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Erdbeben in Japan Deutsche Unternehmen kommen glimpflich davon

Deutsche Großunternehmen haben in Japan Werke mit tausenden Mitarbeitern. Nach bisherigen Erkenntnissen ist die Erdbeben-Katastrophe für Daimler, Siemens und Co. glimpflich verlaufen. Manche können sogar völlig normal weiterproduzieren.

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Ein Lastwagen der Quelle: dpa/dpaweb

Die Niederlassungen deutscher Unternehmen haben nach bisherigen Erkenntnissen das Erdbeben und den Tsunami in Japan vergleichsweise glimpflich überstanden. Bislang hat keines der betroffenen Unternehmen Toten haben sie keine Toten oder Verletzten zu beklagen. Aus Sicherheitsgründen haben viele Großunternehmen aber ihre ausländischen Mitarbeiter ausgeflogen.

Der vergleichsweise milde Ausgang für die deutschen Unternehmen liegt zum Teil auch an der relativ geringen Präsenz deutscher Firmen in Japan. Der Anteil deutscher Auslandsinvestitionen in Japan ist laut Angaben des Bundes der deutschen Industrie (BDI) eher gering. Anfang 2009 stammten 3,6 Prozent aller Auslandsinvestitionen in Japan aus Deutschland. Insgesamt haben deutsche Unternehmen 8,9 Milliarden Euro in Japan investiert. Laut Angaben des BDI gibt es gut 400 Niederlassungen und Joint-Ventures deutscher Unternehmen in Japan. Insgesamt haben die Niederlassungen und Joint-Ventures der Deutschen 76.000 Beschäftigte.

Im Folgenden ein Überblick über die Auswirkungen für einzelne Unternehmen:

Daimler

Insgesamt 12.800 Mitarbeiter beschäftigt der Autobauer Daimler in Japan. Daimlers insgesamt acht Werke liegen in der Region rund um Tokio. Laut aktuellem Kenntnisstand ist keiner der Daimler-Mitarbeiter zu Schaden gekommen. "Die Gebäudeschäden halten sich absolut in Grenzen", sagte Daimler-Pressesprecher Florian Martens gegenüber wiwo.de. Auch die Produktionsanlagen seien relativ glimpflich davongekommen.

Dennoch hat Daimler heute bekanntgegeben, dass die Produktion in den acht Werken seiner Nutzfahrzeugtochter Mitsubishi Fuso ruht. Produktion und Verwaltung bleiben diese Woche geschlossen. Es seien aber noch jede Menge Leute vor Ort, die Vorbereitungen treffen, um die Produktion wieder hochzufahren, so Martens gegenüber wiwo.de.

Die genauen Ausfallssummen, die Daimler durch den Stillstand der Produktion entstehen, lassen sich noch nicht beziffern. "In Summe hat das Land jede Menge Herausforderungen", sagte Martens zu wiwo.de. Den rund 60 ausländischen Mitarbeitern in Japan und ihren Angehörigen und Familien hat Daimler freigestellt, das Land zu verlassen. Ein Großteil von ihnen ist laut Martens auf der Heimreise.

BMW

BMW beschäftigt in Japan insgesamt rund 700 Menschen. Neben einer Vertriebsorganisation in Tokio betreibt der Autobauer unter anderem auch ein Entwicklungsbüro in der Hauptstadt. BMW hat seine 50 deutschen Mitarbeiter aus Japan nach Hause geholt. Seinen japanischen Mitarbeitern habe der Konzern angeboten, sie bei der Suche nach sicheren Unterkünften im Süden des Inselstaats zu unterstützen.

Über die wirtschaftlichen Folgen lasse sich angesichts der unübersichtlichen Lage derzeit aber noch nichts sagen, sagte der Sprecher. Das Unternehmen hat in Japan im vergangenen Jahr rund 44 000 Autos der Marken BMW und Mini verkauft. Das sind rund 3 Prozent des weltweiten Gesamtabsatzes von 1,46 Millionen Autos. Das Land gehört damit zu den kleineren Märkten.

Bayer

Für den Chemie- und Pharmariesen Bayer sind in Japan insgesamt 3.660 Menschen tätig, darunter auch einige aus Deutschland.

