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Europäische Großbank Schuldenkrise bringt UniCredit unter Druck

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Wo UniCredit sein Geld verdient Quelle: UniCredit

An erster Stelle stehen die Staatsschulden. Auch wenn Politiker fast wöchentlich das Gegenteil verkünden, ist ein Ende der Krise nicht in Sicht. UniCredit hält derzeit knapp 40 Milliarden Euro italienischer Staatsanleihen. Hinzu kommen zwei Milliarden spanischer Schuldtitel. Wie andere Großbanken auch hat UniCredit den Wert griechischer Staatsanleihen um 25 Prozent abgeschrieben. Sie stehen jetzt noch mit knapp 400 Millionen Euro in den Büchern.

Mit dem massiven Engagement in italienischen Staatspapieren steht UniCredit nicht allein. Italiens Banken halten Staatsanleihen des Heimatlandes von 170 Milliarden Euro in ihren Büchern. „Wir haben in den vergangenen Jahren bewusst in Staatsanleihen investiert, um unsere Liquidität zu sichern“, sagt ein Top-Manager einer anderen italienischen Bank stellvertretend auch für die UniCredit. Nun werde ausgerechnet dieses eigentlich vorsichtige Agieren zum Risiko.

Zwar hat der Druck auf Italiens Staatspapiere und damit auf die UniCredit nach den Anleihekäufen der EZB etwas nachgelassen. Ihr Marktpreis liegt jedoch deutlich unter den Nominalwerten. Hier droht Abschreibungsbedarf.

Die zweite große Baustelle ist die Finanzierung der Institute. Insgesamt müssen europäische Banken in diesem Jahr noch 80 Milliarden Euro Mittel aufnehmen. Rund 85 Prozent des in diesem Jahr insgesamt erforderlichen Finanzbedarfs von 32 Milliarden Euro und 90 Prozent der in Italien geplanten Mittel seien bereits gedeckt, erklärte Ghizzoni Anfang August. Das beruhigte die Anleger aber nur halbwegs. Im kommenden Jahr sind erneut 32 Milliarden Euro fällig.

Untereinander herrscht Misstrauen

Banken aus Italien und Spanien ist es derzeit kaum möglich, Anleihen zu platzieren. Hier hat UniCredit allerdings den Vorteil, zumindest einen Teil über die Tochterunternehmen in anderen Ländern abwickeln zu können. Auch wenn das Thema nicht existenzbedrohend ist, wird es doch teuer, weil die Bank höhere Zinsen zahlen muss. So gehen Analysten von JP Morgan von um drei Prozent niedrigeren Erträgen im übernächsten Jahr aus – ein klarer Wettbewerbsnachteil, etwa gegenüber der Deutschen Bank.

Vor allem die kurzfristige Mittelaufnahme ist für Banken zuletzt deutlich schwieriger geworden. So haben etwa amerikanische Geldmarktfonds ihr Engagement bei europäischen Banken deutlich reduziert, bei Instituten aus Spanien und Italien haben sie es ganz eingestellt. Auch das Misstrauen zwischen den Banken ist erheblich gestiegen. Zuletzt legten Institute aus Deutschland, Frankreich oder den Niederlanden ihr Geld lieber verlustbringend bei der EZB an, als es an ihre Wettbewerber aus Südeuropa zu verliehen. Die in der vergangenen Woche von der EZB genannten Summen von fast 130 Milliarden Euro lagen allerdings noch deutlich unter dem Niveau der unmittelbaren Nach-Lehman-Zeit, als der Wert auf mehr als 200 Milliarden Euro kletterte. Sprunghaft stiegen zuletzt auch die Kredite der EZB an Banken. Grundsätzliche Schwierigkeiten habe UniCredit aber keine, kommentiert zumindest Analyst Matteo Ramenghi von der UBS.

Die dritte große Unsicherheit ist die unklare künftige wirtschaftliche Entwicklung, die direkt auf die Banken durchschlägt. In Italien erwarten Volkswirte in diesem und im nächsten Jahr ein Wachstum von weniger als ein Prozent.

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