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Europäische Großbank Schuldenkrise bringt UniCredit unter Druck

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Marktkapitalisierung der größten europäischen Banken (in Milliarden Euro) Quelle: Bloomberg

Dass Anleger UniCredit nun besonders kritisch sehen, birgt eine tragische Konsequenz. Denn die Großbank hat sich wie keine zweite der europäischen Idee verschrieben. Ghizzoni trägt seinen paneuropäischen Anspruch als Hauptsponsor bei den Fernsehübertragungen der Fußball Champions League in zig Millionen Wohnzimmer des Kontinents – der Vertrag wurde gerade erst bis 2015 verlängert.

Ausgerechnet der Finanzkonzern, der sich dank seiner Geschäfte in 22 Ländern Europas bis hin nach Aserbaidschan als "wahre europäische Bank" bezeichnet, durchlebt nun wie in einer Nussschale das ganze Drama der Staatengemeinschaft und des Euro. Wie der Euro an der Spekulation und an unterschiedlich starken Volkswirtschaften zu zerbrechen droht, leidet auch UniCredit an seiner besonderen Rolle und der teilweisen Buntscheckigkeit seiner Geschäftsregionen.

Wegen der sehr unterschiedlichen Geschäftsumgebung erzielen die einzelnen Landesgesellschaften höchst divergierende Ergebnisse. Ausbaden müssen sie die Probleme in einem Land jedoch gemeinsam. So regt sich zurzeit Unmut bei den Beschäftigten in München. Obwohl die HypoVereinsbank für das erste Halbjahr einen Milliardengewinn verbuchte, müssen die Bayern bis 2013 700 Stellen abbauen.

Nicht im Visier der Zocker

UniCredit-Chef Ghizzoni sieht derweil zumindest öffentlich derzeit keine grundsätzlichen Probleme im Geschäftsmodell der Bank. Den Verfall des Aktienkurses erklärte er mit Zockerei. "Wir sind ein Instrument und nicht das Ziel der Spekulation", erklärte er kürzlich. Vor allem Leerverkäufer, die auf fallende Kurse setzten, seien dafür verantwortlich. Die Aktien der UniCredit seien für solche Operationen bestens geeignet, weil sie in besonders hoher Stückzahl gehandelt würden. Auch Theodor Weimer, der 2007 von der US-Investmentbank Goldman Sachs zur UniCredit wechselte und 2009 Chef der HVB wurde, schimpfte zuletzt über das Ausmaß der Spekulation gegen Italien.

Doch außerordentlich im Visier der Zocker steht das Institut kaum: So waren Anfang August nur ein Prozent der UniCredit-Aktien tatsächlich verliehen. Das erklärt auch, weshalb das Leerverkaufsverbot der italienischen Börsenaufsicht den Kursverfall nicht stoppen konnte. Allerdings haben einige Großanleger in den vergangenen Wochen ihre Position in europäischen Aktien und bei Banktiteln deutlich reduziert, was auch die italienische Großbank getroffen hat.

Stresstest locker überstanden

Dabei haben deren Ergebnisse zuletzt sogar überzeugt. Der Halbjahresgewinn lag mit 1,3 Milliarden Euro sogar leicht über den Erwartungen. Und Ghizzoni zeigte sich optimistisch, den angestrebten Gewinn von 2,6 Milliarden Euro im gesamten Jahr auch zu erreichen. Den jüngsten Stresstest der europäischen Aufsicht EBA hatte die Bank ebenfalls relativ locker bestanden. Das Urteil der Experten ist denn auch keineswegs überwiegend negativ: Von 21 Analysten, die sich professionell mit der Aktie beschäftigen, rieten Ende Juli nur zwei zum Verkauf.

Es sind die Befürchtungen um die nähere Zukunft, die vor allem die Aktien von UniCredit, der Commerzbank und der französischen Société Générale auf Talfahrt geschickt haben. "Das sind zwar heftige, aber keine irrationalen Ausschläge", sagt ein Investmentbanker. "Der Markt spielt nur negative Szenarien durch, die sich aus der allgemeinen Unsicherheit ergeben." Und da gibt es eine ganze Reihe von Themen, die UniCredit und viele andere Banken belasten.

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