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Windkraft Prokon droht Zahlungsunfähigkeit und Insolvenz

Mehr als eine Milliarde Euro haben Anleger dem Windanlagenfinanzierer Prokon zur Verfügung gestellt. Jetzt droht Prokon mit Insolvenz, falls die Anleger ihr Kapital trotz mieser Zahlen nicht im Unternehmen lassen.

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Strommasten und Stromleitungen Quelle: dpa

Die Mitarbeiter von Prokon haben durchaus kreative Argumente zur Hand, wenn sie ihren Anlegern erklären müssen, dass sie pro Jahr mehr Zinsen ausschütten, als sie verdienen: „Wenn das Steueraufkommen der Bundesrepublik nicht genügt“, schreibt ein Mitarbeiter, wie es seit Jahrzehnten üblich sei, dann würden im Grunde die Zinsen für deutsche Staatsanleihen nicht aus Gewinnen bezahlt, sondern mit Geld, das man neu aufnehme. „Warum vertraut man der Bundesrepublik sein Geld an, obwohl sie die Zinsen nur aus neuen Krediten zahlen kann? Weil angenommen wird, dass die Rückzahlungen nicht gefährdet sind.“

Dieses Prinzip soll auch für Prokon gelten. Der Ökospezialist aus Itzehoe hat bei 74 832 Anlegern knapp 1,4 Milliarden Euro in Form von Genussrechten eingesammelt, die er unter anderem in Windparks investiert. Die Zeichner erhielten hierfür in den vergangenen Jahren bis zu acht Prozent Zinsen, obwohl Prokon mit seinen Unternehmen operativ so viel gar nicht erwirtschaftet hat. Die WirtschaftsWoche hatte Anlegern deshalb davon abgeraten, in die Genussrechte des Unternehmens zu investieren.

Wie Prokon das macht, lässt die Mail des Vertriebsmitarbeiters erahnen: Er weist darauf hin, dass die langfristige Ertragserwartung dazu berechtige, „aktuell Zinsen aus frisch aufgenommenem Kapital zu bezahlen, wenn der operative Gewinn zurzeit dazu nicht ausreicht“.

Die größten Anlagenbauer
NordexNach zwei verlustreichen Jahren und vielen Einsparungen lief es 2013 für Nordex wieder besser. Der Windturbinenbauer kehrte in die Gewinnzone zurück. In der Vergangenheit trennte sich Nordex unter anderem verlustreichen Produktionsstätten in den USA und China und konzentrierte sich ganz auf den Bau von Onshore-Anlagen. Mit der Strategie konnte das Unternehmen in Deutschland Marktanteile gewinnen. 2012 kam Nordex auf 3,5 Prozent, 2013 waren es im On- und Offshore-Bereich zusammen bereits sieben Prozent. Auch die Aussichten sind gut: Für 2014 rechnet der Vorstand mit neue Aufträge im Umfang von 1,6 Milliarden Euro. Quelle: dpa
Siemens WindenergiesparteSiemens ist Weltmarktführer bei Offshore-Windrädern und dominiert auch in Deutschland diesen Bereich. Hierzulande kommt das Unternehmen in dem Segment auf 52,1 Prozent Marktanteil. Im On- und Offshore-Bereichen zusammen hatte Siemens Wind Power 2013 einen Anteil von 9,8 Prozent und liegt damit auf Platz vier. Nach dem Verkauf der gefloppten Solarsparte will sich Siemens künftig noch mehr auf die Energie aus Wind und Wasser zu konzentrieren. Das Geschäft lief zuletzt insbesondere im Ausland gut. Im Dezember 2013 erhielt das Unternehmen mehrere Großaufträge in den USA. In Deutschland gibt es aber auch Probleme: Bei der Anbindung von vier Offshore-Windparks in der Nordsee liegt Siemens dem Zeitplan um mehr als ein Jahr hinterher. Die Verzögerungen sollen Siemens bereits mehr als 600 Millionen Euro gekostet haben. Quelle: dpa
SenvionDas Hamburger Unternehmen Senvion ( ehemals Repower) ist eine Tochter des indischen Windkraftkonzerns Suzlon. Wie Nordex ist es auch dem Hamburger Unternehmen gelungen, Marktanteile zu gewinnen. 2013 installierte Senvion Anlagen mit rund 484 Megawatt und nun einen Markanteil von insgesamt 13,5 Prozent. Im Onshore-Bereich sind es sogar 16,2 Prozent. Das sind drei Prozent mehr als im Jahr zuvor. In Deutschland hat das Unternehmen nach eigenen Angaben nun eine Gesamtleistung von 2,8 Gigawatt installiert. Im März 2014 hat Senvion die Schwelle von 10 Gigawatt weltweit installierter Leistung überschritten. In der Vergangenheit hatte das Unternehmen allerdings auch mit deutlichen Umsatzrückgängen zu kämpfen. Quelle: dpa
VestasDer weltgrößte Windturbinenhersteller Vestas hatte in Deutschland 2013 einen Marktanteil von 16,7 Prozent (Onshore 20 Prozent). Damit hat der Anlagenbauer zwar rund sechs Prozent an die kleineren Mitbewerber verloren, liegt aber weiterhin klar auf Platz zwei. Allein 2013 stellte das dänische Unternehmen Anlagen mit einer Leistung von 598,9 Megawatt in Deutschland auf. Wirtschaftlich ist Vestas offenbar auf einem guten Weg: Nach massiven Sparmaßnahmen in den Vorjahren hat das Unternehmen im letzten Quartal 2013 erstmals seit Mitte 2011 wieder einen Gewinn erwirtschaftet. Der Jahresverlust lag bei 82 Millionen Euro, nach 963 Millionen Euro 2012. Quelle: ZB
EnerconDas vom Windpionier Aloys Wobben gegründete Unternehmen ist unangefochtener Marktführer in Deutschland bei Anlagen auf dem Festland (49,6 Prozent Marktanteil). Onshore-Anlagen mit einer Leistung von 1.484,6 Megawatt hat Enercon allein 2013 aufgestellt. Auf dem Gesamtmarkt musste der Windanlagenbauer allerdings Verluste hinnehmen. Lag der Markanteil 2012 bei 54,3 Prozent, betrug er zuletzt noch bei 41,4 Prozent. Weltweit hat das Unternehmen mittlerweile mehr als 20.000 Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von mehr als 28 Gigawatt installiert. Laut den Wirtschaftsforscher von Globaldata liegt Enercon im globalen Vergleich damit auf Platz. Geschlagen werden die Ostfriesen von der dänische Konkurrenz Vestas. Quelle: dpa

