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Uniper und SefeVerstaatlichte Energieversorger zahlten Händlern angeblich Millionenboni

Sefe und Uniper waren durch den russischen Gaslieferstopp in Schieflage geraten. Um Energiehändler zu halten, zahlten die Firmen laut einem Bericht dennoch hohe Boni. Die Hintergründe. 15.05.2023 - 14:26 Uhr

Die Handelssparte des Unternehmens beschäftigt weltweit 1400 Mitarbeiter.

Foto: Reuters

Die verstaatlichten Versorger Uniper und Sefe haben Insidern zufolge in der Energiekrise ihren Händlern Boni in Millionenhöhe gezahlt. Die mit Steuergeldern vor einer drohenden Pleite geretteten Unternehmen wollten damit Händler bei der Stange halten, sagten vier mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters.

In einigen Fällen hätten Händler Jahresboni von bis zu sieben Millionen Dollar, umgerechnet bis zu 6,4 Millionen Euro, erhalten, sagte einer der Insider. Ein anderer erklärte, dass nur ein Teil ausgezahlt werde, der Rest werde ausgesetzt. Vorstände und einige Top-Manager gingen bei den Boni leer aus, wenn dies nach den Auflagen für verstaatlichte Firmen verboten sei.

„An die Mitarbeitenden im Handel wurden Boni ausgeschüttet, die allerdings insgesamt unter denjenigen des Vorjahres lagen“, erklärte Uniper. Der Wettbewerb um Händler in der Energiewirtschaft sei intensiv. „Ein Null-Bonus ist daher nicht opportun.“

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Uniper habe sich an alle Regeln beziehungsweise Auflagen im Rahmen der Stabilisierungsmaßnahmen gehalten. Uniper-Vorstände bekämen für die Laufzeit der Stabilisierungsmaßnahmen durch den Bund keine Boni.

Ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums verwies ebenfalls auf Vergütungsbeschränkungen für Vorstände und Aufsichtsräte von Uniper. Für Fragen zur Vergütung von Beschäftigten sei das Unternehmen zuständig. „Maßgebend für die Vergütung sind die Beihilfeauflagen der EU-Kommission. Zu deren Umsetzung kann sich nur das Unternehmen selbst äußern“, erklärte ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums.

Gute Energiehändler auf dem Markt stark gefragt

„Sefe zahlt ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Vergütungen entsprechend der bestehenden arbeitsrechtlichen und gesetzlichen Verpflichtungen“, betonte der Konzern. Die Personalkosten der gesamten Sefe-Gruppe beliefen sich im Jahr 2021 auf 330 Millionen Euro.

Mitarbeiter sicherten die Versorgung von Kunden in Deutschland und Europa und die Befüllung der Speicher. Die Leistungen rechtfertigten Vergütungen, die deren Beitrag zur Gesamtleistung des Unternehmens und zur Versorgungssicherheit belohnten. Dadurch bleibe Sefe auf dem Personalmarkt wettbewerbsfähig.

Schneller schlau: Uniper
Uniper ist ein international tätiges Energieunternehmen. Uniper ist aus der ehemaligen Kraftwerkssparte und dem Handelsgeschäft des Energiekonzerns E.On hervorgegangen, das dieser 2016 abspaltete. Der Name ist ein Kunstbegriff aus „unique“ (einzigartig) und „performance“ (Leistung). Die Idee dafür stammte von einem Mitarbeiter.Uniper ist derzeit in mehr als 40 Ländern aktiv, darunter zählen Deutschland, die Niederlande, Schweden und Großbritannien zu den Kernmärkten. Rund 7000 Beschäftigte arbeiten für den Konzern.Stand: 2022Quelle: Uniper

Sefe, die frühere Gazprom Germania, und Uniper waren durch den russischen Gaslieferstopp in Schieflage geraten. Sie mussten Rekordsummen für Ersatzbeschaffungen aufbringen. Der Bund hielt den Betrieb mit Darlehen, Kreditzusagen und Finanzspritzen in Höhe von 26 Milliarden Euro aufrecht, ehe er die für die Gasversorgung in Deutschland wichtigen Konzerne verstaatlichte.

Bestimmte Boni müssten Händlern gezahlt werden, damit diese nicht abwanderten, sagte einer der Insider. Es wäre nicht klug, alle leistungsbezogenen Gehaltsbestandteile zu streichen, da talentierte Händler stark gefragt seien. Händler erhalten oftmals Vergütungen, die sich nach den Profiten in ihren Auftragsbüchern richten.

Dabei kommen sie auf Gehälter, die nicht selten über denen der Chefetage von Unternehmen liegen. Sefes Handelshaus in London beschäftigt der Internetseite des Konzerns zufolge rund 830 Mitarbeiter. Unipers Handelssparte beschäftigt weltweit 1400 Mitarbeiter.

Lesen Sie auch: Bilanz der Energie-Manager – der grüne Ruhr-Baron übertrifft die Konkurrenz

rtr
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