WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Erfolg in den USA Deutsches Amerika

In Deutschland ist Feiertag, die US-Dependancen arbeiten. Ein ehemaliger „Time“-Korrespondent ist auf die Suche gegangen, was deutsche Firmen in den USA erfolgreich macht. Und hat überraschende Einsichten mitgebracht.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Der Chemiekonzern Wacker setzt in Chattanooga, Tennessee, auf deutsche Methoden bei der Lehrlingsausbildung. Quelle: Polaris / laif für Handelsblatt

Chattanooga Ich stehe auf einer ehemaligen Kuhweide und betrachte eine Erscheinung aus dem Raumfahrtzeitalter in der Wildnis von Tennessee. Wie deplatzierte Raketensilos erheben sich vor mir fünf riesige, über 60 Meter hohe Destillationstürme. Diese überraschenden Sprosse in einer einstigen amerikanischen Farmergemeinde sind aber nicht zur Herstellung von Spirituosen, sondern von reinstem Qualitäts-Polysilikon gedacht, dem Ausgangsmaterial für Solarwafer.

Zwei Milliarden Dollar hat Wacker Polysilicon North America hier investiert, um unter anderem diese Türme zu bauen. So will das Unternehmen seinen Anteil am Boom der Solarenergie in den USA - die Branche wächst derzeit um zehn Prozent jährlich - ausbauen. Es ist die größte Einzelinvestition in der Geschichte von Wacker Chemie.

Ich bin gekommen, um nach der Zukunft deutscher Investitionen in den Vereinigten Staaten zu suchen, und hier habe ich einen Teil davon gefunden. Wacker Polysilicons Präsenz im ländlichen Tennessee sagt viel über die deutsche Expansion in die US-Wirtschaft: eine aggressive Welle, die mit dem Globalisierungstrend in den 1990ern begann und nun langsam die amerikanische Sicht von moderner Fertigung und Ausbildungsprogrammen beeinflusst.

„Die Geschichte fängt gerade erst an“, sagt Konrad Bachhuber, Wackers stellvertretender Geschäftsführer in Nordamerika. "Diese Branche kommt in den Vereinigten Staaten gerade in Schwung. Unser Ziel ist es, eine starke Position zu halten, indem wir unsere Produktion steigern. Tennessee ist für uns ein Meilenstein."

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Bachhuber ist ein Chemieingenieur, hat einen Doktortitel der Universität Regensburg und arbeitet nun in einem Plantagenhaus aus dem Jahr 1856. Roter Ziegelstein, Kamin - eine Szene wie aus dem Historienfilm "Vom Winde verweht". Er ist eine neue Art von Südstaaten-Gentleman, der eine andere Form von Arbeit in diese einst wirtschaftlich notleidende, ländliche Ecke des Alten Südens bringt.

    Diese Entwicklung erstaunt einen aus der Region wie mich. Die Gegend um die Stadt Chattanooga, wo Wacker eine in das örtliche kommunale College integrierte Ausbildungseinrichtung besitzt, ist traditionell für alles bekannt - nur nicht für High Tech. Während meiner Kindheit im nahen Georgia und in North Carolina hatte Chattanooga als Schauplatz von Schlachten im Bürgerkrieg und als wichtiger Eisenbahnknotenpunkt einen Namen. Es war eine sterbende Stadt der Schwerindustrie, die einst als dreckigste Amerikas galt. Heute wandelt sie sich in den neuesten Siedlungspunkt des deutschen Wirtschaftslebens.

    Oben auf dem Lookout Mountain, dem idealen militärischen Aussichtspunkt, der eine enge Biegung des Tennessee River überragt, stehe ich neben den alten Kanonen aus dem Bürgerkrieg und sehe Chattanoogas ganze Geschichte unten ausgebreitet. Aber nur wenige Meilen die Interstate-Autobahn 75 hinauf finde ich die Zukunft.


    Mit eigenem Ausbildungszentrum in Tennessee

    Neben Wacker ist die Volkswagen AG die große treibende Kraft in Chattanooga. Die Wolfsburger wollen bis Ende des Jahrzehnts den Weltmarkt beherrschen. Seitdem ist der US-Markt für sie wieder interessant, aus dem sich VW eigentlich in den frühen 1990ern zurückgezogen hatte. Auch wenn VWs bisheriger Marktanteil in den Staaten nur bei zwei bis drei Prozent liegt: die 2011 eröffnete Montagefabrik am Rande von Chattanooga am "Ferdinand Porsche Drive" zeigt, wie ambitioniert die Deutschen in den Staaten sind. Die weitläufige neue Fabrik - ein Produktionszentrum eines Passat Sedan, für die US-Käufer mit größerer Beinfreiheit und mehr Getränkehaltern ausgestattet - fertigt bis zu 150 000 Wagen pro Jahr. Künftig könnte die Produktion auf 250 000 jährlich wachsen.

