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„Unvermeidlicher Schritt“ E.On streicht Stellen in Großbritannien

Eon-Chef Johannes Teyssen bezeichnete die Stellen-Streichungen angesichts ausbleibender Profite auf dem britischen Privatkundenmarkt als unvermeidlich. Quelle: dpa

Der britische Strommarkt ist für deutsche Konzerne seit langem ein schwieriges Pflaster. E.On plant nach der Innogy-Übernahme einen radikalen Schnitt. In Deutschland bleibt es bei den bekannten Plänen für den Jobabbau.

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Die Folgen der Übernahme der ehemaligen RWE-Tochter Innogy durch den Konkurrenten E.On bekommen als erste die Beschäftigten in Großbritannien zu spüren. Der größte deutsche Energieversorger will dort in erheblichem Umfang Stellen streichen. Angesichts ausbleibender Profite auf dem britischen Privatkundenmarkt sei dieser Schritt unvermeidlich, sagte E.On-Chef Johannes Teyssen am Freitag. Betroffen sind die Mitarbeiter der zu E.On gekommenen Innogy-Vertriebsgesellschaft NPower, die 5800 Beschäftigte hat. Die britische Gewerkschaft Unison erwartet, dass 4500 Jobs wegfallen.

E.On hat in Großbritannien auch eine eigene Vertriebsgesellschaft. Auf sie soll das NPower-Geschäft mit Haushaltskunden und kleinen Gewerbebetreibenden übertragen werden. In diesem Bereich arbeiten 4500 NPower-Beschäftigte. Das sei „die Zielgruppe, die betroffen sein wird“, sagte Teyssen bei einer Telefonkonferenz. Der genaue Umfang des Stellenabbaus stehe noch nicht fest. Zunächst müssten Gespräche mit den Gewerkschaften geführt werden. Das profitable Geschäft von NPower mit Industrie- und großen Gewerbekunden soll eigenständig bleiben.

E.On und Innogy leiden seit langem unter hohem Wettbewerb und zunehmender Regulierung mit einer Preisobergrenze auf dem britischen Markt. Beide zusammen haben in diesem Jahr fast 900.000 Kunden in Großbritannien verloren. Innogy wollte deshalb NPower mit dem britischen Versorger SSE fusionieren und an die Börse bringen. Das Vorhaben platzte aber vor einem Jahr, weil sich beide Seiten nicht auf die finanziellen Bedingungen einigen konnte.

Teyssen war davon ausgegangen, dass das Problem NPower vor der Innogy-Übernahme gelöst sein würde. Jetzt muss er den Umbau des Stromvertriebs in Großbritannien selbst vorantreiben. Auch bei E.On UK, wo rund 8000 Menschen beschäftigt sind, läuft ein Sparprogramm. E.On könne sich „kein auf Dauer unprofitables Geschäft“ leisten, sagte Teyssen. Die Kosten für den Umbau beziffert E.On auf 500 Millionen britischen Pfund (etwa 586 Millionen Euro). Ab 2022 will E.On in Großbritannien wieder profitabel arbeiten.

Die Stellenstreichungen in Großbritannien sind nicht Teil der 5000 Arbeitsplätze, die bei E.On im Zuge der Innogy-Übernahme wegfallen sollen. Erste Abbauzahlen hatte E.On in dieser Woche mitgeteilt. Am Unternehmenssitz Essen und in Dortmund sollen insgesamt 1600 Arbeitsplätze wegfallen. Die Gesamtzahl 5000 werde nicht überschritten, sagte Teyssen.

E.On will durch die Innogy-Übernahme ab 2022 Synergien von 600 bis 800 Millionen Euro im Jahr erzielen. Finanzchef Marc Spieker bekräftigte diese Zahlen am Freitag bei der Vorlage der Geschäftszahlen für das dritte Quartal 2019. Durch die Übernahme sei die Netto-Verschuldung von E.On zwar kräftig von 23 Milliarden auf fast 40 Milliarden Euro gestiegen, das sei aber nur ein vorübergehender Effekt, da die Innogy-Schulden schon komplett in der E.On-Bilanz stünden, aber die Erträge der von Innogy übernommenen Geschäfte erst für 18 Tage.

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