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Energiewende Die Gewinner und Verlierer des Atomausstiegs

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Siemens: Atomleichen im Keller

Das Modell einer Quelle: dpa

Eigentlich könnte Siemens-Chef Peter Löscher die Diskussion um den Atomausstieg ganz entspannt verfolgen. Sein Kernenergiegeschäft hat der Konzern schon im Jahr 2000 in ein 34-Prozent-Joint-Venture mit dem französischen Atomanlagenbauer Areva eingebracht. Das Geschäft rund um grüne Technologien läuft auf Hochtouren: Ob Gasturbinen, Solar-Kraftwerke oder Offshore-Windparks – in allen Zukunftsfeldern rangiert Siemens durch Löschers Vorpreschen auf vorderen Plätzen im Weltmarkt.

Eigentlich – denn die Münchner haben noch zwei Atomleichen im Keller. Die eine ist ein Joint Venture mit dem französischen AKW-Bauer Areva, aus dem sich Löscher gerade mühselig herauswindet. Die andere liegt im fernen Russland.

Vor einem Jahr unterschrieb Löscher nämlich eine Absichtserklärung mit dem russischen Konzern Atomstroiexport, um ein Gemeinschaftsunternehmen zum Bau schlüsselfertiger Kernkraftwerke zu gründen. Für Siemens schien Rosatom, die Muttergesellschaft von Atomstroiexport, der perfekte Partner: Der Staatskonzern hat Verträge für 33 Kernreaktoren in der Schublade, die die Kapazitäten bis 2020 auslasten, weitere 16 Anlagen sind bis 2030 in Indien geplant.

Siemens als technologischer Partner

Die Russen würden bei dem Deal die nukleare Schwer- und Drecksarbeit übernehmen: den Bau der Reaktoren, Lieferung und Entsorgung der Brennstäbe sowie deren Wiederaufarbeitung und Entsorgung. Siemens soll Leittechnik, Sicherheitssysteme und Turbinen beisteuern – Technik, die Löscher gern als grün verkauft. Nach Fukushima hat sich die Lage aber grundlegend verändert – eine Rückkehr ins Atomgeschäft würde kaum zum Greentec-Image von Siemens passen.

So lukrativ die Geschäfte mit den Russen auch werden könnten – in München wird derzeit über einen Ausstieg aus dem Atomdeal nachgedacht. „Wir diskutieren derzeit alle Optionen“, sagt ein Top-Manager, der ungenannt bleiben will. Noch ist nicht entschieden, ob die Atompläne mit den Russen ganz eingestampft oder wie geplant durchgezogen werden. Als Kompromisslösung gilt der Verzicht auf das geplante Joint Venture, an dem beide Unternehmen 50 Prozent halten sollten. Siemens wäre dann so etwas wie der „technologische Partner“, heißt es intern, eine Art Zulieferer mit Vorzugsrechten.

Auf politische Rückendeckung für das Gemeinschaftsunternehmen kann Siemens laut Unternehmenskreisen nicht rechnen, obwohl das für den Konzern wichtig wäre, um die Investitionen abzusichern. Auch die russischen Partner hätten ein Interesse an der Unterstützung aus Berlin – sie wollen mit dem Label „made in Germany“ Kunden akquirieren. Noch hoffen die Verantwortlichen bei Rosatom: „Wir gehen weiterhin davon aus, dass Siemens die Absichtserklärung voll und ganz umsetzt.“ Wenn die Katastrophe in Japan bewältigt sei, so das Kalkül, würden sich die Gemüter schon beruhigen.

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