    Was mich erstaunt: Einen Großteil des Riesengeländes von VW, das 485 Hektar Land bedeckt, belegt eine neue Ausbildungseinrichtung, die "Volkswagen Academy". Dort - ebenso wie in einem ganz ähnlichen, benachbarten Institut von Wacker - findet man den neuesten Import aus Deutschland: das deutsche Ausbildungsmodell. Es ist eine Variante des dualen Bildungssystems aus Deutschland und diese verändert nun langsam die amerikanische Vorstellung davon, wie Arbeiter auf die Reindustrialisierung vorbereitet werden sollen.

    Das ist nicht nur wichtig für die deutschen Unternehmen, die für ihr Wachstum in den USA dringend die berühmten deutschen Fachkräfte brauchen. Das ist auch wichtig für die USA: Präsident Barack Obama will das Land nach den Erfahrungen mit der wankelmütigen Finanzindustrie reindustrialisieren - und setzt dabei auf qualifizierte Arbeiter.

    Obama äußerte seine Bewunderung für Bildung nach deutscher Art nicht nur ein-, sondern gleich zweimal bei seiner Rede zur Lage der Nation 2012. Auch wenn er nichts über Deutschland direkt sagte, erwähnte er doch zweimal die Ausbildungspartnerschaft der Siemens AG mit einem kommunalen College in North Carolina als Modell, um entlassene amerikanische Arbeiter in hochqualifizierte Techniker für das neue Industriezeitalter zu verwandeln.

    In Chattanooga muss niemand den Leuten erzählen, dass sie in ein Magnetfeld des deutschen Einflusses geraten. Menschen, die kein einziges Wort einer Fremdsprache kennen, haben gelernt, "Wacker" deutsch auszusprechen. In Chattanooga steht Deutsch für Jobs, für Ausbildung und für Präzision.

    "Deutsche sind sehr streng, was Schülerleistungen angeht", sagt George Graham, Leiter des Ausbildungsprogramms am Wacker Institute, einem Teil des Chattanooga State Community College. Nach einem Besuch des Berufsbildungswerks von Wacker in Burghausen stellte er fest: "Der große Unterschied zwischen einem akademischen Bildungsprogramm amerikanischer Art und dem deutschen Lehrlingsmodell ist der Erwerb praktischer Fähigkeiten."

    Zum Beweis führt mich Graham durch das Sicherheitslabor, eines der Elemente des neuen Programms am Institut (mit 3,5 Millionen Dollar von Wacker und 11 Millionen vom Staat Tennessee finanziert). Das Labor ist nicht wie typische amerikanische Schulungsräume nur mit Stühlen, Whiteboards und Videobildschirmen ausgestattet, sondern auch mit einem Satz Kugelventilen, Absperrschildern und weiteren Vorrichtungen zur Kontrolle von Druckgas und anderen entzündlichen Stoffen, die für das Erlernen von Sicherheitsverfahren nötig sind. "Amerikanische Labors haben so etwas normalerweise nicht", sagt Graham.

    In angrenzenden Labors lernen Berufsschüler Analytik, Instrumentierung, Prozesssteuerung, und wie man Chemikant wird. Die Schüler betreiben Miniatur-Destillationstürme, die Ethanol von Wasser trennen. "Das hier ist das beste Lehrsystem, das ich in 45 Jahren in der Branche gesehen habe", sagt Philip Cioni, einer der Dozenten.

    Wenige Meilen den Highway hinauf bringt in der Volkswagen Academy Ausbildungsleiter Ilker Subasi seinen Azubis bei, "mit den Robotern zu sprechen", wie er es nennt. Als Enkel nach Deutschland immigrierter Türken und Inhaber eines Ingenieurdiploms der Technischen Hochschule Hannover wurde Subasi, 30, von VWs Fabrik in Hannover nach Chattanooga zur Leitung des dortigen Ausbildungsprogramms entsandt. Subasis zehn Mitarbeiter - darunter Dozenten des Chattanooga State Community College - beaufsichtigen ein Dutzend Azubis, die in zwei Programme eingeteilt sind: Automationsmechatronik (für die Fabrik) und Kfz-Mechatronik (für das Produkt).


    US-Abschlüsse, die auch in Deutschland anerkannt werden

    Während des Programms wechseln die Azubis zwischen Unterricht im Klassenraum und Zeit in der Fabrik, wo sie beim Bau von Passat helfen. Sie erlernen die Grundlagen moderner Fertigung: CNC, anspruchsvolles Schweißen, Elektronik - diverse Fächer, die sie zu Instandhaltungstechnikern für die empfindliche, teure und komplexe, von Robotern gesteuerte, Montagelinie machen sollen.

    Subasi führt mich durch eine der Schulungshallen. Azubis sind über Arbeitsstationen gebeugt, an denen sie - mit Handfeilen und Metallsägen - aus dicken Stücken Rohstahl einen neuen Druckspanner und einen Motor konstruieren und Toleranzen von nur einem Millimeter erreichen sollen. "Das Metall zu formen, ist echt toll", sagt Ryan Whary, 28, ein Azubi. Whary stieg vom Maschinenbaustudium an der Universität auf VWs Programm um, "weil ich etwas "Praktisches" wollte."