Im Klartext: Die Anleger müssen darauf hoffen, dass die mit ihrem Geld finanzierten Investitionen irgendwann mal so viel Geld abwerfen, dass nicht nur die dann laufend fälligen Zinsen, sondern auch die zuvor ausgeschütteten wieder hereingeholt werden.

Prokon lässt keinen Zweifel daran, dass das gelingt. Der konzernweite Verlust in Höhe von 171 Millionen Euro im vorvergangenen Jahr sei kein Grund zur Sorge, lässt Prokon seine Anleger wissen. Vielmehr sei es normal, dass ein Unternehmen in der Investitionsphase erst einmal Verluste mache. Damit hat Prokon auch völlig recht. Verluste in der Investitionsphase sind weder schlimm noch außergewöhnlich, sofern das von Anlegern eingesetzte Kapital zuzüglich Zinsen später tatsächlich eingefahren wird. Genau das ist aber keineswegs so sicher, wie Prokon behauptet.

Zum einen schüttet das Unternehmen schon seit Jahren mehr aus, als es operativ verdient, obwohl viele Windparks in Betrieb sind und laufend Geld reinkommt. 2013 wird sich das wohl nicht ändern: Prokon weist für die ersten zehn Monate ein Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen in Höhe von 33,5 Millionen Euro aus. Die Zinszahlungen an Anleger waren im selben Zeitraum mit 67 Millionen Euro doppelt so hoch. Das soll – behauptet Prokon – nicht so bleiben. 2020 plant das Unternehmen mit einem Gewinn in Höhe von 110 Millionen Euro und Ausgaben für Zinsen von 95,7 Millionen Euro. 2040 soll das Genussrechtskapital vollständig zurückgezahlt sein.

Das könnte bei der aktuellen Zinslast – je nach Tilgungsgeschwindigkeit – jedoch schwierig werden.

