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Energieversorgung Wie Kleinanbieter den Energieriesen Kunden abjagen

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Grafik: Auslaufende Verträge im Energiemarkt

Hinter dem Partner Südweststrom Windpark stehen 50 kleine baden-württembergische Kommunen, die im milliardenschweren Windgeschäft ebenfalls kräftig mitmischen wollen und gigantische Projekte wie Offshore-Windmühlen nicht den Großen überlassen wollen. 70 Prozent hat sich die Südweststrom Windpark GmbH an „Bard Offshore 1“ gesichert, aber noch nicht endgültig übernommen. „Zurzeit prüfen unsere Berater, was dieses Paket wert ist“, sagt Südweststrom-Chefin Bettina Morlok zur WirtschaftsWoche. „In zwei Monaten wollen wir die Bewertung abgeschlossen haben.“

Die Kleinen rechnen mit – und wollen nicht allein den Großen das Feld überlassen. So ging gerade in der Nähe zum Bard-Projekt der Windpark Alpha Ventus unter Führung der Branchenplatzhirsche E.On und Vattenfall ans Netz. Ebenfalls mit im Boot sitzt der oldenburgische Regionalkonzern EWE, der sich längst aus den Niederungen kommunaler Versorger zum bundesdeutschen Energieunternehmen herausgearbeitet hat.

Auch Niederspannnetze sind begehrt

Doch es geht nicht nur um die Hoheit über Windmühlen. Auch die Niederspannnetze, die den Strom von den Kraftwerken manchmal von weither in die letzten Winkel der Kommunen und Städte transportieren, sind Objekt der Begierde geworden. Bisher waren es die großen Anbieter E.On, RWE und EnBW, die über Netzentgelte, Kundendaten und Lastprofile auf der letzten Meile zum Kunden wachten. Die Konzerne handelten für den Betrieb der Netze mit den Gemeinden Konzessionsverträge aus, die sich mit der trägen Gleichmäßigkeit eines Stromzählers von Jahrzehnt zu Jahrzehnt quasi automatisch verlängerten. Damit ist es nun vorbei. Die Kommunen wollen selber die Netze übernehmen und kündigen zu diesem Zweck die Konzessionsverträge.

Bundesweit laufen in den kommenden zwei Jahren rund 2000 Strom- und Gasnetz-Konzessionsverträge aus . Chance für viele von Ortsbürgermeistern gegründete Stadtwerke, in das Geschäft mit dem Strom einzusteigen und neben der Konzessionsabgabe auch noch eine ordentliche Dividende in das Stadtsäckel fließen zu lassen. Neue Verträge können die Kommunen aber mit kleinen, privaten Energieversorgungsunternehmen abschließen. „Die Bürger sind seit der Finanzkrise konzernkritischer geworden und vertrauen in Energiefragen zunehmend örtlichen oder kleineren Lösungen“, betont ein Vertreter der Kommunalwirtschaft.

So entwickelt sich inzwischen die ursprünglich kleine westfälische Stadtwerke-Gruppe Enervie – bisherige Heimatregionen sind die Städte Lüdenscheid und Hagen – zu einem Versorger mit bundesweiter Präsenz. Der Firmenname ist eine Kunstkombination aus Energie und dem französischen Wort für Leben („La Vie“). Enervie-Chef Ivo Grünhagen trumpft auf: „Wir wollen uns unter den 15 größten Energieversorgern in Deutschland etablieren.“ Als etwa der in Ostdeutschland und den Stadtstaaten Berlin und Hamburg agierende schwedische Energiekonzern Vattenfall den holländischen Kommunalversorger Nuon übernahm, durfte er die deutsche Nuon-Tochter aus kartellrechtlichen Gründen nicht behalten. Enervie bot darum und bekam den Zuschlag. Mit der Übernahme verdoppelte das Stadtwerk den Bestand seiner Kunden auf 600 000 und ist nun auf einen Schlag in vielen deutschen Großstädten aktiv.

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