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Energiekonzern E.On betreibt einen Kurswechsel

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Kursverlauf von E.On und RWE im Vergleich

Keine Frage, die Zahlen stimmten zum Schluss nicht mehr. E.On wies wegen des Wertverlusts von Tochtergesellschaften in Italien und den USA bei einem Umsatz von 87 Milliarden Euro nur noch einen Gewinn von 1,6 Milliarden Euro aus. Das aber war nicht ausschlaggebend.

Entscheidend für das Aus war nicht die wirtschaftliche, sondern die persönliche Bilanz des Duos Hartmann-Bernotat. Und die war aus dem Lot. Lange war Bernotat ein wichtiger Mosaikstein in Hartmanns Plan, einen großen internationalen Player im Energiesektor aufzubauen. Mit globalen Giganten wie Exxon, Shell und BP sollte es E.On aufnehmen.

Ein „Leuchtturmunternehmen“, so Hartmann, sollte aus dem Gebilde werden, dass sich durch Fusionen innerhalb Deutschlands zwischen 2000 und 2002 zum zweitgrößten europäischen Strom- und Gasversorger nach der französischen EdF gemausert hatte.

Doch EdF ist staatlich und E.On gehört privaten Investoren. Darauf legte das E.On-Management immer Wert. Bernotat, der jahrzehntelang bei Shell in Top-Positionen gearbeitet hatte, sollte für Hartmann der personelle Schlussstein seiner eigenen Ära sein.

Für Bernotat sind Politiker Nullen

Was dann folgte, konnte Hartmann nicht mehr gefallen. Mimik und Rhetorik von Bernotat war auf kaltlächelndes Kalkül abgestellt. Hartmanns Sätze klangen bei aller Konsequenz immer konziliant. Der Ton macht die Musik. Wenn Hartmann Nein meinte, sagte er Ja, nur ironischer.

Als aber Bernotat den größten spanischen Versorger Endesa quasi im Handstreich nehmen wollte und die Regierung des Landes kopfstand, verweigerte Bernotat dem spanischen Regierungschef José Zapatero ein frühzeitiges Gespräch und gab zu Protokoll: „Herr Zapatero kann mich ja heute Nachmittag anrufen.“ Politiker sind für Bernotat Nullen. Bei Energiekonsensgesprächen im Kanzleramt verkündete er, dass die Strategie von E.On noch immer er selbst bestimme und nicht die Kanzlerin, was zwar zutreffend, aber auch undiplomatisch war.

Hartmann sah zu. Als Bernotat Endesa nur in Teilen bekam, vor allem alte Kraftwerke, und der italienische Konkurrent Enel über E.On obsiegte, fiel Wunderknaben Bernotat ein Zacken aus der Krone. Hätte er nicht doch mit Zapatero noch einmal reden sollen? Vor allem zusammen mit Gerhard Schröder, Ex-Kanzler und als Aufsichtsratsvorsitzender der Pipeline-Gesellschaft Nord Stream, an der E.On beteiligt ist? Schröder hatte sich angeboten.

Im Hause E.On wird wieder Politik gemacht

Hartmann, der selbst aus der Stadtwerkewelt kommt, bevor er in den Vorstand des E.On-Vorgängers Veba eintrat, hatte Bernotat darauf hingewiesen, dass das Energiegeschäft politisch ist und diverse Rücksichten auf Länder- und Kommunalchefs zu nehmen seien. Hartmann selber hatte es im Jahr 2000 als Veba-Chef geschafft, bei der Übernahme des bayrischen Versorgers Viag mit Sitz in München den damaligen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber davon zu überzeugen, dass Bayern sein Viag-Paket, das über zehn Prozent schwer war, an die Veba verkaufte. Damit hatte er  Bayerns Kontrolle über die Energie an sich genommen.

Hartmanns Coup hatte zu heftigem Kopfschütteln der Bayern-Energiematadoren geführt. Das zur Viag gehörende Bayernwerk war mehr als nur ein Stromlieferant. Es war Kernstück der bayrischen Industriepolitik, die aus einem Agrarstaat nach dem Krieg ein Wirtschaftswunderland gemacht hatte. Hartmanns Verhandlungsgeschick brach diesen Nimbus.

Die Ruhrgas, ein Geflecht aus BP und Beteiligungen der Ruhrkohle (RAG), bekam Hartmann sogar erst durch eine politisch heikle Ministererlaubnis durch den damaligen Wirtschaftsstaatssekretär Alfred Tacke. Dass Tacke wenig später Top-Manager bei der RAG wurde, gehört zu den Mysterien der Hartmann’schen Expansion.

Egal wie diese Expansion unter dem fast schon designierten E.On-Chef Teyssen künftig aussieht – es wird wieder Politik gemacht im Hause E.On.

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