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Energiewende Die Gewinner und Verlierer des Atomausstiegs

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Maschinen und Anlagen: Jeder profitiert

Mitarbeiter des Pumpen- und Quelle: dpa

Eigentlich müssten beim Anlagenbauer Siempelkamp die Nerven blank liegen. Über 400 der rund 2600 Mitarbeiter des Unternehmens verdienen ihr Geld mit der Herstellung von Produkten wie dem bekannten Castor – einem Spezialbehälter für strahlendes Material – oder der weniger bekannten Carla, einer Anlage zur Verarbeitung von Abfällen aus Kernkraftwerken.

Doch von mieser Stimmung kann keine Rede sein – trotz der drohenden Abschaltung etlicher Atommeiler. „Wir sind auch im Rückbau von Kernkraftwerken tätig“, sagt Michael Szukala, Geschäftsführer des Bereichs Nukleartechnik. Rund 80 Mitarbeiter sind damit beschäftigt, Atomkraftwerke abzureißen oder den strahlenden Bauschutt sicher zu verpacken. Dieses Geschäft dürfte langfristig wachsen. Das Unternehmen profitiert zugleich vom Ausbau erneuerbarer Energien. Schon heute erwirtschaftet der Geschäftsbereich Gusstechnik ein Drittel des Umsatzes mit Aufträgen aus der Ökoenergie-Branche. Siempelkamp liefert etwa Rotornaben oder Achszapfen für Windanlagen. „Wir rechnen bei einer beschleunigten Abschaltung mit positiven Impulsen für unsere Gießerei aus dem Bereich der erneuerbaren Energien“, sagt Szukala. Auch die Nachfrage nach Biomasse-Kraftwerken von Siempelkamp könnte sich erhöhen.

Größeres Auftragsvolumen durch die neuen Stromerzeugungsanlagen

Optimismus herrscht trotz Atomausstiegsdiskussion fast überall im deutschen Maschinen- und Anlagenbau – auch bei KSB. Noch geht zwar etwa jede 20. Anlage des Pumpen- und Armaturenherstellers aus Frankenthal mit über 14 000 Mitarbeitern an Kernkraftbetreiber. Vorstandssprecher Wolfgang Schmitt sieht dennoch nicht schwarz: „Eine Neuausrichtung der Energieversorgung ist für die KSB nicht zwangsläufig ein Nachteil.“ Wenn weniger kerntechnische Anlagen gebaut würden, müsste die Lücke mit fossilen und mittelfristig auch mit erneuerbaren Energien geschlossen werden. „Für alle diese Systeme haben wir geeignete Produkte.“

Die Maschinen- und Anlagenbauer setzen schon seit Jahren auf die neuen Energien. Die jüngste Entwicklung registriert die Industrie darum mit Erleichterung. „Eine beschleunigte Abschaltung erfordert den Neubau von Stromerzeugungsanlagen, davon profitieren selbstverständlich auch die Anlagenbauer“, sagt Thorsten Herdan, als Geschäftsführer beim VDMA für Energie zuständig. Längere Laufzeiten hätten das Auftragsvolumen für die Instandhaltung der AKWs nur gestreckt, aber nicht vergrößert. „Der Umbau der Energieversorgung bietet dem deutschen Maschinen- und Anlagenbau dagegen hervorragende Perspektiven“, sagt Herdan.

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