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Energiewende Die Gewinner und Verlierer des Atomausstiegs

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Autoindustrie: Gefahr für Zulieferer

Der Vorstandsvorsitzende der Quelle: dpa

Bis vor wenigen Tagen hatte niemand in den Vorstandsetagen von VW, Daimler und BMW höhere Strompreise durch einen schnellen Atomausstieg auf der Agenda. Jetzt ist die Branche alarmiert: Angesichts der schweren Havarie im japanischen Kernkraftwerk Fukushima sei es zwar „verständlich, dass die Bundesregierung ihre bisherige Energiepolitik überdenkt“, sagt Matthias Wissmann, Chef des Verbands der Automobilindustrie (VDA). Zu höheren Energiepreisen dürfe der neue Kurs aber nicht führen: „Die Strom- und Gaspreise in Deutschland gehören mit zu den höchsten in Europa.“ Das verzerre den internationalen Wettbewerb schon heute.

Nachhaltig geschadet hat das der deutschen Autoindustrie bisher nicht – die hohen Strompreise konnten durch energieeffiziente Produktionsverfahren ausgeglichen werden. Das werde auch so bleiben, glaubt Auto-Professor Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen, zumal eine Energiekostenerhöhung überschaubare Auswirkungen hätte: Eine Strompreisverteuerung um zehn Prozent würde die Produktionskosten um durchschnittlich 190 Euro pro Auto steigern, hat Dudenhöffer ausgerechnet. Auf den Verbraucher abwälzen ließen sich die höheren Kosten zwar kaum, doch auch die Margen der Autobauer müssten nicht unbedingt leiden: „Höhere Strompreise würden die Hersteller zwingen, die Effizienz zu steigern“, argumentiert Dudenhöffer, „das könnte die Preiserhöhungen deutlich überkompensieren – die Abschaltung von Atomkraftwerken könnte also sogar Vorteile für die Autobauer haben.“

Gefahr für Zulieferer

Die Reaktion der Betroffenen geht in die gleiche Richtung – die Hersteller halten sich in der Atomdebatte bedeckt. „Grundsätzlich sind wir für eine ausgeglichene und stabile Energie-Politik, auf Bundes- sowie auch auf Länderebene“, heißt es vorsichtig bei Daimler. Entwarnung kommt aus Wolfsburg: „Volkswagen sieht keine Probleme wegen der beschlossenen Abschaltung der AKWs in Deutschland.“

Etwas anders schätzt Dudenhöffer die Lage für die Zulieferindustrie ein, die je nach Produktpalette extrem viel Strom verbrauche: „Es gibt Zulieferer, bei denen die Stromkosten ein Drittel der Gesamtkosten ausmachen.“ Bei solchen Unternehmen könnte der Druck zur Standortverlagerung ins Ausland zunehmen. Für die Stromfresser unter den Zulieferern ist das Problem aber nicht neu. Bei SGL Carbon aus Wiesbaden etwa, die mit BMW eine Karbonfaserfabrik baut, ist die Entscheidung, die Produktion in den USA anzusiedeln, schon vor der Wiederaufnahme der Atomausstiegsdebatte gefallen.

Stören könnte teurer Strom aber beim Absatz künftiger Elektroautos. Umweltschonend sind die nur, wenn sie mit Ökostrom fahren. Verteuert sich grüner Strom durch den schnellen Atomausstieg, wäre auch der Betrieb der Elektroautos kostspieliger – und sparsame Diesel- oder Benzinautos womöglich attraktiver.

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