Das Geld der Anleger ist teuer


Lenkdrachen soll Energie gewinnen
Sie sehen aus wie übliche Lenkdrachen, doch sollen sie zukünftig der Gewinnung von Windenergie dienen. Die Technische Universität Delft in den Niederlanden, deren Drache hier zu sehen ist, forscht seit Jahren im Kite Power Projekt an dieser Technologie und hat schon mehrere Prototypen getestet. 2015 könnten laut der Brandenburger Firma Enerkite die fliegenden Kraftwerke auch in Deutschland für Energie sorgen. Die Drachen fliegen dafür in 300 bis 600 Metern Höhe und zapfen dort die konstanten Windströme für die Stromgewinnung ab. Über ein Seil ist der Drache mit einer mobilen Bodenstation gekoppelt. Die Flugsteuerung sowie der Generator laufen per Autopilot. Im Gegensatz zu großen Windanlagen sind die „Energiedrachen“ flexibel einsetzbar, leise und auch noch günstiger. Quelle: Twitter
Die USA setzt ebenfalls auf Fluggeräte zur Energiegewinnung, doch diese ähneln eher einem Flugzeug. Windturbinen aus Glasfasern und Karbon machen dabei die Stromgewinnung in der Luft möglich. Die Forschung des kalifornischen Unternehmens Makani Power an der Airborne Wind Turbine wird unter anderem von Google bezuschusst. Die Turbine, die bis zu 600 Meter hoch fliegt, wird von einem Hauptseil gehalten, während die Luftenergie über ein anderes Seil zum Boden gelangt. Dabei fliegt die Windturbine kreisförmig und quer zum Wind, wodurch sie sehr hohe Geschwindigkeiten erreicht. Der Prototyp kann sogar teilweise selbstständig den Flugmodus wechseln. Das Unternehmen plant die Windturbinen auch auf der See einzusetzen. Quelle: Twitter
Zumindest auf den Plänen der Konstrukteure bringen diese Windgeneratoren mehr Leistung als konventionelle Windmühlen. Der vertikale "Aerogenerator" wird auf hoher See installiert. Die Stromausbeute liegt bei 10 Megawatt, rund drei Megawatt mehr als die bisher größte Windanlage produziert. Die Spannweite kann nach Angaben des britischen Herstellers Windpower bis zu 230 Meter betragen. Dagegen sehen die bisher üblichen Windmühlen eher schlapp aus - die neuesten Anlagen der konventionellen Bauart sollen nämlich einen Rotorendurchmesser von "nur" 180 Meter haben. Texte: Miguel Zamorano Recherche: Andreas Menn Quelle: PR
Schaut wie eine Steinschleuder aus, ist aber ein Lenkdrache. Die Idee: der Kite-Segel der italienischen Firma Kite Gen ist an einem bewegbaren Arm an zwei Seilen befestig und wird dann auf eine Höhe von 800 bis 1000 Metern gebracht. Dort dreht der Winddrachen konstante Achten und treibt so die Turbine an. Der Vorteil: in mehr als 1000 Meter Höhe bläst der Wind konstanter als in Bodennähe. Bei einer Windgeschwindigkeit von 25 km/h läge die Energieausbeute laut Hersteller bei drei Megawatt. 300 Drachen brächten so die Leistung eines Atomkraftwerks - und da der Wind in der Höhe nahezu durchgehend bläst, gäbe es keine großen Ausfallzeiten. Der Haken: Flugzeuge müssten das Gebiet umfliegen. Das scheint bei der hohen Verkehrsdichte am europäischen Himmel und der Größe der Lenkdrachen-Parks nicht praktikabel. Das Modell ist derzeit noch in der Erprobungsphase. Quelle: PR
Bläst der Wind, dreht sich der Ballon um die eigene Sache und treibt den Rotor an Quelle: PR
Die Windhelix eignet sich für große Eigenheime Quelle: PR
Diese Modell soll sich unauffällig in die Landschaft fügen- Quelle: PR

Modell 1: Prokon hat etwa für seinen Windpark Bornstedt-Rottmersleben laut einer Übersicht aus dem Jahr 2012 43,2 Millionen Euro ausgegeben. 31,5 Millionen Euro davon waren Genussrechtskapital, weitere 11,7 Millionen Euro kamen von Banken.

Angenommen, der Park erhält den Bankkredit für drei Prozent Zinsen pro Jahr und tilgt ihn innerhalb von zehn Jahren, dann würden 3,51 Millionen Euro Zinskosten anfallen. Für das Genussrechtskapital werden mindestens sechs Prozent pro Jahr fällig. Diese Annahmen sind für Prokon äußerst vorteilhaft, da die Zinslast in der Vergangenheit deutlich höher war.

