicht wie das aktuelle Ergebnis zeigt.  Zu schaffen machten den Düsseldorfern die weiterhin niedrigen Großhandelspreise für Strom in Deutschland und in Skandinavien. Dazu kommt  der Brand an einem russischen Kraftwerk und der schwache Rubel. In Deutschland, in Großbritannien und in den Niederlanden wird über den vorzeitigen Ausstieg aus der Kohleverstromung diskutiert, in Frankreich wird vielleicht schon bald eine Kohlesteuer eingeführt. 

Trotzdem sollen zunächst 53 Prozent des Konstrukts Mitte September an die Börse gehen. Mit dem Erlös will sich E.On-Chef Johannes Teyssen seiner größten Finanzsorgen entledigen und fit für eine Zukunft als Lieferant von Strom aus erneuerbaren Energien werden. Die Drecksarbeit soll Schäfer machen.

Das ist ein äußerst wackliger Plan. Das Geschäft von Uniper steht wegen der stetig wachsenden Produktion von grüner Energie unter Druck. Strom in Gaskraftwerken lässt sich erst bei Großhandelspreisen ab 45 Euro pro Megawattstunde profitabel erzeugen, zuletzt zahlten Abnehmer weniger als 30 Euro. Schon im vergangenen Jahr brach das operative Ergebnis der Kohle- und Gaskraftwerke von 800 Millionen auf knapp 500 Millionen Euro ein. Das erste Halbjahr 2016 ist kein Deut besser im Stromgeschäft. 

Trotzdem sind ausgerechnet die fossilen Kraftwerke Schäfers Zukunftshoffnung. Er setzt vor allem auf eine Renaissance von Gas. Seine Kalkulation geht so: Noch stammen 20 Prozent des in Deutschland erzeugten Stroms aus Atomkraftwerken. Wenn die ab 2022 vom Netz gehen, muss eine Reserve für den Fall her, dass Wind und Sonne nicht ausreichend Energie liefern. Und da Gasöfen weniger Kohlendioxid ausstoßen als Kohlemeiler, kommen dafür eben vor allem die Gaskraftwerke in Betracht. Die Nachfrage nach von ihnen erzeugtem Strom könnte steigen und mit ihr der Preis. 

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