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Energiekonzerne Abschied von den Stromnetzen

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Doch den deutschen Energiekonzernen fällt das Loslassen schwer – und das lässt sie tief in die Trickkiste greifen. RWE etwa hat im September die neue – offiziell unabhängige – Gesellschaft Amprion gegründet, um bei Verbraucherschützern und Wettbewerbshütern aus der Schusslinie zu kommen. Hinter Amprion verbirgt sich aber nicht nur das 11 000 Kilometer lange Stromnetz von RWE, das neue Unternehmen soll auch zu 100 Prozent in RWE-Besitz bleiben. Unabhängigkeit ist damit schwerlich zu vermitteln.

Der am 16. November zu seiner konstituierenden Sitzung zusammentreffende Aufsichtsrat wird aus sechs Mitgliedern bestehen, mindestens vier kommen von RWE. Hans-Jürgen Brick, Chef von Amprion, betont zwar die Unabhängigkeit von Amprion von der allmächtigen RWE-Mutter, sagt aber auch: „Die Finanzierung der Investitionen in Höhe von drei Milliarden Euro in den nächsten zehn Jahren kommen vom Eigentümer.“

Dass Vattenfall anders agiert als RWE hat aber weniger mit einer positiven Einstellung zu mehr Wettbewerb zu tun: Vattenfall und Josefsson betreiben Imageverbesserung in eigener Sache. In den vergangenen Jahren war der Konzern in Deutschland durch Zwischenfälle im Atomkraftwerk Krümmel aufgefallen.

Rendite im Netz gedeckelt

Außerdem weiß der Vattenfall-Chef, dass mit dem Netz eigentlich nicht viel zu holen ist. Denn während die Rendite im Netz durch die Bonner Bundesnetzagentur gedeckelt wird – bei Neuinvestitionen ist die Eigenkapitalrendite auf 9,0 Prozent begrenzt, bei Altanlagen sind es 7,6 Prozent –, sind die Aussichten für die Atomkraftwerke nach dem Regierungswechsel eher besser geworden.

Die von der schwarz-gelben Koalition geplanten Laufzeitverlängerungen um zehn Jahre würde der Branche Mehreinnahmen von schätzungsweise 85 Milliarden Euro bescheren, allein Vattenfall wäre mit sechs Milliarden Euro dabei. Mit der Atom-Renaissance wären Eigenkapitalrenditen von 20 Prozent und mehr möglich. Da können die Renditen aus dem Netzbetrieb nicht mithalten.

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