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Unter anderem RWE und E.On im Visier Kartellamt untersucht Fernwärme-Anbieter

Haus oder Wohnung mit Fernwärme zu heizen, ist besonders umweltfreundlich - aber vielfach überteuert, kritisieren Verbraucherschützer. Das Kartellamt nimmt nun sieben Anbieter ins Visier.

Viele Fernwärmekunden müssen für Heizung und Warmwasser viel zu viel bezahlen. Quelle: dpa

Das Bundeskartellamt überprüft bundesweit sieben Fernwärmeanbieter auf möglicherweise überhöhte Preise. Falls sich der Verdacht bestätige, sei eine Preissenkungsverfügung gegen die Unternehmen möglich, sagte ein Sprecher. Die Firmen könnten sogar zur teilweisen Erstattung überhöhter Preise verpflichtet werden. Im Visier der Kartellamtswächter sind die Eon Hanse Wärme in Hamburg und die RWE Dienstleistungen in Dortmund, die Stadtwerke in Leipzig und Rostock sowie die Unternehmen Dalkia (Hamburg), Danpower Energie (Potsdam) und Energie SaarLorLux (Saarbrücken).

Was Verbraucher zahlen
Stromverbraucher finden bei der Zusammensetzung des Strompreises einen Posten namens EEG-Umlage. Sie ist seit dem Jahr 2000 im Erneuerbare-Energie-Gesetz (EEG) verankert, um Ökoenergien zu fördern. Quelle: dpa
Derzeit sind 3,59 Cent je Kilowattstunde zu zahlen. Bei einem Verbrauch von 3500 Kilowattstunden pro Jahr sind das für eine Familie Ökoförderkosten von 125 Euro pro Jahr. Gezahlt wird die Differenz zwischen dem Marktpreis, etwa für eine Kilowattstunde Solarstrom, und dem festen Fördersatz. Ein Beispiel: Quelle: dpa
Derzeit bekommt ein Hausbesitzer mit einer Solaranlage auf dem Dach 19,5 Cent pro Kilowattstunde. Wird der Strom an der Strombörse für 7 Cent verkauft, müssen die Verbraucher 12,5 Cent über die EEG-Umlage bezahlen. Quelle: dpa
Die Verwalter des Umlage-Kontos, die Übertragungsnetzbetreiber, berechnen angesichts der Anlagenzahl und Erfahrungswerten beim Wetter die möglichen Förderzahlungen und geben immer zum 15. Oktober eine Umlage für das kommende Jahr an. Verrechnen sie sich, wird das mit der nächsten Umlage korrigiert. Für 2013 werden Steigerungen bei der Umlage vorausgesagt. Quelle: dpa
Diese wären aber nicht primär dem rasant steigenden Anteil erneuerbarer Energien am Strommix (derzeit 20 Prozent) anzulasten. Industrieunternehmen wurden teilweise von Ökoförderkosten befreit, um sie in Deutschland zu halten. Gleiches gilt für Netznutzungskosten. Lasten werden also auf weniger Schultern verteilt. Quelle: dpa
Hinzu kommt eine teure Marktprämie für Besitzer von Wind- und Solarparks, die Strom selbst vermarkten. Und die mögliche Steigerung liegt in der Umlageberechnung begründet. Da immer mehr Solarstrom mittags den Börsenstrompreis senkt, wächst die Differenz zum Fördersatz und damit die Kosten für die Bürger. Der Solarstrom wird so also Opfer des eigenen Erfolges. Quelle: dpa

Bei einer aufwendigen Preis- und Kostenuntersuchung der Branche für die Jahre 2007 und 2008 habe sich im vergangenen Jahr herausgestellt, dass die Fernwärmeerlöse der sieben Unternehmen teils um bis zu 100 Prozent über dem Durchschnitt lägen, teilte das Kartellamt mit. Deshalb würden bei den Firmen jetzt zusätzlich die Daten für 2010 bis 2012 erhoben und mit den Preisen von acht eher günstigen Unternehmen verglichen.

Mit Fernwärme werden nach den Zahlen der Behörde etwa 14 Prozent der deutschen Wohnungen geheizt. Bundesweit liegt das Umsatzvolumen im Privatkundengeschäft bei etwa 3,5 Milliarden Euro. Bei der Fernwärme gibt es in vielen Regionen praktisch keine Konkurrenz und teils sogar die rechtliche Verpflichtung zum Anschluss an ein bestimmtes Netz, falls man diese Energieform wählt. Deshalb seien Missbrauchsverfahren bei überhöhten Preisen in dieser Branche zum Schutz der Verbraucher besonders wichtig, betonte Kartellamtschef Andreas Mundt.

13 bittere Wahrheiten über den Strompreis
Stromzähler Quelle: dpa
Ein Mann arbeitet in der Industrie Quelle: dapd
Rauchende Schornsteine Quelle: dpa
Ein Offshore-Windpark Quelle: dpa
Ein Windpark Quelle: dpa
Vormontierte Teile von Windkraftanlagen Quelle: dpa
Solaranlage Quelle: dpa

Zur Stärkung des Wettbewerbs zwischen den Heizsystemen empfiehlt das Kartellamt außerdem, die Fernwärmepreise im Internet zu veröffentlichen. Zudem sollte es kürzere Laufzeiten bei Fernwärmeverträgen geben. Die Preise der Versorger variierten stark je nach Versorgungsgebiet, so das Kartellamt. Das gelte auch für die sieben untersuchten Unternehmen. Bei ihnen lägen nicht alle Gebiete auffällig über dem Schnitt.

Der Verband der kommunalen Unternehmen hatte im vergangenen Sommer zu der Untersuchung erklärt, die unterschiedlichen Erzeugungs- und Verteilsituationen bei der Fernwärme seien der Grund für die unterschiedlichen Preise und Kosten. Ein unmittelbarer Vergleich der Preise sei deswegen „nur begrenzt sinnvoll“.

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