Windenergie Offshore-Branche knackt Gigawattmarke

Die EEG-Novelle puscht das Wachstum der Windkraftbranche. Bis Ende 2015 sollen weitere Windmühlen mit einer Leistung von zwei Gigawatt in den Meeresboden gerammt werden.

Der Ausbau der Offshore-Windparks hat 2014 große Fortschritte gemacht Quelle: dpa

Die Windparks in der deutschen Ost- und Nordsee haben den wichtigen Gigawatt-Meilenstein erreicht. Zum Jahresende 2014 speisten insgesamt 258 Meeres-Windmühlen mit einer Gesamtleistung von knapp über 1.000 Megawatt Strom in das deutsche Netz ein. Das ist in etwa die Leistung eines mittelgroßen Kernkraftwerkes. Dies ermittelte die Deutsche WindGuard im Auftrag der vier Organisationen VDMA Power Systems, Bundesverband WindEnergie (BWE), Windenergie-Agentur (WAB) und Stiftung Offshore Windenergie (SOW).

Demnach wurden auf See 142 neue Windenergieanlagen mit einer Leistung von 530 Megawatt installiert – eine Verdopplung des Zubaus im Vergleich zum Vorjahr. Neben den auf See angeschlossenen Windenergieanlagen wurden 2014 weitere 268 Anlagen mit 1.218 Megawatt Leistung bereits vollständig errichtet und angeschlossen, speisten aber bis zum Jahresende noch nichts ins Netz ein. Darüber hinaus sind weitere 285 Offshore-Mühlen mit einer Gesamtleistung von 1.303 Megawatt gebaut, aber noch gar nicht angeschlossen. Außerdem stehen insgesamt 220 Fundamente für weitere Anlageninstallationen bereit.

Neuausrichtung - So steht es um die Energiekonzerne

Die Hersteller von Offshore-Windenergieanlagen, Fundamenten und Netztechnik hoffen, dass mit dem Zubau 2014 nicht nur eine symbolische Marke erreicht wurde. „Auf See haben wir die Gigawattschwelle der gesamt installierten Leistung am Netz nun offiziell durchbrochen“, sagt Norbert Giese, Vorsitzender des Lenkungskreises Offshore-Windindustrie im Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau in Frankfurt. Dies entspreche einem Investitionsvolumen von etwa vier Milliarden Euro. Hinzu kommen Exporte der Turbinen-, Fundament- und Netztechnikhersteller im Milliarden Euro Volumen.

Neue Investitionen angestoßen

„Auch 2015 rechnen wir mit bis zu zwei Gigawatt Offshore-Windenergieanlagen neu am Netz. Insgesamt werden wir Ende 2015 etwa drei Gigawatt an installierter Leistung am Netz haben, was einem Investment von rund zehn Milliarden Euro am Heimmarkt der deutschen Offshore-Windindustrie entspricht“, sagt Giese und betont die industriepolitische Rolle der Offshore-Windenergie: „2013 wurden rund 1,9 Milliarden Euro in Deutschland umgesetzt und rund 19.000 Menschen durch die Offshore-Windindustrie beschäftigt. Diese Werte konnten wir in 2014 etwa halten.“

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Aus Betreibersicht bestätigen die aktuellen Ausbauzahlen, dass nach dem Inkrafttreten des novellierten EEG im August des vergangenen Jahres enorme Investitionen angestoßen wurden. „Das EEG 2014 hat den Rahmen für den planmäßigen Ausbau der Offshore-Windenergie und damit für mehr Wertschöpfung, wachsende Exportquote und die Sicherung der Beschäftigung bis zum Jahr 2020 gesetzt. Neben dem EEG 3.0 müssen ausreichend Netzkapazitäten für die Zeit ab 2021 jetzt bereitgestellt werden, dann folgen mit Investitionen und Exporten, Wertschöpfung und Beschäftigung in Deutschland“, sagte Klaus Meier, Vorstandsvorsitzender der WAB.

Gute Noten erhielt die noch junge Branche auch von Monika Breuch-Moritz, Präsidentin des Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) in Hamburg. So seien bei der Reduktion von Lärmemissionen beim Bau von Offshore-Windparks 2014 spürbare Fortschritte zu verzeichnen gewesen. Der Schall bei Bauarbeiten in Offshore-Windparks darf 160 dB in 750 Meter Entfernung nicht überschreiten. Der Wert wurde in enger Zusammenarbeit mit Umweltbehörden und Wissenschaft entwickelt und wird in den Genehmigungen festgeschrieben.

Einsparmöglichkeiten bei Offshore-Windparks

Die Auswertung der im Jahr 2014 durchgeführten Messungen des Unterwasserschalls während der Bauarbeiten von Offshore-Windparks hat gezeigt, dass der Grenzwert des BSH zum Schutz mariner Säuger – insbesondere des Schweinswals – nahezu verlässlich eingehalten werden kann. „Es ist beeindruckend, was die Kreativität von Ingenieuren zu Wege gebracht hat und welche innovativen Lösungen zur Schallminderung in den letzten Jahren entwickelt werden konnten“ so Breuch-Moritz.

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Die deutsche Offshore-Windenergiebranche hat sich im internationalen Markt in eine gute Position gebracht. „Die von uns vorgelegten Zahlen zeigen, dass es trotz aller Herausforderungen inzwischen einen stabilen Zubau der Windenergie auf dem Meer gibt“, sagte Hermann Albers, Präsident des Bundesverbandes WindEnergie. Die Offshore-Technologie, die ein großes Potenzial für die Umsetzung der Energiewende und die Versorgungssicherheit in Deutschland habe, stehe vor dem entscheidenden Durchbruch.

Jetzt komme es mehr denn je auf verlässliche gesetzliche Rahmenbedingungen an. Nur wenn die Investitionssicherheit zu 100 Prozent gewährleistet sei, ließen sich auch die Kostensenkungspotentiale erschließen. „Der Gesetzgeber muss deshalb sehr dringend einen soliden und fairen gesetzlichen Rahmen für den Strommarkt der Zukunft liefern. Für uns steht fest: 2015 wird das Jahr der Energiewende. Die Branche, die Wirtschaft und die Bundesländer stehen bereit“, so Albers.

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