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Engelmanns Eigenhandel

Zinswende in den USA?

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Vielleicht verspüren Ben Bernanke und die anderen Verantwortlichen im Direktorium der Fed aber auch einen gewissen Druck von Seiten ihrer europäischen Kollegen. Jean Claude Trichet, der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), hatte vor kurzem - für einen Notenbanker wenig kryptisch - eine erste Anhebung des Leitzinses in der Euro-Zone in Aussicht gestellt. Am Markt rechnet man fest damit, dass diese Leitzinserhöhung schon in dieser Woche über die Bühne gehen wird. Dabei steht die EZB vor einer ungemein schwierigeren Herausforderung als ihre amerikanische Schwester. Während für einige Länder der Euro-Zone, so zum Beispiel Deutschland, eine Zinsanhebung auf Grund des robusten Wirtschaftswachstum längst überfällig ist, dürfte sie in anderen Ländern der Währungsunion für eine Verschärfung der dort ohnehin schwierigen wirtschaftlichen Lage sorgen.

Die Analyse der Folgen einer Zinserhöhung auf die Euro-Zone ist komplex und würde ganze Seiten füllen. Daher sei an dieser Stelle nur ein Aspekt herausgehoben: In vielen Ländern der Euro-Zone sind variabel verzinste Kredite an Privathaushalte, insbesondere zur Finanzierung von Wohneigentum, die Regel. Zu diesen Ländern zählen unter anderem Spanien, Irland und Finnland. Eine Erhöhung des Leitzinses durch die EZB schlägt hier sofort auf die Kredite durch - anders als beispielsweise in Deutschland, wo die langfristige, feste Zinsbindung den Normalfall in der Ausgestaltung von Krediten darstellt. Ein Balanceakt für die EZB, die zwar offiziell nur der Geldwertstabilität verpflichtet ist, nichtsdestotrotz aber einen Spagat besonderer Art vollführen muss. Es bleibt also abzuwarten, welche Folgen die Wende in der Geldpolitik haben wird.   

Staatsanleihen verlieren weiter an Wert

Eines ist allerdings schon jetzt klar: Die Zinsen am Kapitalmarkt steigen. Dabei haben die bislang unterschiedlichen Erwartungen bezüglich der weiteren Geldpolitik der Fed einerseits und der EZB andererseits zu einer merklichen Einengung der Renditeabstände zwischen amerikanischen und deutschen Staatsanleihen geführt.

Rentieren zehnjährige U.S. Treasuries noch Anfang Februar dieses Jahres circa 50 Basispunkte oberhalb ihrer deutschen Pendants, so schrumpfte dieser Renditeabstand zwischenzeitlich bis auf fünf Basispunkte zusammen. Seit die Erwartung einer Leitzinserhöhung durch die EZB im Markt fest verankert ist, verloren Bundesanleihen also relativ stärker an Wert als amerikanische Staatsanleihen. Blickt man auf die Entwicklung des Wechselkurses zwischen Dollar und Euro, so steht zu vermuten, dass die jüngsten Äußerungen der Fed-Präsidenten von Mineapolis, Richmond und Philadelphia von einer Vielzahl von Marktteilnehmern (noch) als reine Lippenbekenntnisse aufgefasst werden. Insofern könnten U.S.-Staatsanleihen im Vergleich zu europäischen weiter relativ besser abschneiden. Dass beide insgesamt weiter absolut an Wert verlieren werden, scheint indes breiter Marktkonsens zu sein. Citigroups Volkswirte rechnen damit, dass sowohl zehnjährige Treasuries als auch Bundesanleihen mit gleicher Restlaufzeit im kommenden Jahr über 4 Prozent rentieren werden.  

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    Hinweis: Herr Engelmann ist Mitarbeiter der Citigroup in Deutschland. Der von ihm verfasste Text gibt allein seine persönliche Meinung wieder und ist keine Analyse, Beratung oder Empfehlung der Citigroup.  

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