Hinzu kommen noch Verwaltungskosten in Höhe von zwei Prozent pro Jahr, bezogen auf das Genussrechtskapital. Mit dieser Kostenquote rechnete Prokon intern selbst, wie aus dem Geschäftsbericht einer anderen Konzerngesellschaft hervorgeht. Tilgt der Windpark das Genussrechtskapital erst nach 25 Jahren, entstehen Zinskosten in Höhe von 63 Millionen Euro. Unberücksichtigt bleiben Zinskosten in der Bau- und Planungsphase. Der Park müsste bis zu seinem Lebensende folglich knapp 110 Millionen Euro verdienen. Laut Prokons eigenen Prognosen wird der Park aber wohl nur auf einen Überschuss von 86 Millionen kommen. Die Rechnung ginge folglich nicht auf.

Andere Parks verdienen zwar deutlich mehr, als sie müssen. Das reicht allerdings nicht. Für 20 typische Prokon-Windparks, die zwischen 1999 und 2011 errichtet wurden, ist die Differenz zwischen Soll- und Ist-Rendite 95 Millionen Euro hoch.

Modell 2: Prokons Rechnung geht hingegen auf, wenn die Windparks gleich ab dem ersten Lebensjahr beginnen, die Bankkredite und das hoch verzinste Genussrechtskapital zu tilgen. Das würde bei den 20 Windparks der ersten Modellrechnung die Zinslast – ausschließlich für die Parks – um knapp 40 Prozent drücken. Damit die Rechnung dann auch für den gesamten Konzern aufgeht, müsste das Unternehmen die von den Parks getilgten Genussrechte gleich wieder gewinnbringend investieren. Denn der Anleger will ja weiterhin mindestens sechs Prozent Zinsen auf sein eingesetztes Kapital haben.

Die Rechnung ist auf die wesentlichen Kosten- und Ertragskomponenten reduziert und enthält einige Unbekannte. Sie zeigt aber, wie sehr die hohen Genussrechtszinsen das Geschäft belasten. Das räumt Prokon seit Freitag nun auch selbst ein. Über die Jahre sei bis Ende Oktober 2013 ein Verlust in Höhe von 209,9 Millionen Euro entstanden. Im selben Zeitraum habe das Unternehmen 330 Millionen Euro an Zinsen ausgeschüttet. „Hätten wir statt acht Prozent jährlich nur 2,9 Prozent  Zinsen gezahlt, wäre der bilanzielle Verlust heute nicht vorhanden.“

Der hohe Verlust muss  die Anleger – glaubt man Prokon – aber nicht weiter stören. Das Kapital sei durch Sachwerte, etwa durch Windparks abgesichert, die im Oktober 2013 knapp 1,8 Milliarden Euro wert gewesen sein sollen. Das wären 30 Prozent mehr, als Anleger bis dahin eingezahlt haben. Ob die angesetzten Werte realistisch sind, ist nur schwer überprüfbar. Um „Stille Reserven“ zu ermitteln, wird ein Verkaufspreis für die Vermögenswerte geschätzt. Da es keinen regen Handel mit gebrauchten Windparks gibt und auch die zukünftigen Einnahmen nicht genau vorherzusehen sind, ist das schwierig – bei jedem Unternehmen, nicht nur bei Prokon.

