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Energiewende Die Gewinner und Verlierer des Atomausstiegs

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Bosch: Grüner Gewinner

Franz fehrenbach Quelle: Deniz Saylan für WirtschaftsWoche

Kein deutscher Top-Manager hat sich nach der Atomkatastrophe in Japan so eindeutig gegen Kernenergie ausgesprochen wie Franz Fehrenbach. „Bestimmte Risiken dürfen wir einfach nicht mehr eingehen“, forderte der Bosch-Chef im „Handelsblatt“. Die Herausforderung bestehe jetzt darin, „Innovation und Wandel so zu gestalten, dass sie nachhaltige Entwicklungen ermöglichen“.

Der Mann hat gut reden. Selbst wenn bei einem vorzeitigen Atomausstieg die Stromrechnung von Bosch deutlich höher ausfallen würde als bisher, „trifft uns das auf der Kostenseite nur marginal“, sagt ein Insider: Gerade mal drei Prozent der Gesamtkosten entfallen auf Energie, bis 2020 soll dieser Block noch mal um ein Fünftel gesenkt werden. Höhere Stromkosten hierzulande wären auch kein Grund für eine Produktionsverlagerung ins Ausland. Ausschlaggebend für Standortentscheidungen sind andere Faktoren: „Produziert wird, wo das Know-how und die Nachfrage sind“, heißt es.

Intensive Forschung im Bereich Ressourcenschonung

Mit seinen Produkten ist Bosch ohnehin auf der Gewinnerseite. Kernkraftwerksbau oder -wartung gehörten noch nie zu den Geschäftsfeldern des Konzerns, umweltfreundliche oder schonende Produkte schon lange. „Ein großes Wachstumsfeld für die Zukunft ist der Schutz der Umwelt“, ließ Fehrenbach in den jüngsten Bosch-Geschäftsbericht schreiben. „Produkte, die zu mehr Energieeffizienz oder zu weniger Emissionen beitragen, werden in den kommenden Jahren bedeutende Wachstumstreiber sein.“

Quer durch die Sparten Kraftfahrzeugtechnik, Industrietechnik, Gebrauchsgüter und Gebäudetechnik entfällt schon heute ein Drittel des Gesamtumsatzes von gut 38 Milliarden Euro auf grüne Produkte und nachhaltige Technologien. Dazu gehören verbrauchssenkende Antriebskomponenten für Kraftfahrzeuge mit konventionellem und elektrischem Antrieb, aber auch Strom sparende Haushaltsgeräte, Wärmepumpen zur Senkung der Heizkosten sowie Komponenten für Windkrafträder oder schlüsselfertige Solarkraftwerke. Allein die 2009 produzierten Fotovoltaik- und Windkraft-Komponenten tragen dazu bei, den Strombedarf von zwei Millionen Haushalten zu decken.

Entsprechend konzentriert Bosch seine Kräfte: 33 000 der weltweit 275 000 Mitarbeiter forschen und entwickeln auf dem Feld Energieeffizienz und Ressourcenschonung. Knapp die Hälfte des Etats für Forschung und Entwicklung – 2009 gut 3,6 Milliarden Euro – entfiel auf diesen Bereich, fast jedes zweite der 3900 neuen Patente im Jahr 2009 ist grün. Um Autos leichter zu machen, entwickelten die Bosch-Tüftler zum Beispiel Kunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen wie der Rizinuspflanze. Gemeinsam mit BASF konstruiert Bosch neue Solarzellen, in denen ultradünne Folien statt Silizium stecken – das macht die Solarstromerzeugung wirtschaftlicher.

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