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Europäische Großbank Schuldenkrise bringt UniCredit unter Druck

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Kurs ausgewählter Banken mit Italien-Engagement Quelle: Thomson Reuters

Während diese Probleme alle Banken aus der Region treffen, legt das gestresste Umfeld aber auch spezifische Schwächen des verzweigten Finanzkonstrukts offen, das Ghizzoni-Vorgänger Profumo wie im Rausch innerhalb eines Jahrzehnts mit der Übernahme von immer mehr Banken zusammenkaufte. Dabei steht anders als noch vor zwei Jahren nicht mehr das große Engagement in Osteuropa im Vordergrund der Befürchtungen. Die Ergebnisse hatten sich dort in den meisten Ländern zuletzt deutlich verbessert, Experten sehen hier mittelfristig das größte Wachstumspotenzial für die Bank.

Es sind vielmehr die hausgemachten Probleme, die die Bank ins Zentrum des Misstrauens befördert haben. Dazu zählt die unbekannte Unternehmensstrategie. 2008 sah die Zukunft noch klar und damit rosig aus. Die Bank hatte im Vorjahr rund zehn Milliarden Euro verdient, wollte künftig in Osteuropa wachsen und im Westen sparen. Dann wurden diese Mittelfristziele wegen der Finanzkrise erst mal kassiert.

Seitdem wartet die Finanzwelt vergeblich auf neue Details zur Zukunftsgestaltung. Schon zu Beginn des Jahres wollte Ghizzoni ein neues Konzept vorstellen, nun hat er den Termin auf das Jahresende verschoben. Das sei notwendig, weil die Situation in den einzelnen Ländern genau überprüft werden müsste, heißt es in der Bank. Es gibt aber auch Stimmen, die dahinter Auseinandersetzungen mit den nicht gerade einfachen Eigentümern des Instituts vermuten.

Libyen sorgt für Unruhe

Die auch aus Sparkassen hervorgegangene UniCredit steht unter dem Einfluss von Volksvertretern, die über regionale Bankstiftungen mitreden wollen. Diese halten insgesamt rund zwölf Prozent der Anteile. Frühere deutsche Top-Manager klagen immer noch über die versuchten Einmischungen der Politik in den Konzern. Kritisch sieht ein Aufsichtsrat aktuell vor allem die Rolle der nationalistischen Lega Nord, die am liebsten die Trennung des reichen Nordens vom armen Süden Italiens hätten. Deren Vertreter haben bei zwei Stiftungen das Sagen. Die Politiker seien verantwortlich für den überraschenden Rücktritt Profumos gewesen, sagt er.

Lega-Nord-Vertreter hatten gefordert, dass sich die Bank künftig stärker um Italien kümmern und das internationale Geschäft reduzieren solle. So befürchteten Bankmanager etwa, dass UniCredit wirtschaftlich fragwürdige Infrastrukturprojekte wie eine Brücke zwischen dem Festland und Sizilien mitfinanzieren sollte. In den Wirren nach Profumos Abgang hatte auch Chefaufseher Rampl mit seinem Rückzug gedroht. Die deutschen Top-Manager fürchteten, ihren Einfluss vollkommen zu verlieren. Offenbar verhinderte der massive Auftritt der Teutonen das Schlimmste. "Es gab bisher keine politisch motivierten Aktionen, etwa zur Sanierung wichtiger italienischer Großfirmen", bestätigt Analyst Ramenghi.

Auch ein anderer Großaktionär sorgt für Unruhe. Libyen hält rund sieben Prozent der Anteile an der Bank. Die Beteiligung ist seit März eingefroren. Die Bank hat angekündigt, sie im Zweifel selbst zu kaufen. Regierungschef Silvio Berlusconi war in der Vergangenheit stets als Freund des Regimes aufgetreten, dessen Vertreter die Rebellen gerade in die Wüste jagen.

Viel Kapital, um den Anteil Libyens zu übernehmen und expansiv voranzuschreiten, besitzt Vorstandschef Ghizzoni nicht. Mit einer Kernkapitalquote von rund neun Prozent steht UniCredit zwar nicht schlecht da, auch wenn viele Konkurrenten besser mit Eigenmitteln bestückt sind. Dennoch sehen Analysten mittelfristig weiteren zusätzlichen Kapitalbedarf, im Durchschnitt kalkulieren sie mit sechs Milliarden Euro. Während der Finanzkrise hatte die Bank ihre Kapitalausstattung schon zweimal erhöht, zuletzt sammelte sie aber trotz der Aufforderung des Notenbankchefs Mario Draghi kein Geld mehr ein. Insider meinen, dass einige Sparkassenstiftungen diesen Schritt nicht hätten mittragen können und eine Verwässerung ihrer Anteile verhindern wollten.

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