    Überall, wo ich hinkomme, höre ich das "Praxis"-Mantra.

    An einer anderen Schulungsstation demontieren Azubis akribisch den einwandfreien 3,6-Liter-Motor eines VW Touareg. An einer weiteren bauen sie - aus Einzelteilen - eine elektropneumatische Minimaschine genau wie die, die bei Robotern in der Fabrik zum Einsatz kommen. Und trotz all des Werkstattdurcheinanders wird den Azubis beigebracht, die Schulungshalle so makellos und glänzend wie einen VW-Showroom zu halten: "Wir sagen immer: Der Fußboden ist unsere Visitenkarte", lacht Subasi.

    Im August machten die ersten zwölf VW-Lehrlinge in den USA ihren Abschluss. Drei Jahre hatte der Konzern sie nach deutschem Modell ausgebildet. Im letzten Juni wurden sie an fünf harten Tagen einer exakten Kopie der deutschen Abschlussprüfung unterzogen. Die Prüfung wurde vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (über die Deutsch-Amerikanischen Handelskammern) übersetzt und zusammen mit Volkswagen und dem kommunalen College abgenommen.

    Alle Azubis haben die Prüfung bestanden. Ihre neuen Zeugnisse werden nicht nur in Amerika, sondern auch überall in Deutschland wie jeder andere Abschluss in Mechatronik oder anderen Fachgebieten anerkannt. Dies ist das erste Mal in der Geschichte, dass ein von Deutschen konzipiertes, geleitetes und bewertetes Ausbildungsprogramm in den Vereinigten Staaten erfolgreich durchgeführt und abgenommen wurde.

    Die jüngste Aufmerksamkeit für deutsche Ausbildungsmethoden und deren Einführung in Amerika resultiert aus einem günstigen Zusammentreffen dreier paralleler Trends: die sich rasch ausweitende deutsche Unternehmenspräsenz in den USA, der Drang zur Reindustrialisierung Amerikas und - auf der negativen Seite - Amerikas wachsende Qualifikationslücke.

    Die Geschichte der letzten 20 Jahre ist die Geschichte deutscher Investitionen in den Vereinigten Staaten", sagt Daniel S. Hamilton, Geschäftsführer des Zentrums für Transatlantische Beziehungen an der Johns Hopkins University. "Das Volumen deutscher Investitionen in den USA ist viermal so hoch wie das deutscher Exporte in die USA."

    Hamiltons Forschungen ergaben, dass deutsche Direktinvestitionen in den Vereinigten Staaten zwischen 1990 und 2011 um 800 Prozent auf einen Wert von 1,5 Billionen US-Dollar wuchsen, und dass rund 600 000 Beschäftigte in 3500 Unternehmen heute Waren im Wert von 81 Milliarden US-Dollar in Tochterfirmen erzeugen - ein Fünftel der Waren aller europäischen Tochterfirmen in Amerika. Wie die Deutsch-Amerikanische Handelskammer berichtete, machten die deutschen Top-50-Unternehmen 2012 in den USA 348 Milliarden Dollar Umsatz.

    Doch während die materiellen Aktiva wuchsen - und sich etwa Autoteilezulieferer wie Küken um die dicke Gans der neuen BMW-Fabrik in South Carolina scharten - stieg auch die Nachfrage nach qualifizierten Arbeitern stark an und der Mangel wurde eklatant. Auch wenn sich Deutschland ebenfalls einem ernsten Mangel an qualifizierten Arbeitskräften gegenübersieht, ist das Problem in den Vereinigten Staaten erheblich schlimmer.

    Amerikaner sind mit dem konfrontiert, was sie heute eine "Lücke der Mittelqualifizierten" nennen. Bei dieser Lücke handelt es sich genau um die hochqualifizierten Techniker, die das angesehene deutsche System hervorbringt, mit seinem Strom junger Leute, die nicht studieren wollen, sondern ab 15 Jahren eine technische Ausbildung beginnen. In den Vereinigten Staaten besucht jeder im öffentlichen Bildungssystem dieselben weiterführenden Schulen und macht zusammen mit allen Klassenkameraden seinen Abschluss, ob nun mit dem Ziel der Hochschulbildung oder nicht. Wegen des in Amerika fest verwurzelten Glaubens an seine eigene Mythologie - "jeder kann zum Präsidenten heranwachsen" - weisen Amerikaner die Idee eines Lenkungssystems deutscher Art entschieden zurück, das Kinder nach der vierten oder fünften Klasse in getrennte Schulen einteilt.


