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Energiewende Deutschlands Solarbranche stürzt ab

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Solarmodule einer Quelle: REUTERS

Finanziert wurde das 140-Millionen-Euro-Projekt von der HSH Nordbank. Eigentümer des Parks ist Luxcara Asset Management. Das auf grüne Investments spezialisierte Unternehmen aus Hamburg kauft Solarparks und legt Solarfonds auf. Luxcara kassiert damit auch die Einspeisevergütung: Bei einer prognostizierten Solarstromernte von mehr als 70 Millionen Kilowattstunden könnten rechnerisch pro Jahr knapp 16 Millionen Euro fließen. Über die garantierten zwei Jahrzehnte wären das weit mehr als 300 Millionen Euro. Die Förderung der Erneuerbaren zahlt über die EEG-Umlage jeder Stromkunde mit.

Grundlage für die Berechnung ist die Differenz zwischen der festgelegten Vergütung pro Kilowattstunde Ökostrom und dem Vermarktungserlös, den der Strom tatsächlich an der Börse erzielt. Den meisten Studien zufolge wird die Höhe der Umlage in den kommenden Jahren bei etwa drei Cent pro Kilowattstunde stagnieren oder nur geringfügig wachsen, um dann ab etwa 2016 kontinuierlich zu sinken.

Während die kargen Kippenböden in der Lausitz den Investoren eine ertragreiche Zukunft bescheren, ist der brandenburgische Megapark für die deutschen Zell- und Modulhersteller ein Mahnmal des Niedergangs. Hochgejubelte Stars wie Phoenix Solar, Q-Cells, Conergy oder Solon verlieren nicht nur international den Anschluss an die Konkurrenz, vor allem aus China. Sie werden zunehmend auch vor der eigenen Haustür von ausländischen Anbietern überrannt. Das Ziel, mit viel Geld eine global agierende Solarindustrie aufzubauen, die Zigtausende neue Arbeitsplätze schafft, scheint gescheitert. Profitiert haben von den Fördermilliarden vor allem die asiatischen Hersteller: 2010 stammte bereits mehr als die Hälfte der in Deutschland installierten Solarmodule aus China.

Das ist auch in Meuro so: GP-Joule-Chef Petersen lässt hier mehr als 300 000 Module des kanadischen Herstellers Canadian Solar installieren, die allesamt in China produziert worden sind. Warum? "Als wir 2010 die Aufträge vergeben haben, war Canadian eines der ersten Unternehmen, das die Preise gesenkt hatte", sagt Petersen. Um rund sieben Prozent hätten die Kanadier mit ihren China-Modulen unter vergleichbaren Angeboten gelegen. An der Qualität gebe es kaum noch etwas zu mäkeln. Module made in China hätten sich längst zu Spitzenprodukten entwickelt.

Von der Not zu Tugend

Die Gründer von GP Joule haben es gar nicht so sehr mit den Superlativen rund um ihren Park. "Bald werden uns größere Parks überholen", sagt Petersen, der kürzlich mit seinem Kompagnon Gärtner den Bayerischen Gründerpreis erhalten hat. Beide studierten an der Fachhochschule Weihenstephan bei München Landwirtschaft und kehrten zur Jahrtausendwende auf die elterlichen Bauernhöfe zurück. Ein paar Jahre später besuchte Gärtner seinen Studienkumpel Petersen auf dessen Hof in Nordfriesland – just zu einer Zeit, als die Preise für Weizen und andere Agrarrohstoffe im Keller waren. Neue Einnahmequellen mussten her.

Und so entstehen die ersten Solaranlagen, erst auf Scheunendächern, dann auf Wiesen und Äckern. Später kommen Biogasanlagen hinzu. Die beiden Landwirte treten als Betreiber auf. Seit der Gründung von GP Joule 2008 übernehmen sie auch für Kunden die Planung, Konzeption und Umsetzung. Insgesamt beschäftigt das Unternehmen 50 Mitarbeiter, 30 davon in Reußenköge, auf Petersens Bauernhof. Dort hat er in ehemaligen Schweineställen und einer Maschinenhalle Büros gebaut.

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