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Energieversorger Stromriesen E.On und RWE im Leistungsvergleich

RWE und E.On haben blendende Zahlen vorgelegt. Für die Zukunft zeigen sich beide Energieversorger trotzdem pessimistisch und wettern gegen die Brennelemente-Steuer. Einer der beiden Energieriesen hat die große Umbauarbeit noch vor sich - ein Leistungsvergleich.

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Eine Leuchttafel zeigt in der Quelle: dpa

Es ist Sommer und RWE und E.On präsentieren ihre Halbjahreszahlen, nicht mehr vor Journalisten in ihren prächtigen Hauptverwaltungen, sondern per Telefonkonferenz. Gestern trug E.On-Chef Johannes Teyssen die Zwischenergebnisse vor, heute war es RWE-Boß Jürgen Großmann. Fazit beider Versorger: Die Gewinne stiegen kräftig, bei E.On um 11 Prozent, bei RWE sogar um über 20 Prozent.

Das ist in anderen Branchen ein Grund zum Feiern, zum Selbstlob - und zum Dankeswort an all die Kunden, Großabnehmer und millionenfache Haustarifskunden, die im Zeitalter der Strompreisliberalisierung ihrem Energielieferanten die Treue gehalten haben. Doch eher cool kam die Angabe der Zahlen durch die Telefonleitung, so berichten es die Teilnehmer. Lautstark dagegen erscholl das Klagelied der beiden Energieriesen.

Heftige Kritik an Atom-Politik

Beide Vorstände gingen bald nach Darstellung der durch Strompreiserhöhungen komfortabel gewordenen Geschäftslage über zur Attacke: E.On-Chef Teyssen platzte förmlich der Kragen: Im Koalitionsvertrag sei eine ideologiefreie, technolgieoffene und marktorientierte Energiepolitik versprochen worden, lästerte der seit Mai als Nachfolger von Wulf Bernotat amtiertende Konzernlenker. Zehn Monate nach dem Koalitionsvertrag, so Teyssen, bestehe für ihn immer noch keine Klarheit über die Zukunft der Atomkraftwerke, von denen allerdings der Düsseldorfer Riese E.On im Gegensatz zu RWE in nächster Zeit keinen Meiler wegen Ablauf der vereinbarten Betriebszeit abschalten muss. Bei RWE ist das anders: Die Essener müssen Biblis A und B spätetestens 2011 vom Netz nehmen und damit auf eine im Laufe der Jahre milliardenschwere Einnahmequelle verzichten.

Vor allem die geplante Brennelementesteuer brachte Teyssen in Rage. Er prognostizierte, dass diese Steuer das Vorsteuerergebnis von E.On mit rund 1,3 Milliarden Euro pro Jahr belasten wird, im ersten Halbjahr 2010 betrug der Konzernüberschuss bei E.On 3,2 Millarden Euro. Auch RWE-Lenker Großmann drohte den Berliner Politikern, wenn auch indirekt. Die Politik stehe im Wort, "klare Aussagen" für die Zukunft der Kernenergie in Deutschland zu treffen. "Dies ist unsere langfristig angelegten Investitionen zwingend erforderlich". Im Klartext: Von der Verlängerung der Laufzeiten der Atomkraftwerke, aber auch von der künftigen Besteuerung der Kernkraftwerke hängt die Höhe der Investitionen ab.

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    Auch RWE-Chef Großmann schoss scharf gegen die geplante Brennelemente-Steuer: "Sollte dieses Vorhaben Wirklichkeit werden, würde es in erheblichem Umfang unsere Ertragskraft schmälern", erklärte er bei Vorlage der Zahlen.

    E.On ist etwas pessimistischer als RWE. Beide sehen für das Jahr 2010 Gewinnsteigerungen in ihren Büchern. E.On glaubt eine Verbesserung um drei Prozent, RWE an einen Schub von fünf Prozent. Solche Vorhersagen galten in der Branche bisher als äußerst vorsichtig. Denn vor dem Hintergrund verbesserter Konjunktur, ThyssenKrupp, BASF, Bayer, Daimler und Volkswagen sind nach Monaten der Low-cost-Politik wieder bedeutende Energiefresser, müsste es eigentlich einen strahlenderen Ausblick geben.

    Der E.On-Ausblick war - angesichts der Zahlen - noch nie so pessimistisch. "Der Wind ist rauer geworden", klagte Teyssen. Das Kohlekraftwerk Datteln wackelt unter der neuen rotgrünen Minderheitsregierung. Auch das Gasgeschäft, jahrzehntelang ein Parade-Gewinnbringer für E.On Ruhrgas, stottert. Es gibt ein Überangebot an Erdgas in Westeuropa, Konkurrenzangebote von Flüssiggas macht dem Großhändler von E.On Probleme. Teyssen baut das Gasgeschäft völlig um, er ist noch neu.

    RWE-Lenker Großmann dagegen, seit Oktober 2007 im Amt, und bereits im täglichen Energiegeschäft etwas abgeschliffener und ruhiger, verkündete keine großen Umbauten der Brot- und Buttergeschäfte. Er hat einen großen Deal und dessen Integration in das RWE-Reich gerade hinter sich. Im vergangenen Geschäftsjahr erwarb er Teile der holländischen Essent und konnte damit das RWE-Versorungsgebiet - auch international - in unmittelbarer Nähe des nordrhein-westfälischen Heimatmarktes deutlich vergrößern. Dies gelang E.On unter Wulf Bernotat nicht. Im Gegenteil: E.On hat in den vergangenen Jahren ein Desinvestitionsprogramm in Höhe von 13 Milliarden Euro hinter sich.

    Aufräumer-Posen bei E.On

    Bernotat-Nachfolger Teyssen zeigt sich in der Pose des Aufräumers, der das ganze Ausmaß seiner Arbeit noch nicht quantifizieren will. Wie er künftig E.On-Ruhrgas umkrempeln will, wird er erst im September erläutern. Gerade beendete er die Tätigkeit des früheren Shell-Managers und Bernotat-Intimus Jochen Weise als Einkaufschef von E.On-Ruhrgas. Seine hohe Wertschätzung für Ruhrgas-Chef Bernhard Reutersberg zeigt sich in der Beförderung des früheren Henkelmanagers in den Zentralvorstand von E.On, in dem Reutersberg für die diversen und ziemlich unüberschaubaren E.On-Landesgesellschaften zuständig sein wird.

    Solche Personal-Verschiebungen hat Ingenieur Großmann bereits hinter sich. Verwaltungsjurist Teyssen zeigt sich dagegen als temperamentvoller Heißstarter. Großmann kam als erfolgreicher Selfmade-Unternehmer zu RWE und kann jederzeit in seine eigene Welt zurückkehren. Teyssen ist ein typisches E.On Hochkulturgewächs mit Bodenberührungen in Stadtwerkebeteiligungen des Düsseldorfer Riesen. Ob sich beide einmal aneinander messen werden?

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      Der Wind ist rauer. Die Einigkeit unter Versorger-Chefs gehörte früher zur Branchenkultur. Sie werden vielleicht noch mal gegenander kämpfen, wenn Berliner Energiepolitiker lieber RWE-Atomkraftwerke abschalten als E.On-Meiler. Beide hätten schon jetzt nicht so viel dagegen, wenn der erste Meiler von EnBW in Baden-Württemberg geopfert wird. Der Meiler Neckarwestheim wäre dann dran. Weit genug entfernt von Essen und Düsseldorf.

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