    Die USA hinken bei der beruflichen Ausbildung hinterher

    In Amerika sind der Spätentwickler und der Selfmademan mythische Figuren. Abraham Lincoln besuchte schließlich fast nie eine Schule, wurde aber trotzdem Präsident. Steve Jobs (Apple) ging nur kurz aufs College. Sogar Bill Gates (Microsoft) und Mark Zuckerberg (Facebook) verließen Harvard, um ihre eigenen Firmen zu gründen.

    Praktische Ausbildung - in Amerika "Vocational Training" genannt - gibt es zwar im amerikanischen System, jedoch nur punktuell, fragmentiert und sozial wenig angesehen. Trotz gestiegener Ansprüche und technischer Modernisierung in den meisten Werkhallen der Industrie behalten Jobs in der Fertigung in Amerika den überholten Ruf, schmutzig, hart, unsicher und für die Unterschicht zu sein.

    Die Realität aber sieht anders aus: Zwa rwird den meisten höheren Schülern in den USA das College als Heilsbringer gepredigt, die Mehrzahl von ihnen aber wird eine vierjährige Hochschulbildung nicht schaffen. Nur rund die Hälfte der Absolventen weiterführender Schulen gehen auf vierjährige Colleges, und lediglich 30 Prozent erreichen auch tatsächlich einen Abschluss. So bleiben 70 Prozent jedes Jahrgangs ohne College-Abschluss und, da es kein alternatives Ausbildungssystem gibt, häufig ohne Kenntnisse oder Fähigkeiten für andere Berufe.

    Vor ein oder zwei Generationen konnten junge Leute ohne Qualifikationen direkt in Fabrikjobs oder andere handwerkliche Tätigkeiten wie den Bau einsteigen. Dort wurden sie während der Arbeit oder in von Gewerkschaften angebotenen Lehren ausgebildet. Wenngleich es diese - häufig "Registered Apprenticeships" (anerkannte Ausbildungen) genannten - Programme an einigen Orten noch immer gibt, so befriedigen sie nur einen Bruchteil der heutigen Nachfrage nach Arbeitskräften. Einer Schätzung nach sind derzeit 600 000 Jobs in der amerikanischen Fertigung aufgrund des Mangels an qualifizierten Bewerbern unbesetzt.

    "Bei uns gibt es Millionen von jungen Leuten, die im Grunde verloren sind", sagt Ronald F. Ferguson, Co-Autor der Studie "Paths to Prosperity" der School of Education an der Harvard-Universität. "Wir müssen sicherstellen, dass auch [höhere] Schüler, die voraussichtlich nicht aufs vierjährige College gehen, praktikable Optionen haben."

    Zu diesen Optionen müsse nach Ansicht der Studie ein am deutschen Modell der dualen Ausbildung orientiertes arbeitsbezogenes Lernen gehören. Auf die Berichte des bekannten Programme for International Student Assessment (PISA) der OECD aus den 2000er-Jahren Bezug nehmend, hält die Harvard-Studie fest, dass die "berufliche Bildung, die Arbeiten und Lernen vereint, eine bessere Art des Lernens ist". Schließlich zeigten die OECD-Berichte das mittelmäßige Abschneiden amerikanischer Schüler in jenem Jahrzehnt mit einem 17. Platz in Naturwissenschaften und einem 25. in Mathematik im Jahr 2009.

    Charlotte liegt 300 Meilen östlich von Chattanooga, einen kurzen Flug über die Smoky Mountains und in die Ausläufer des North Carolina Piedmont hinunter. Als die bewaldeten Höhen und grünen Täler in die weite Ebene des Carolina-Flachlandes übergehen, werde ich in eine Gegend meiner Jugend zurückgetragen. In den 1960ern reiste ich häufig zwischen North Carolina und Georgia und kam unterwegs immer an Charlotte vorbei. Doch Charlotte war eine verschlafene Kleinstadt, die die nahe Textil- und Möbelschreinerindustrie versorgte und langsam an Atlanta als wirtschaftlicher und politischer Hauptstadt des Südens Boden verlor.

    Heute hat sich dies dramatisch verändert. Mit jetzt 750 000 Einwohnern ist Charlotte zu einem wichtigen Bankenzentrum und einem Logistikknoten mit einer eindrucksvollen Stadtarchitektur geworden. Die Stadt ist das Wirtschaftszentrum einer Region mit geschätzten 2,7 Millionen Menschen.


    Eine Brutstätte deutscher Investitionen}

    Am erstaunlichsten ist jedoch, dass sie eine neue Brutstätte deutscher Investitionen in den USA geworden ist. "Es gibt über 200 deutsche Firmen im Raum Charlotte, und auch aus Österreich und der Schweiz", so Hans Hartenstein, US-Geschäftsführer des Energieversorgers Steag aus Essen. "Von Charlotte gehen täglich zwei Flüge nach Deutschland. Wir haben mehr als zehntausend Deutschsprecher in der Stadt. Dies ist die größte Konzentration von deutschen Auslandsinvestitionen in einer einzigen Region weltweit."

