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Vom Saulus zum Paulus Teslas bemerkenswerte Rally zum wertvollsten Autohersteller der Welt

Am Mittwoch ist die Aktie des von Elon Musk mitgegründeten und geführten Autoherstellers Tesla auf über 1000 Dollar gestiegen. Quelle: REUTERS

Zehn Jahre nach Börsengang ist Tesla zum am höchsten bewerteten Autohersteller der Welt aufgestiegen – noch vor Toyota und Volkswagen. Nicht nur Frühinvestor Daimler dürfte seinen Ausstieg nun bereuen.

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Es ist ein weiterer Meilenstein für Elon Musk. Am Mittwoch ist die Aktie des von ihm mitgegründeten und geführten Autoherstellers Tesla auf über 1000 Dollar gestiegen. Mit einem Börsenwert von 186 Milliarden Dollar hat Tesla damit Toyota den Rang als wertvollsten Autohersteller der Welt abgenommen. Die beiden Unternehmen trennen ungefähr sieben Milliarden Dollar an Börsenwert. Weit abgeschlagen auf Rang drei folgt der nach ausgelieferten Autos größte Autohersteller der Welt – Volkswagen – mit rund 85 Milliarden Dollar Börsenwert.

Volkswagen lieferte im vergangenen Geschäftsjahr weltweit fast elf Millionen Fahrzeuge aus, Toyota etwa zehn Millionen, Tesla genau 376.500 Stück. Die Kursrally ist auch deshalb bemerkenswert, weil Teslas Kurs vor einem Jahr bei 214 Dollar lag. Ende Juni ist es zehn Jahre her, als der Autohersteller an die Börse ging. Damals lag sein Kurs bei unter zwanzig Dollar und brauchte drei Jahre, um die 100 Dollar Marke zu überschreiten.

Wenige hielten den Aufstieg Teslas überhaupt für möglich. Noch immer bezweifeln einige, unter ihnen die Hedgefonds-Milliardäre David Einhorn und Jim Chanos, dass der kalifornische Autohersteller überlebt. Nachdem Tesla – auch dank dem Handel mit Abgas-Gutschriften – nun dreimal hintereinander Quartalsgewinne erreicht hat, streut Einhorn regelmäßig Zweifel über die korrekte Buchführung.

Ist die hohe Bewertung von Tesla gerechtfertigt, ist der Wandel vom Saulus zum Paulus perfekt oder stehen weitere überraschende Wendungen an? Musk höchstpersönlich hielt den Kurs noch vor ein paar Wochen, die Tesla-Aktie stand damals bei 760 Dollar, für zu hoch, wie er über Twitter mitteilte. Doch dies kann auch eine Trotzreaktion sein. Denn Musk wurde damals unterstellt, den Kurs gezielt hochzutreiben, um sich persönlich zu bereichern. Da Teslas Bewertung über ein halbes Jahr lang bei über 100 Milliarden Dollar lag, hat Musk tatsächlich die erste Hürde seines zwölfstufigen Kompensationspakets genommen, das ihn um weitere 50 Milliarden Dollar reicher machen könnte. Demnach kann er nun rund 1,6 Millionen Aktien zum zuvor vereinbarten Preis von 350 Dollar erwerben.

Klar ist, dass Musk nie eine Pause einlegen kann. Bei Teslas neuen SUV Model Y, das seit Februar offeriert wird, ist zwar im Stammwerk in Fremont wieder die Produktion angelaufen, doch es gibt Probleme bei der Fertigungsqualität. Musk peilt für dieses Jahr einen weltweiten Fahrzeugabsatz von einer halben Million Stück an. Was nur gelingen wird, wenn Covid-19 den Konsum nicht noch stärker schmälert.

Obwohl neue Subventionen für Elektrofahrzeuge, unter anderem in Deutschland, den Gegenwind etwas abmildern könnten. Demnächst will Tesla den Standort für sein zweites Autowerk in den USA bekanntgeben, angeblich wird es im Umland der texanischen Hauptstadt Austin stehen. Das Werk in Brandenburg soll im nächsten Jahr die Produktion aufnehmen. Und über all dem schwebt noch immer die Drohung von Musk, Kalifornien aus Ärger über zu viel Behördengängelei und hohe Kosten zu verlassen.
Teslas Aufstieg birgt Parallelen zu Apple und Amazon.

Alle galten mal als Pleitekandidaten. Mitte der neunziger Jahre steckt Apple in der Krise, den kalifornischen Computerhersteller geht das Kapital aus, der Bankrott scheint nah. Dann übernimmt der Technologiemanager Gil Amelio die Führung, holt Apple-Gründer Steve Jobs ins Unternehmen zurück, der es schließlich übernimmt und mit iPod und iPhone in ein neues Zeitalter führt.

Amazon-Chef Jeff Bezos gilt nach der Dot.com-Krise als angeschlagen. Mehrmals diffamieren Wall Street Analysten sein Unternehmen als Kartenhaus. Tatsächlich ist der Online-Handel über viele Jahre defizitär, bis Amazon die Goldgrube Cloud Computing entdeckt.

Reue und Börse sind eng miteinander verbunden. Beispielsweise für den Stuttgarter Autokonzern Daimler. Dessen damaliger Chef Dieter Zetsche hat einen Narren an Musk gefressen, ist von der Beharrlichkeit des Unternehmers beeindruckt.
Daimler steigt im Mai 2009 bei Tesla ein, erwirbt für 50 Millionen Dollar knapp zehn Prozent der Anteile. Ein Teil davon wird wenig später an Abu Dhabis Staatsfond veräußert. Im Juni 2011 legen die Stuttgarter nochmal nach, kaufen für 18,3 Millionen Dollar Aktien.

Für Tesla ist nicht nur das Kapital von Daimler wichtig, sondern vor allem die damit verbundene Reputation und die „strategische Allianz“ beim Elektroantrieb, wie Musk öffentlich jubelt.
Im Herbst 2014 trennt sich Daimler überraschend von sämtlichen Tesla-Anteilen. Vorausgegangen sind hitzige Debatten im Vorstand und Aufsichtsrat. Denn Tesla entpuppt sich immer stärker als Wettbewerber, das Image des meinungsstarken Musk bereitet Sorgen. Die Warner setzen sich durch. Das Tischtuch ist nicht durchschnitten. Aber: „Das Investment ist nicht notwendig für unsere Partnerschaft und Kooperation“, erklärt der damalige Finanzchef Bodo Uebber. Für Daimler ist es ein nettes Geschäft, das allein im Herbst 2014 etwa 780 Millionen Dollar in seine Kassen spült.

Im Nachhinein ist man immer schlauer. Hätte Daimler die Anteile behalten, hätten sie heute einen Wert von bis zu 18 Milliarden Dollar, etwas weniger als der gesamte FiatChrysler Konzern.
„Das würde rund vierzig Prozent des derzeitigen Börsenwerts von Daimler entsprechen“, sagt der Buchautor und Silicon Valley Experte Mario Herger.

Auch Toyota hätte absahnen können. Der japanische Autokonzern, dem zwischenzeitlich drei Prozent an Tesla gehören, beendet im Juni 2017 seine fast sechsjährige Partnerschaft. Ebenfalls aus Bedenken, einen Rivalen zu stützen. Tatsächlich nimmt das wenige Wochen später ausgelieferte Model 3 Toyotas berühmten Hybrid Prius vor allem in Kalifornien erheblich Marktanteile ab.

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