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Verkaufsstart Ikea bringt Solarzellen unter die Briten

Ikea startet einen Pilotversuch im Vereinigten Königreich. Wegen der hohen britischen Solarsubventionen testet der Möbelkonzern dort den Verkauf von Solaranlagen.

Ikea tastet sich bei dem Projekt behutsam vor. Vor der nun beginnenden landesweiten Markteinführung testete das Unternehmen schon im westlich von London gelegenen Lakeside aus, wie die Engländer die Solarpanels annehmen. Quelle: REUTERS

Ikea wittert in Großbritannien das große Geschäft mit Solarzellen. Der Möbelkonzern hofft auf den Sparwillen der Briten, die von ihrem Staat kräftige Solarsubventionen erhalten. Ein Doppelhaushälfte mit südlich ausgerichtetem Dach könne laut einer Ikea-Fallstudie jährlich 1.200 Euro durch Subventionen und Energieersparnisse gewinnen. Also testet der Konzern dort weltweit erstmalig den Verkauf von Solarzellen.

Außer dem Billy-Regal, dem Lövbacken-Tisch oder der „Orgel Vreten“-Lampe bietet das Ikea-Haus im südenglischen Southampton ab heute auch standardmäßige 3.36-kW-Solarpanels für 5.700 Pfund (6.824 Euro) an. Diese sollen in den nächsten zehn Monaten auch in 17 weiteren britischen Ikea-Filialen ins Portfolio aufgenommen werden.

Was Sie noch nicht über Ikea wussten
Ikea: ein Erfolgsmodell, kinderfreundlich, emanzipiert, weltoffen und umweltbewusst. Johan Stenebo kratzte an diesem Bild. Da war von Intrigen, Bespitzelung, Rassismus im Konzern die Rede. Und Stenebo, ausgebildeter Betriebswirt, musste wissen, wovon er spricht. 20 Jahre lang hat er es immerhin bei Ikea gearbeitet. Einem Unternehmen, das er immer noch liebt; von dem er aber auch sagt, dass es auf Lügen aufgebaut ist. Foto: dpa
Im November 2009 hat dieses Buch für großes Aufsehen gesorgt, nicht nur in Schweden. Johan Stenebo hat 20 Jahre für Ikea gearbeitet - und jetzt packt er aus. Das Buch ist mittlerweile auch auf Deutsch erschienen. Stenebo arbeitete sich hoch bis ins Top-Management von Ikea und wurde sogar persönlicher Assistent von Ikea-Gründer Ingmar Kamprad. Anfang 2009 verließ Stenebo das Unternehmen und begann, sein Enthüllungsbuch zu schreiben. Stenebo gab zu, dass er sich mit Peter Kamprad, dem als Kronprinzen gehandelten Sohn des Ikea-Gründers, überworfen habe. Außerdem sei das Buch doch gar keine Abrechnung: „Viele, die mein Buch gelesen haben, empfinden es als Liebeserklärung“, sagte Stenebo vor kurzem. Bibliographie Johan Stenebo, Die Wahrheit über Ikea Campus Verlag, Frankfurt am Main, 2010, 286 Seiten
Und darin wird deutlich, dass das Image von Ingmar Kamprad nicht so ganz der Wahrheit entspricht. Doch viele der Anekdoten über ihn seien laut Stenebo frei erfunden. Dass er ein extrem bescheidener Mensch sei mit einem 30 Jahre alten Sofa. Dieser Geiz werde zwar ausgeschlachtet und übertrieben dargestellt, im Kern aber durchaus richtig. In Wirklichkeit führe Kamprad Ikea „wie eine Sekte“. Das Unternehmen sei nicht ohne Grund eines der „verschlossensten der Welt“. Foto: Reuters
Bei Ikea würden „Stasi-Methoden“ gelten, schreibt Stenebo, worunter die Mitarbeiter enorm leiden. Sie würden bespitzelt, Frauen diskriminiert. Ausländer seien als „Neger“ beschimpft worden und hätten deutlich weniger Chancen gehabt, Karriere zu machen, als Schweden aus der nahen Umgebung. Foto: ap
Stenebo geht noch weiter: Ikea würde es mit dem Umweltschutz nur vordergründig Ernst meinen. Bei Lieferanten gehe es zu sehr um den Preis, eine intensive Prüfung der Produktionsmethoden gebe es allzu oft nicht. Die „Barnslig“-Teppiche sollen von pakistanischen Kindern geknüpft werden. Der Konzern selbst spricht bei all dem von den „Ansichten einer Privatperson“, auf die man nicht eingehen wolle. Für Stenebo hat es sich jedenfalls gelohnt. Er gibt inzwischen Seminare in Unternehmensführung und hält Vorträge. Foto: dpa
Kamprad wird immer wieder Alkoholsucht nachgesagt: Er soll laut Stenebo „regelmäßig geradezu geplante Perioden ohne Alkoholkonsum“ gehabt haben, sich dazwischen aber „sinnlos betrunken“ haben. Allerdings sei das sehr viel weniger aufgefallen, als man gerüchteweise hört. Der Autor selbst habe Kamprad „nie trinken sehen“. Auch Kamprads Entscheidungen seien nie vom Alkohol beeinflusst gewesen. Auch in einer anderen Hinsicht verteidigt Stenebo seinen Ex-Chef: „Neonazistische Sympathien“ habe Kamprad nicht, er sei „absolut kein Antisemit“. Andere Autoren behaupten dies immer wieder. Foto: dpa
Ein Beispiel für die Sturheit des Unternehmensgründers sei der Entscheidungsprozess gewesen, einen ein Homeshopping-Konzept einzuführen oder nicht. Viele Ikea-Manager hatten große Pläne, hohe Summen wurden für Vorstudien ausgegeben. Grundsätzlich gab es stets ein großes Vertrauen in die Entscheidungen Kamprads, schließlich hatte er meistens Recht behalten. Doch in diesem Fall wäre kein Manager seiner Auffassung gewesen, wie Stenebo schreibt. Und die aktuellen Zuwachsraten des Internethandels hätten schließlich auch bestätigt, dass es eine falsche Entscheidung war. Foto: Reuters

Ikea tastet sich bei dem Projekt behutsam vor. Vor der nun beginnenden landesweiten Markteinführung testete das Unternehmen schon im westlich von London gelegenen Lakeside aus, wie die Engländer die Solarpanels annehmen. Nach dem Start im Juli verkauft das Ikea-Haus heute eine Photovoltaikanlage am Tag berichtet der Konzern.

Für Deutschland sei der Verkauf von Solarzellen nicht geplant – auch nicht vorbehaltlich. „Wir schauen natürlich, was unsere Kollegen in UK machen“, sagt Ikea-Sprecherin Simone Settegren. „Wir haben aber selbst keine Pläne in diese Richtung.“ Die Frage, ob diese Haltung nur vorübergehend gelte und sich nach einem Verkaufserfolg im Vereinigten Königreich ändere, beantwortet sie gegenüber der WirtschaftsWoche mit einem Nein. „Das hat viele Gründe“, sagt sie. Welche genau, möchte sie jedoch nicht nennen.

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