    Zu den deutschen oder deutschsprachigen Firmen in der Region gehören Daimler Trucking (4 800 Mitarbeiter), die Schaeffler Group USA (1 987 Mitarbeiter) und Siemens (1 450 Mitarbeiter), aber auch zahlreiche Mittelständler wie Chiron, Blum (Österreich), Daetwyler (Schweiz) und Pfaff Molds.

    Noch erstaunlicher ist, dass Charlotte zu einem Zentrum des reformerischen Enthusiasmus für das deutsche Ausbildungsmodell geworden ist. Von einer gesunden Portion Eigennutz und dem Bedarf an qualifizierteren Arbeitern angetrieben, haben deutsche Firmen und lokale Reformer - Unternehmensberater und der Leiter eines kommunalen Colleges - Charlotte zum Vorzeigeobjekt gemacht. Hier wollen sie zeigen, wie sich Personal gezielt entwickelt, Qualifikationen zeitgemäß steigern lassen.

    "Charlotte ist die Benchmark", sagt Peter Fischer, Leiter der Wirtschaftsabteilung der deutschen Botschaft in Washington D.C.. Fischer arbeitet mit überwiegend deutschen Firmen und örtlichen Verwaltungen in den ganzen USA zusammen, um über die Qualifikationsinitiative von Botschafter Peter Ammon Ausbildungsprogramme zu fördern. Diese Initiative soll kommunalen Colleges und Firmen dabei helfen, Elemente der Ausbildung nach deutschem Muster einzuführen. Denn den meisten jungen Leuten in Charlotte fehlt nach der "Ausbildung" vor allem eins: praktische Erfahrung.

    In Charlotte sind es die Unternehmen, hauptsächlich deutsche oder deutschsprachige Firmen, die maßgeblich an der Behebung dieses Ungleichgewichtes mitwirken. Unter der Führung von Andreas Thurner, Ausbildungsleiter bei Blum, dem österreichischen Scharnierhersteller, wurde 1995 ein Programm namens "Apprenticeship 2000" ins Leben gerufen, um Jugendliche zu Werkzeug- und Formenbauern, Elektrotechnikern, Maschinisten, Schweißern und Spritzguss-Technikern auszubilden. Das Programm wird in Kooperation mit Charlottes Central Piedmont Community College (CPCC) durchgeführt, das den Unterricht organisiert - einen Teil davon in Labors, die mit der neuesten Technologie von Festo, dem deutschen Hersteller von Bildungsausrüstung, ausgestattet sind.

    An Apprenticeship 2000 beteiligen sich heute vier deutsche, eine Schweizer, eine österreichische und zwei amerikanische Firmen. Das Programm wirbt mit dem Slogan: "Free college and apaycheck!" (Kostenloses College mit Lohnscheck). Dies ist ein starkes Marketingargument für das Programm, da amerikanische Familien mit Kindern, die aufs College gehen sollen, vor extrem hohen Kosten stehen (bisweilen mehr als 50 000 US-Dollar im Jahr). Die Aussicht darauf, bezahlt zu werden, statt zu bezahlen, um eine Ausbildung zu erhalten, ist attraktiv. Berufsschülern diese dreijährige Ausbildung zu erteilen, kostet eine Firma wie Blum rund 170 000 US-Dollar pro Schüler, sagt Thurner.

    Tony Zeiss, Leiter des CPCC, ist ein Verfechter dafür, die Qualifikationslücke zu schließen. Als er die Ausrichtung des CPCC änderte, damit diese den Bedürfnissen der Firmen in Charlotte künftig direkter entspricht, wurde Zeiss bewusst, dass sich das College stärker auf moderne Fertigung konzentrieren musste.

    "Nachdem wir uns für die Fertigung entschieden hatten, wurde uns klar: Wem gehören alle Fertigungsstätten in der Gegend? Den Deutschen."


    „Amerikaner sind flexibel und passen sich schnell an“

    Zeiss ist dabei, Lehrgänge für Siemens und andere Mitglieder des "Apprenticeship 2000"-Programms maßzuschneidern, und an neuen Initiativen zu arbeiten. In den letzten Jahren hat sich Zeiss auch mit Hans-Peter Mengele, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Karlsruhe, zusammengetan, um Kurse in Mechatronik, Energiemanagement, Pneumatik, CNC- und PLC-Technologie zu organisieren, die den Anforderungen eines Abschlusses in Deutschland entsprechen.

    "Dies ist ein Wendepunkt bei den deutschen Investitionen in Amerika", sagt Mengele, "vor allem im Kontext der amerikanischen Reindustrialisierung. Deutsche Firmen erkennen den dringenden Bedarf an regionalen Kooperationen zur Ausbildung qualifizierter Arbeiter."

    Im letzten Sommer wurden die ersten drei - sowohl von Zeiss als auch von Mengele unterschriebenen - Zeugnisse an CPCC-Schüler verliehen.

