WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Energiewende Die Gewinner und Verlierer des Atomausstiegs

Seite 6/9

Chemie: Schatten und Licht

Rudolf Staudigl, Quelle: dpa

Einerseits, andererseits – das Hin und Her ist typisch für die Meinungen in der Chemieindustrie über die Folgen eines beschleunigten Atomausstiegs. So wird weniger Atomstrom die Energierechnung der Unternehmen erhöhen. Gleichzeitig werden viele von ihnen vom zügigeren Ausbau der erneuerbaren Energien profitieren. Die Bemühungen der Bundesregierung, die Versorgung schneller auf erneuerbare Energien umzustellen, wirken für manche Chemieunternehmen wie ein kleines Konjunkturprogramm: „Chemie wird auch für Fotovoltaikanlagen und Windräder benötigt“, sagt Wolfgang Falter, Chemieexperte und Partner bei der Unternehmensberatung Alix Partners. „Selbst wenn die Energiepreise infolge des Ausstiegs steigen, erwarte ich insgesamt positive Effekte für die Chemieindustrie.“

Kaum eine Branche verbraucht so viel Energie wie die Chemieindustrie: Insgesamt 185 Millionen Megawattstunden, acht Prozent des gesamten Energiebedarfs in Deutschland, verursachen Bayer, BASF und Co. Im Schnitt machen die Stromkosten fünf Prozent der Produktionskosten aus. Bei einzelnen Prozessen, etwa der Herstellung von Chlor, steigt der Anteil sogar auf bis zu 50 Prozent.

Keine Sorgen

Das hat Folgen für die Unternehmen: „Im Gegensatz zu vielen anderen europäischen Ländern, etwa den Beneluxstaaten, sind die Energiepreise in Deutschland sehr hoch, die Wettbewerbsfähigkeit leidet“, sagt Berater Falter. Wegen der hohen Kosten investieren denn auch viele Hersteller lieber im Ausland. Da künftig mehr Geld in Kraftwerke und Infrastruktur für erneuerbare Energien investiert werden muss, dürften die Energiepreise weiter steigen. Damit steigt die Gefahr, dass sich die Investitionen der Chemieunternehmen im Ausland künftig noch weiter verstärken.

Einige Hersteller profitieren jedoch vom Boom der erneuerbaren Energien. So produziert das Münchner Chemieunternehmen Wacker zum Beispiel Silizium für Solarzellen. Erst kürzlich hat Wacker-Chef Rudolf Staudigl angekündigt, weitere 130 Millionen Euro in die Siliziumproduktion in Deutschland zu stecken. Gleichzeitig baut er in den USA, wo die Energiepreise deutlich niedriger liegen, für 1,1 Milliarden Euro ein neues Werk auf. Über die Nachfrage muss sich Staudigl derzeit keine Sorgen machen. Die Probleme der japanischen Wettbewerber Shin-Etsu und Sumco, die unter den Folgen von Erdbeben und Tsunami leiden, dürften die Geschäftsaussichten sogar noch verbessern: Die Wacker-Aktie hat denn auch in den vergangenen Tagen kräftig zugelegt.

Je höher die Energiepreise, umso mehr steigt auch der Anreiz, Energie einzusparen. Davon profitiert etwa auch die BASF. Die Ludwigshafener, die einst das Styropor erfunden haben, sind einer der weltweit führenden Hersteller von Dämmstoffen.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Diesen Artikel teilen:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Benachrichtigung aktivieren
Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Themen der WirtschaftsWoche informieren? Sie erhalten 1 bis 3 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft
Erlauben Sie www.wiwo.de, Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert
Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Themen der WirtschaftsWoche auf dem Laufenden. Sie erhalten 1 bis 3 Meldungen pro Tag.
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%