Panik bei Anlegern

Wo die Energiewende besser funktioniert
Im internationalen Vergleich gibt es kaum ein zweites Land, das sich derart ambitionierte Ziele zur Umstellung seines Energiesystems gesteckt hat wie Deutschland. Daher existiert auch kein Gesamtkonzept, das als Blaupause für die deutsche Energiewende dienen könnte. Dennoch kann Deutschland von anderen Ländern lernen. Eine Studie von McKinsey im Auftrag von Siemens stellt Beispiele aus verschiedenen Ländern vor und zeigt, was davon in welchem Umfang auch in Deutschland erfolgreich umgesetzt werden könnte. Die Fallbeispiele beziehen sich auf die wesentlichen Elemente der deutschen Energiewende entlang der Energiewertschöpfungskette: Stromerzeugung, Verteilung oder Balancierung von Angebot und Nachfrage sowie Steigerung der Energieeffizienz. Quelle: dpa
Dänemark, Niederlande, Brasilien - Versteigerung von WindparksDer Ausbau von Solar und Windkraft wird die Regierung bis 2020 rund 30 Milliarden Euro kosten. Eine Möglichkeit, den Kostenanstieg zu drosseln, wäre eine Anpassung der Förderung, zum Beispiel durch Auktionierung von Windparkprojekten – wie in Brasilien, Dänemark oder den Niederlanden praktiziert. So kann erreicht werden, dass Windparks an windreichen Standorten mit einer geringeren Vergütung auskommen. Würden in Deutschland die infrage kommenden Windparkprojekte in Zukunft versteigert, könnten allein im Jahr 2020 rund 0,7 Milliarden Euro an Förderkosten eingespart werden. Quelle: dpa
China – bessere Nutzung von AbwärmeAbwärme lässt sich bei Temperaturen ab circa 300 Grad Celsius zur Stromerzeugung nutzen. In Deutschland gibt es unter anderem in der Zement- und Glasindustrie weitere Potenziale, die andere Länder beziehungsweise Pilotanlagen in Deutschland bereits nutzen: So wurden in China in den  vergangenen zehn Jahren knapp 30 Zementwerke mit entsprechenden Anlagen ausgestattet oder werden aktuell umgerüstet. Durch Nachrüsten der in Deutschland infrage kommenden Werke könnten hier im Jahr 2020 etwa 2 TWh Strom erzeugt und so eine Megatonne CO2 eingespart werden. Die Investitionen würden sich bereits nach rund drei Jahren amortisieren, so die Autoren der Studie. Quelle: REUTERS
Shanghai – bessere TransformatorenJetzt wird es technisch, aber im Grunde simpel. Transformatoren sind  für die Stromversorgung unverzichtbar, da elektrische Energie nur mittels Hochspannungsleitungen über weite Entfernungen wirtschaftlich sinnvoll transportiert werden kann; der Betrieb von Elektrogeräten ist aber nur mit Nieder- und Kleinspannung praktikabel und sicher. Transformatoren haben einen magnetischen Kern, meist Eisen, man kann aber auch so genannte amorphe Metalle verwenden. Sie haben bessere magnetische Eigenschaften und senken Übertragungsverluste im Netz.  In Shanghai konnten die Leerlaufverluste der ausgetauschten Transformatoren um 80 % reduziert werden konnten. Allein die Ausstattung der in Deutschland bis 2020 neu zu installierenden Transformatoren mit amorphen Kernen könnte die Übertragungsverluste im Stromnetz im Jahr 2020 um 0,2 TWh reduzieren. Dies entspricht der Stromproduktion von circa 65.000 Aufdach-Solaranlagen. Durch die Einsparungen  würden sich die erforderlichen Investitionen nach circa elf Jahren amortisieren. Quelle: dpa
Schweden – mehr WärmepumpenEine Wärmepumpe entzieht zum Beispiel dem Boden oder der Luft unter Aufwendung mechanischer oder elektrischer Energie thermische Energie und stellt diese zur Raumheizung zur Verfügung. Momentan sind in Schweden bei 9,5 Mio. Einwohnern 1 Mio. Wärmepumpen installiert, gegenüber circa  0,5 Mio. Wärmepumpen in Deutschland bei rund 81 Millionen Einwohnern. Der Ausbau zusätzlicher 0,7 Millionen Wärmepumpen in Deutschland bis 2020 würde zu einer Senkung des Primärenergiebedarfs um 18 PJ und zu einer Senkung der CO2-Emissionen um 0,6 Mt für das Jahr 2020 führen. Foto: "Tourismusverband Westschweden Quelle: Blumenbüro Holland/dpa/gms
USA – Stromnachfrage besser steuernDie Stromerzeugung aus Wind und Sonne schwankt wetterabhängig sehr stark. Das belastet das Netz. Die Schwankungen lassen sich durch eine flexiblere Stromnachfrage ausgleichen. Im Nordosten der USA hat man dazu einen Markt für temporäre Nachfragereduzierung geschaffen. Zu Spitzenzeiten reduzieren Stromkunden ihren Verbrauch freiwillig und erhalten hierfür eine Vergütung. Bei diesem Fallbeispiel wurde die Spitzenlast in einem Markt, der größer als der deutsche ist, um circa 8 % reduziert. Würde Deutschland in ähnlicher Weise allein seine industrielle Nachfrage flexibilisieren, könnten 2020 etwa 0,5 Milliarden Euro eingespart werden. Das entspricht den jährlichen Betriebskosten von zwei großen Kohlekraftwerken. Quelle: AP
Los Angeles – LED-StraßenbeleuchtungInternational hat eine Reihe von Städten den Austausch der klassisch verwendeten Natrium-Hochdrucklampen durch LED s vorangetrieben. In den USA installierte zum Beispiel Los Angeles von 2009 bis 2013 in 146.000 Ampeln und Straßenleuchten mit LED. Mit Investitionen von rund 45 Millionen Euro konnte eine Reduzierung des Stromverbrauchs von rund 60 % erreicht werden. Quelle: Presse