    Das Erreichen einer kritischen Masse von deutschen Firmen in Charlotte war zum Teil das Werk eines dynamischen Anwaltes namens Michael Almond. Der aus North Carolina stammende Almond verbrachte ein Semester als Austauschstudent in Deutschland. Bei späteren Treffen nahm er auf Konferenzen im Aspen Institut Berlin Kontakt zu anderen Deutschlandexperten wie Daniel Hamilton auf. Während er als junger Anwalt seine Kanzlei für internationale Unternehmen aufbaute, begann Almond, seinen Freunden in Europa Charlotte unermüdlich in einer - wie er sie nannte - "Bogenstrategie" anzupreisen. Er gewann dann auch am "Rheinbogen" zwischen Rotterdam und Basel ansässige Firmen dafür, ihre amerikanischen Niederlassungen im Raum Charlotte zu eröffnen. Sein Timing fiel ausgezeichnet mit dem deutschen Globalisierungstrend zusammen.

    "Diese Leute sind alle stolz, Teil der Mittelstandsgemeinschaft zu sein", sagt Almond. "Sie sprechen miteinander. Bei Treffen in Deutschland sagen sie dann: "Charlotte ist ein guter Ort, um Geschäfte zu machen. Wir finden North Carolina toll. Keine Gewerkschaften. Uns gefallen die Arbeitskräfte. Die Leute dort sind es gewohnt, mit ihren Händen zu arbeiten."

    Deutsche Unternehmen, deutsche Amtsträger, deutsche Firmenchefs - und sogar deutsche Ausbilder. In der riesigen Gasturbinenfabrik von Siemens außerhalb von Charlotte treffe ich Stefan Donaubauer, einen Bayern, der die Berufsschule in Regensburg absolviert hat. Er ist hier vor Ort Leiter der Instandhaltung. Diese ist eine zentrale Aufgabe, für die Lehrlinge ausgebildet werden, und Donaubauer kennt inzwischen sowohl ihre Stärken als auch ihre Schwächen. "Deutsche sind gut bei Details und planen viele Faktoren ein, aber Amerikaner sind flexibler und passen sich schnell Veränderungen an", stellt er fest. "Wir haben jetzt die perfekte Symbiose erreicht. In nur zwei Jahren haben wir eine Gasturbinenfabrik gebaut. In Deutschland wäre das unmöglich."

    Bei Chiron, dem Werkzeugmaschinenbauer, arbeiten sechs Azubis und Praktikanten unter der Leitung von Tom Greiner, einem gebürtigen Thüringer, der nach der Wiedervereinigung in den Westen ging. Greiner, der überzeugt ist, dass das duale Ausbildungssystem Ostdeutschlands sogar noch besser als das westdeutsche gewesen sei, unterrichtet inzwischen in Charlotte unter anderem eine vietnamesische Amerikanerin namens Aivy Nguyen, 16. Heute baut Nguyen einen kleinen Modellhubschrauber aus Rohmetallteilen. "Hier gibt es viel kreatives Denken", lacht Greiner. "Viel Hin- und Herschießen. Aber manchmal trifft man auch etwas."

    Chiron ist Mitglied von Apprenticeship 2000 und des Roundtable. Geschäftsführer Dirk Zikeli, selbst ehemaliger Chiron-Azubi aus Tuttlingen, der nun im amerikanischen Chefsessel sitzt, ist sich des Bedarfs an grundlegender Ausbildung bewusst. "Amerika hat etwa zwei Generationen von Arbeitern verloren, die diese Qualifikationen nicht besitzen", sagt er.


    Pilotversuch für ein duales Ausbildungsprogramm

    An einem heißen Sommertag liegt Detroit grau und glanzlos unter bleiernem Himmel. Das trübe Wetter in Amerikas Automobilhauptstadt spiegelt die Stimmung einer Stadt wider, die mit über 19 Milliarden US-Dollar an unbezahlbaren Schulden gerade die größte kommunale Insolvenz in der US-Geschichte erklärt hat.

    Und doch gibt es Hoffnungsstrahlen in dieser tristen Landschaft. Nachdem sie 2009 den Tiefpunkt erreichte, ist die in Detroit beheimatete US-Autoindustrie zurückgekehrt und hat sich nach GMs Insolvenz und Chryslers Rettung rascher als beinahe jede andere Branche der amerikanischen Wirtschaft erholt. Und mit ihr kam einer der stärksten Bereiche deutscher Investitionen in Amerika: die Automobilzulieferer.

    Doch während sich ihr Los besserte, wuchsen auch ihre Probleme, qualifizierte Arbeiter zu finden.

    Bei Kostal, einem deutschen Hersteller von Armaturen und anderen Teilen für die Innenausstattung, der sich in einem unscheinbaren Vorort niedergelassen hat, ist das Erste, was ich in der Empfangshalle sehe, ein in Chrom gefasstes Schild auf Englisch: "Kostal ist ein unabhängiges, familiengeführtes Unternehmen - und wird dies auch in Zukunft bleiben." Eine seiner Leitlinien lautet: "Kostal strebt keinen kurzfristigen Profit an..."

