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Energiewende Die Gewinner und Verlierer des Atomausstiegs

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Banken: Staatlicher Anker

Der Schriftzug mit Logo der Quelle: dapd

Ihr neuestes Energieprojekt hält die Commerzbank noch geheim. Sicher ist nur, dass es um die Finanzierung eines großen Offshore-Windparks geht. Dieser könnte ähnlich aussehen wie die Anlage in der Thornton Bank 30 Kilometer vor der Küste Belgiens. Dort errichtet der belgische Betreiber C-Power in den kommenden beiden Jahren für 1,3 Milliarden Euro 48 Windräder. Die Spargel in der Nordsee sollen 600 000 Personen mit Strom versorgen und 450 000 Tonnen CO2-Ausstoß vermeiden. Etwa 70 Prozent des Investitionsvolumens kommen von einem privaten Bankenkonsortium – darunter ist auch die Commerzbank – sowie von staatlichen Banken.

Die Finanzierung erneuerbarer Energien ist ein spannendes Wachstumsgeschäft für die Kreditbranche. Die Commerzbank startete damit schon 1986 – inzwischen hat sich das Geschäft zu einem globalen Markt entwickelt. Im Jahr 2010 vergaben die Frankfurter 900 Millionen Euro neue Kredite für alternative Energieprojekte und waren zum Jahresende mit insgesamt 3,1 Milliarden Euro engagiert. „Die politische Großwetterlage dürfte sich angesichts der in Deutschland vollzogenen Energiewende weiter in Richtung erneuerbare Energien verschieben“, sagt Jan-Philipp Gillmann, Leiter des Commerzbank-Bereichs Renewable Energies.

Club Deals

Doch das Geschäft ist gespalten. Erweisen sich Wind- und Solaranlagen an Land dank erprobter Technik und staatlich garantierter Einspeisevergütung als wahre Gelddruckmaschinen, sind Offshore-Windparks wie der vor Belgien riskante Pionierprojekte. Einen der Gründe nennt Commerzbanker Gillmann: Noch fehlen Erfahrungswerte über die Haltbarkeit der Fundamente 40 Meter unter Wasser und der Turbinen bei Sturm. Auch die Wartung bei schwerer See sei problematisch.

Die Betreiber sichern sich gegen solche Risiken ab, indem sie Zweckgesellschaften mit beschränkter Haftung gründen. Diese decken etwa zwei Drittel der Investitionssumme von üblicherweise rund einer Milliarde Euro über Kredite. Da einzelne Banken das nicht stemmen können, schließen sie sich zu sogenannten Club Deals zusammen. Allerdings fließt privates Geld meist nur dann, wenn staatliche Institute wie die Europäische Investitionsbank (EIB) oder die deutsche KfW mitmachen.

Das dürfte auch in naher Zukunft so bleiben. „Wir arbeiten unsere Großprojekte Schritt für Schritt ab, um aus Erfahrungen zu lernen, und gehen auch nach Fukushima ohne Eile vor“, sagt Commerzbanker Gillmann. „Wenn die Politik mehr Tempo will, müssen der Staat oder andere Investoren mehr Risiko übernehmen.“

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