Obwohl die Probleme nicht neu sind, geraten Anleger nun offenbar in Panik. So schrieb Prokon-Chef Carsten Rodbertus kürzlich an einen Genussrechtsinhaber: „Leider lassen sich Anleger von Medien verängstigen und manipulieren, kündigen überstürzt ihre Genussrechte und entziehen uns damit Kapital.“ Der Brief liegt der WirtschaftsWoche vor. In den vergangenen Tagen hat sich die Situation offensichtlich weiter zugespitzt: In einem Schreiben an die Anleger, das auf der Homepage veröffentlicht ist, bittet der geschäftsführende Gesellschafter Carsten Rodbertus die Anleger bis zum 20. Januar mitzuteilen, ob sie an ihren Genussrechten festhalten oder kündigen wollen. Welche schwerwiegende Folgen es hat, wenn sich zu viele Anleger für die Kündigung entscheiden wird auf der zweiten Seite erklärt: „Eine Planinsolvenz kann nur verhindert werden, wenn wir für mindestens 95 Prozent des Genussrechtskapitals die Zusage erhalten, dass Sie uns ihr Kapital mindestens bis zum 31.10.2014 nicht entziehen“ und einer Stundung der Forderungen zustimmen.

Das Unternehmen schreckt auch nicht davor zurück den Anlegern die Schuld für den Untergang des Unternehmens zu geben, falls sie ihr Kapital abziehen. So sollen die Anleger, die kündigen, unterschreiben, dass sie die Insolvenz „in Kauf“ nehmen und bewusst das Risiko tragen, dass Prokon im Falle einer Planinsolvenz Vermögenswerte unter Marktwert verkaufen muss. Weiter soll der Anleger versichern: „Mir ist bewusst, dass ich mit der Entscheidung für eine Planinsolvenz entscheidend zur Vernichtung“ eines zukunftsfähigen Unternehmens „mit über 1300 Arbeitsplätzen beitrage.“

Das ist typisch für Prokon-Chef Carsten Rodbertus. Er hatte die Schuld für Probleme bei dem Energieunternehmen stets bei anderen gesucht. Erst waren es kritische Journalisten und Anlegerschützer, die in Prokons Welt nur Büttel von Banken und großen Energiekonzernen sind, und  den „empfindlichen Störfaktor“ Prokon, „gnadenlos beseitigt“ sehen wollen. Jetzt sind es die Anleger,  die ihr Recht auf Kündigung der Genussrechte geltend machen wollen.

Stattdessen war es Rodbertus selbst, der die Situation fahrlässig herbei geführt hat. Das Unternehmen investiert das Geld der Anleger langfristig etwa in Windparks, refinanziert sich aber kurzfristig. Von den knapp 1,4 Milliarden an Genussrechtskapital, die in der Firma stecken, hatten Genussrechte im Umfang von knapp 1,3 Milliarden Euro eine Laufzeit von weniger als fünf Jahren. Eine solche Diskrepanz ist immer gefährlich. Zudem hatte das Unternehmen seinen Anlegern eine Mindestverzinsung ihres Kapitals von mindestens sechs Prozent versprochen und tatsächlich zeitweise sogar acht Prozent ausgeschüttet, was die Liquiditätssituation naturgemäß belastet hat.

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Zumindest in einem Punkt hat Rodbertus allerdings recht: Wenn viele Anleger nun panisch ihre Genussrechte kündigen, drohen Notverkäufe. Bei solchen sind die Preise oft mies. Das wiederum hat schwerwiegende Folgen für all diejenigen, die investiert bleiben, weil möglicherweise kein Vermögen mehr vorhanden ist, wenn ihre Genussrechte fällig werden. Im Sinne aller Anleger wäre es, wenn zumindest der Großteil von ihnen die Ruhe behielte und Prokon-Chef Rodbertus die Zeit nutzt, um sein Unternehmen auf eine solide Finanzbasis zu stellen.

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