    Als Aushängeschild für den gesamten deutschen Mittelstand ist dies in den von Quartalszahlen besessenen Vereinigten Staaten von Amerika eine bemerkenswerte Aussage und überrascht wohl so manchen Amerikaner, der Kostal hier vor Ort besucht.

    Kostal aus Lüdenscheid ist ein kleines Unternehmen: zwei Milliarden Euro Umsatz weltweit, in den USA nur 320 Millionen US-Dollar. Doch die Firma steht sinnbildlich für den Kampf - und die Lösung. Walter Maisel, Kostals Geschäftsleiter in Amerika, spielt eine wesentliche Rolle in einem Detroiter Projekt hauptsächlich deutscher Firmen, das—in Zusammenarbeit mit den Landesbehörden-- ein duales Ausbildungsprogramm einrichten will. Und die Bemühungen sind erfolgreicher als erwartet.

    Im September haben die ersten 30 Auszubildenden ihre Arbeit in elf Firmen (sieben deutschen, einer französischen, drei amerikanischen) begonnen und besuchen gleichzeitig Kurse in zwei kommunalen Colleges. Dies ist ein klassisches duales Ausbildungsprogramm, wenn auch das erste seiner Art in Michigan, einer der traditionellen Industrieregionen Amerikas.

    Maisel, Sohn eines bayerischen Landwirtes, erkannte die Herausforderung in Michigan nach seinen ersten Jahren bei Kostal. "Für die Prüfung und Wartung muss ich Ingenieure einsetzen, da ich keine qualifizierten Techniker finden kann", erklärt er. "Hier in der Gegend werben sich die Firmen ständig gegenseitig die Ingenieure ab. Es ist wie die Reise nach Jerusalem."

    Maisel springt auf, um auf seinem Whiteboard eine Glockenkurve zu zeichnen. Hoch ausgebildete Leute ließen sich finden, sagt er und zieht zwei Linien durch die Glockenspitze. So auch Arbeiter mit höherer Schulbildung allein - das untere linke Ende der Glocke. Doch der große "fehlende Brocken" - er zeichnet ein Fragezeichen - zwischen den Absolventen höherer Schulen und den College-Absolventen sei das Problem, so Maisel. Das nennt er die "Unter-College-Ebene". Dies sind die Leute, die - im deutschen System - in der dualen Ausbildung wären.

    Um für diese Idee zu werben, sprach Maisel jahrelang mit anderen deutschen Firmenchefs von Detroit bis Chicago. Er tat sich mit dem in Detroit ansässigen deutschen Berater Thomas Baumann zusammen, und sie entwarfen einen Vorschlag für den Pilotversuch eines dualen Ausbildungsprogramms mit starker deutscher Beteiligung. Dann unterbreitete Maisel Gouverneur Rick Snyder den Vorschlag auf unorthodoxe Weise: Bei einem Deutschland-Besuch im Jahr 2012 in Stuttgart übergab er ihm während eines Empfangs im Mercedes-Benz-Museum ein zweiseitiges Memo. Die direkte Strategie zahlte sich aus.

    Die Initiative kam zu genau dem richtigen Zeitpunkt. Gouverneur Synder, ein ehemaliger Firmenchef und Wagniskapitalgeber, hatte schon durch Anregungen von Daimler AG und Brose, dem Automobilzulieferer, sein Interesse am deutschen dualen Ausbildungsmodell gezeigt. Seine Besichtigungen der Daimler- und Brose-Werke in Untertürckheim und Coburg—organisiert durch die Michigan Economic Development Commission (MEDC)—hatten den Gouverneur tief imponiert. Umgehend hat er der MEDC beauftragt, das von Maisel und Baumann vorgeschlagene Pilotprogramm zu unterstützen. Neben Daimler (Detroit Diesel), Brose und Kostal zählen auch die in Detroit tätigen Autozulieferer Heller, EMAG, FTE Automotive und der Branchenriese ZF zu dem Projekt.

    Zur Überraschung aller bewarben sich auf das neue Programm mit dem Namen "Michigan Advanced Technician Training" ("Höhere Technikerausbildung in Michigan") mehr als 200 jungen Menschen für nur 30 Plätze. Für die wenigen Auserwählten ist die Aussicht auf eine dreijährige Ausbildungszeit mit einer Kombination aus Unterricht und Arbeitspraxis wie ein wahr gewordener Traum.

    Anders als übliche deutsche Ausbildungsprogramme mit sich in der Woche abwechselnden Schul- und Praxistagen, wechseln sich beim Michigan-Modell neun Wochen in der ausbildenden Firma mit sieben Wochen im kommunalen College ab. Die Bildungseinrichtung in Michigan scheint ebenso begeistert zu sein. "Es ist so logisch, dass die Leute es kaum glauben können", lacht Gary Saganski, Leiter des Programms am Henry Ford Community College. "Es macht so viel Sinn, dass sich ein Standard für den ganzen Bundesstaat herausbildet."

