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Erdöl Ölmultis in der Krise

Die Multis schrauben zurück: weniger Gewinne, weniger Personal, weniger Selbstherrlichkeit. Die paradiesischen Zeiten von Exxon, Shell, BP und Co. gehen zu Ende. Es wird immer teurer, Öl zu fördern. Mächtige Staatskonzerne machen den erfolgsverwöhnten Giganten das Leben schwerer.

An undated handout picture Quelle: dpa

Da stand er nun auf dem Podium in der Konzernzentrale am feinen Londoner St. James’s Square und präsentierte sich schüchtern lächelnd dem Blitzlichtgewitter: blaue Augen, rötlich braunes Naturburschengesicht, dunkle Locken.

Der schlanke 52-Jährige ist keiner, der sonderlich auffällt. Er trägt Anzüge von der Stange, nicht vom Herrenschneider, verzichtet, wenn er kann, auf die Krawatte, spricht leise, mit leicht nordenglischem Akzent. Nach so einem würde sich niemand auf der Straße umdrehen.

Trotzdem ist Tony Hayward einer der mächtigsten Männer der Welt – mit ebenso mächtigen Problemen. Seit drei Jahren leitet der promovierte Geologe den britischen Mineralölkonzern BP.

Im ersten Jahr seiner Amtszeit steigerte er den Gewinn noch von 17,3 auf gigantische 25,6 Milliarden Dollar. Anfang Februar musste Hayward ruckartig zurückschalten. Um 35 Prozent auf 16,57 Milliarden Dollar war der Gewinn abgestürzt.

Damit stand der BP-Chef nicht allein. Amerikas Dickschiff ExxonMobil musste den Gewinn mehr als halbieren, von 45,2 Milliarden Dollar auf 19,3 Milliarden – minus 57 Prozent. Shell, der größte Ölkonzern Europas, büßte gar 70 Prozent seines Profits ein.

Gnadenloser Kampf um Öl

Für die westlichen Ölmultis brechen neue Zeiten an. Auch wenn sie alles andere als klamm ins neue Jahrzehnt starteten, müssen sie wohl für immer von ihrem bisherigen Leben im Überfluss Abschied nehmen. „BP muss effizienter werden“, sagt Konzernchef Hayward. Sein Shell-Kollege Peter Voser stöhnt: „Man muss schon viel investieren, um auf der Stelle zu bleiben.“

Auch wenn die Ölriesen noch immer in Milliarden schwimmen – Big Oil steht vor dem Problem, künftig nicht mehr nur Milliardengewinne einstreichen zu können, sondern dafür auch immer höhere Summen investieren zu müssen. Angezapfte Felder lassen sich nur weiter ausbeuten, wenn teurere Technik zum Einsatz kommt. Neue Megaprojekte unter dem Eis und unter der Tiefsee gibt es nur noch, wenn hochriskante Investitionen getätigt werden. Und brachliegende, an Sand und Stein gebundene Öl- und Teervorkommen lohnen sich nur zu bergen, wenn die Preise auf Dauer viel höher sind als heute.

Damit nicht genug, wird der Kampf ums Öl gnadenlos. Lange Zeit lahme Staatskonzerne schnappen den privaten Riesen zusehends neue Förderrechte weg. „Sie alle wissen, dass ihre Firmen in zehn Jahren geopolitisch nicht mehr viel zu melden haben“, sagt der kanadische Ölanalyst Jeff Rubin. „Dann haben die Staatsfirmen auf dem Ölmarkt das Sagen.“

Gesichtsverlust in Venezuela

Wohin der Trend geht, wird schon jetzt an vielen Stellen überdeutlich. 80 Prozent der Ölvorkommen, die heute ausgebeutet werden, ruhen inzwischen in der Hand staatlicher Unternehmen. Vor 30 Jahren waren es erst rund 60 Prozent. Der Ton zwischen den börsennotierten Energiekonzernen und ölreichen Förderländern verschärft sich. Besonders rigoros geht Venezuelas sozialistischer Präsident Hugo Chavez ans Werk, dessen Land über die größten Ölreserven auf dem amerikanischen Kontinent verfügt. Wer sich seinen Wünschen nicht fügt, ist draußen und sein Investment los. In die Liste der Enteigneten reiht sich der Ölriese ExxonMobil ein.

Auch Russland macht seine Besitzansprüche immer rigoroser klar. Shell und BP wurden aus einem der größten Förderprojekte hinausgedrängt. Auf der Halbinsel Sachalin hatte Shell zu Beginn der Neunziger- jahre noch relativ preiswert auf dem Feld Sachalin II Öl und Gas gefördert. Vor vier Jahren wurde der britisch-holländische Konzern aber von der russischen Regierung gezwungen, seine Mehrheit an Gazprom abzugeben – wegen angeblicher Umweltschäden in Höhe von 30 Milliarden Dollar. Shell zuckte zurück. Heute hält der Konzern nur noch 27 Prozent an dem Projekt.

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