"Generell hat Sicherheit der Mitarbeiter jetzt höchste Priorität", sagte Bayer-Pressesprecher Christian Hartel zu wiwo.de. Mittlerweile sei es gelungen, mit fast allen Kontakt aufzunehmen. Es gebe bisher keine Erkenntnisse, dass Mitarbeiter verletzt seien. Zwar verzeichne Bayer einige Gebäudeschäden, diese sind laut Hartel aber noch nicht bezifferbar.

Laut Angaben des Unternehmens liegen die vier Bayer-Produktionsstandorte ein ganzes Stück außerhalb der Krisenzone, in der Gegend um Osaka und dem Südwesten. Produktionsausfälle gibt es laut Hartel keine "Die Standorte sind ja ein ganzes Stück weit weg vom Epizentrum. Die Produktion läuft normal", sagte Hartel gegenüber wiwo.de.

Bosch

Knapp 8000 Mitarbeiter arbeiten in Japan für den deutschen Bosch-Konzern, davon 130 Deutsche. Der Großteil der Standorte liegt im Großraum Tokio, aber nicht in der Nähe des Atomkraftwerks Fukushima. Bisher hat es laut Unternehmensangaben keine Verletzten gegeben, die Schäden an den Gebäuden sind "überschaubar". Aus Sicherheitsgründen gibt es für Bosch-Mitarbeiter bis zum 15. März einen Reisestopp nach Japan. Es steht Mitarbeitern vor Ort aber frei, wenn sie ausreisen wollen.

Siemens

Der Elektrotechnik-Riese beschäftigt in Japan rund 2500 Mitarbeiter, knapp 100 davon sind Ausländer. Die Siemens-Produktionsstätten sind über ganz Japan verteilt, liegen allerdings nicht im Umkreis des Atommeilers Fukushima. Alle Mitarbeiter sind wohlauf. Sie können laut Unternehmensangaben das Land verlassen, wenn sie wollen – Pläne für den Abzug des Personals aus Japan gibt es allerdings nicht.

BASF

Der Chemiekonzern beschäftigt 1740 Mitarbeiter an 27 Produktions- und 8 Forschungsstandorten in Japan. Nach ersten Erkenntnissen sind bisher keine Mitarbeiter zu Schaden gekommen. An einem Standort habe es einen Stromausfall gegeben, die Anlagen seien heruntergefahren worden, verlautete das Unternehmen. Größere Schäden habe es an den Standorten bislang nicht gegeben.

Metro

Der Handelskonzern beschäftigt 1000 Mitarbeiter in Japan und betreibt neun SB-Großmärkte im Großraum Tokio. Am Freitag schloss der Konzern alle neun Märkte. An den Gebäuden kam es zu leichten Beschädigungen und teilweisen Zerstörungen. Seit Samstag haben die neun SB-Großmärkte aber wieder geöffnet. In den Metro-Großmärkten gibt es inzwischen vermehrt Hamsterkäufe. "Die Leute bevorraten sich vor allem mit Wasser und Reis, aber auch mit Konserven", sagt ein Sprecher in Düsseldorf. Alles laufe aber relativ ruhig ab. "Bis jetzt haben wir noch keine Lieferengpässe." sagte der Sprecher.

Volkswagen

Volkswagen beschäftigt in Japan rund 600 Mitarbeiter. Laut Auskunft der VW-Pressestelle sind alle Mitarbeiter in Japan unversehrt. An den Gebäuden entstand kein Schaden. Mitarbeiter, die sich vor Ort jetzt um dringende familiäre Situationen kümmern müssen, können von der Geschäftsführung freigestellt werden. Die rund 600 Mitarbeiter von Volkswagen in Japan sind in Tokio (Technik), Toyohashi (Vertrieb) und Hamamatsu (Büro mit Suzuki) beschäftigt. Reisen nach Japan sind bis auf weiteres abgesagt. Mitarbeiter, die von Japan ausreisen möchten, können nach eigener Entscheidung von dieser Möglichkeit Gebrauch machen. Hierfür wird ein Flug organisiert.Aktuell gibt es noch keine Auswirkungen auf die Produktion bei Volkswagen. 

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