    Wegen der überwältigenden Reaktion auf den Bewerbungsaufruf werde das duale Ausbildungsprogramm 2014 auf 120 Azubis erweitert und weitere Firmen träten dem Konsortium bei, so Amy Cell. Sie erwartet volle Unterstützung durch Gouverneur Snyder: "Er ist ein sehr aggressiver Geschäftsmann. Wenn etwas funktioniert, sagt er: 'Tritt aufs Gaspedal.'"


    Die Reindustrialisierung als Ziel

    Maisel, der einen ausgeprägtem Sinn für die Geschichte besitzt, erinnert sich an Bayerns wirtschaftlichen Umschwung in den 1970ern und 1980ern mit dem Aufbau von Fachhochschulen, um die Industrie mit hoch qualifizierten Arbeitern zu versorgen. Er sieht Michigan heute als das Bayern Amerikas. "Michigan hat etwa die Größe Bayerns - circa zehn Millionen Einwohner", sagt er. "Es hat große Ballungszentren, aber auch viel freie Fläche. Wir haben Süßwasser, Erdgas - und Autos. Wir brauchen viele Ingenieure, um zu überleben, genau wie Bayern in den 1970ern. Wir haben viele Gehirne in Michigan - wir müssen sie nur nutzen. In Bayern war kostengünstige Bildung der Schlüssel. Ich freue mich über unsere Wachstumsrate hier. Aber man kann keine Leute einsetzen, die kaum lesen und schreiben können."

    Auch wenn die Stadt Detroit am Ende zu sein scheint, sehen ihre Vororte, wo sich der Großteil der Fertigung befindet, gesund und florierend aus. Die Hauptsitze deutscher Zulieferer säumen die Interstate-Autobahn, die Shopping-Center sind voll - und die kommunalen Colleges ebenfalls. Die Frage ist, ob man diese Punkte in einem Tugendkreis der wirtschaftlichen Regenerierung verbinden kann. Das neue Pilotprogramm sollte ein guter Test hierfür sein.

    Eine Reise durch die deutsche Investitions- und Ausbildungslandschaft in Amerika hinterlässt einen optimistischen Eindruck bei mir. Obwohl ich das duale Ausbildungsmodell - oder eine Variante davon - bereits seit Jahrzehnten verfechte, wurde die Diskussion nun endlich von denen aufgegriffen, die etwas bewirken können: von Geschäftsleuten mit Firmen, die in einem wettbewerbsintensiven Umfeld geführt werden müssen. Ironischerweise brauchte es die Deutschen, um diese Lektion zu lehren, und sie tun dies eher aus Notwendigkeit denn aus Altruismus.

    Die Globalisierung zeitigt erneut eine ungewollte Folge, diesmal zum Nutzen, wie ich meine, der amerikanischen Wirtschaft und - nicht zuletzt - der amerikanischen Jugend. Zu lange war ein erheblicher Teil jedes Jahrgangs dem Trugbild "College für alle" verfallen, so dass viele am Ende weder eine Hochschulbildung noch marktgerechte Fähigkeiten besaßen.

    Heute gibt es Anzeichen einer landesweiten Bewusstwerdung für das Thema: die Reindustrialisierung Amerikas, Präsident Obamas Augenmerk auf Bildungsfragen, die zunehmend sichtbare und selbstbewusste Präsenz deutscher Fertigungsbetriebe und Unternehmen an Orten wie Chattanooga, Charlotte und Detroit. Sogar das Bild Deutschlands in Amerika kann hiervon profitieren.

    In der Arbeitswelt, außerhalb der intellektuellen Dampfkochtöpfe Washington, New York, Boston und Palo Alto, dreht es sich, wenn die Menschen über Deutschland sprechen, mehr um Fabriken, Ausbildung und Qualitätsprodukte - von Autos bis zu Autoteilen - als um den Zweiten Weltkrieg und die Last der Geschichte. Wenn der deutsche Botschafter Ammon durch die USA reist und für seine "Skills-Initiative" wirbt, sieht er sich noch immer vor, "als Deutscher Amerikanern zu sagen, was sie tun sollen". Die Ironie liegt jedoch darin, dass dies - zumindest an einigen Orten - genau das ist, worum sie ihn bitten.

    Der amerikanische Journalist Peter Ross Range, 72, kam als Student erstmals nach Deutschland – und blieb dem Land emotional und intellektuell verbunden. Von 1967 bis 1970 war er Korrespondent für das „Time Magazine“ in Deutschland. Danach berichtete er aus dem Weißen Haus in Washington. Seine Artikel erschienen im „Time Magazine“, im „Playboy“, in der „National Geographic“ und in der „Washington Post“. Neben seiner journalistischen Arbeit engagierte sich Range auch bei mehreren Think-Tanks wie dem Woodrow Wilson Center.

    © Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%