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Vor der Hauptversammlung Dieser Kritik muss sich RWE-Chef Schmitz stellen

RWE-Chef Rolf Martin Schmitz. Quelle: REUTERS

Diese Hauptversammlung wird für RWE-Chef Rolf Martin Schmitz außergewöhnlich: Ausgerechnet für den Erz-Rivalen E.On wird der Energiemanager in der Grugahalle in Essen bei seinen Aktionären werben müssen. Leicht wird es nicht, ihnen die Zerschlagung und den Verkauf seiner Ökostromtochter Innogy schmackhaft zu machen. Und das ist nicht der einzige Kritikpunkt.

Dass sich RWE-Boss Rolf Martin Schmitz und der Ex-Vorstand der RWE-Ökostromtochter Innogy, Peter Terium, nicht leiden konnten, pfiffen die Spatzen von den Dächern in Essen. Umso mehr wird Schmitz noch ein Weilchen nagen, dass es ihn 12 Millionen Euro kostet, Terium loszuwerden.

Im Dezember vergangenen Jahres musste der Niederländer gehen. Offiziell wegen einer Gewinnwarnung. Seit gut sechs Wochen ist aber der wahre Grund klar: Schmitz plante längst den Verkauf der Tochter Innogy. Nun erhält Terium eine hohe Abfindung. Sein Vertrag wäre nämlich eigentlich noch bis März 2021 gelaufen. 12 Millionen Euro, das ist viel Geld für Innogy. Jeden Cent drehen sie dort gerade um. Schmitz, mit RWE Mehrheitsanteilseigner an Innogy, hatte der Ökostromtochter Ende vergangenen Jahres strikte „Kostendisziplin“ verordnet. Solche üppigen Abfindungen werden die rund 5000 Innogy-Mitarbeiter, die demnächst entlassen werden sollen, nicht einsacken.

Immerhin ist die Personalie Terium abgehakt. Das ist dann auch schon das einzige, was geklärt ist bei Deutschlands größtem Energiekonzern.

Auf der Hauptversammlung in Essen wird RWE-Chef Schmitz einmal mehr über seinen Schatten springen müssen. Schon als er im März gemeinsam mit E.On-Chef Johannes Teyssen den Tausch von Aktivitäten verkündete, spielten die beiden Rivalen Friede-Freude-Eierkuchen. Vereinbart haben die beiden Konkurrenten die Aufteilung der RWE-Ökostromtochter untereinander. E.On soll das Netz- und Endkundengeschäft von Innogy übernehmen, RWE behält die Ökostrom-Produktion. Gleichzeitig soll RWE einen Anteil an E.On erhalten.

Am Donnerstag wird Schmitz seinen Anteilseignern den Deal schmackhaft machen müssen. Und zu weiteren Großbaustellen beim fossilen Stromerzeuger, allen voran dem Kohleausstieg und die Zukunft der Ökostromerzeugung, muss sich der Konzernvorstand erklären.

Wenig begeisterte Aktionäre

Eigentlich müsste die Grundstimmung gut sein. Die RWE-Aktionäre hätten allen Grund zur Freude. Im vergangenen Jahr erreichte RWE wieder die Gewinnzone. Immerhin 1,9 Milliarden Euro Plus erwirtschaftete der Energiekonzern in 2017 mit seinen Kohle-, Gas- und Atomkraftwerken sowie dem Energiehandel. Im Jahr davor verbuchte der Konzern noch einen Rekordverlust von 5,7 Milliarden Euro.

Dass unter dem Strich im vergangenen Jahr der Gewinn stand, verdankt RWE einer unerwarteten Geldspritze: 1,7 Milliarden Euro plus Zinsen erhielt der Energiekonzern für die zu Unrecht gezahlte Steuer auf Brennelemente für Atomkraftwerke vom Bund zurück. Insgesamt verringerte sich die Nettoverschuldung von RWE so um 2,5 Milliarden auf 20,2 Milliarden Euro. Das Eigenkapital erhöhte sich sogar um vier Milliarden auf zwölf Milliarden Euro.

Von dem guten Plus profitieren die Anteilseigner. Für 2017 sollen sie nicht nur eine Dividende von 50 Cent erhalten. Zusätzlich werden sie eine Sonderdividende von einem Euro bekommen.

Kritik wird RWE-Chef Schmitz trotzdem von seinen Aktionären hören. Schon auf der Hauptversammlung der Tochter Innogy Anfang dieser Woche kritisierten Anteilseigener der RWE-Tochter die Pläne für die Zerschlagung. Innogy sei gut aufgestellt gewesen, sagte der Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Thomas Hechtfischer. „Die Ernte werden andere einfahren. Man wird verraten, man wird verkauft, man wird um die Zukunft gebracht.

Details wie es jetzt mit RWE, Innogy und E.On weitergeht, mochte der neue Innogy-Chef Uwe Tigges nicht geben. Dass Schmitz bei der Hauptversammlung mehr rauslässt, ist nicht zu erwarten.

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