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Europäische Großbank Schuldenkrise bringt UniCredit unter Druck

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Prämien für Versicherungen gegen den Ausfall von Froderungen gegenüber ausgewählter Banken Quelle: Bloomberg

Ein dickes Polster wäre aber wichtig, um für künftige Einbrüche der Konjunktur gewappnet zu sein. Bereits jetzt hat UniCredit deutlich mehr Problemkredite in den Büchern als viele Wettbewerbern. Und während ihre Zahl in den meisten Auslandsmärkten zuletzt sank, stieg sie in Italien sogar leicht an. Rund 46 Milliarden Euro der italienischen Forderungen stufte die Bank selbst zuletzt als notleidend ein. Insider meinen, dass der größte Teil der Problemkredite aus der 2007 vollzogenen Fusion mit dem Konkurrenten Capitalia stammen. Die schlechte Qualität der Forderungen war für die Ratingagentur Moody’s ein Hauptgrund, im Mai eine Überprüfung der Kreditwürdigkeit anzukündigen.

Beobachter sind sich zudem einig, dass der Personalbestand in Italien weiterhin zu hoch ist, weil nach der Übernahme von Capitalia immer noch zu viele Stellen doppelt besetzt seien. Analysten fordern deshalb eine entschlossenere Restrukturierung. Chefaufseher Rampl hatte Ghizzoni dies bei seinem Amtsantritt als klares Ziel vorgegeben. Bisher sei jedoch nicht viel passiert, heißt es in der Bank.

Viele kritische Fragen

Ein gerade verkündetes neues Sparprogramm bediene sich zu sehr der Rasenmähermethode, kritisieren HVB-Beschäftigte. Das sorgt in München für Missfallen. Denn die HVB hat bereits zahlreiche Sparrunden mitgemacht. Außerdem hat sie zuletzt erfolgreich gewirtschaftet und mit einem Gewinn von 1,3 Milliarden Euro ungefähr genauso viel verdient wie der gesamte Konzern. Ohne sie hätte es im zweiten Quartal einen Verlust gegeben.

Der Großteil des Gewinns stammt aus dem Investmentbanking, das zentral in München angesiedelt ist. Auch wenn dieses im zweiten Halbjahr wohl kaum so profitabel weiterlaufen wird, sind Frust und Unverständnis bei den Beschäftigten groß. "Wie soll man sich angesichts dieser Ankündigungen noch motivieren", fragt ein Gewerkschafter. Die Stellen sollen vor allem in der Münchner Zentrale wegfallen. Dass der Abbau ohne Kündigungen funktioniert, wird von Arbeitnehmervertretern bezweifelt. "Jedes Mal, wenn die letzte Sparwelle umgesetzt ist, wird bereits die nächste angekündigt", sagt ein Betriebsrat. Schon jetzt arbeite die Bank "mit dünner Personaldecke an der Grenze des operativen Risikos", sagt ein anderer.

Zugleich sind in München strategische Fragen ungeklärt. Mit knapp vier Millionen Kunden ist das Privatkundengeschäft eigentlich zu klein, um profitabel zu sein. Deshalb gibt es seit Jahren Verkaufsgerüchte, die stets umgehend dementiert werden. Die Zeichen stehen aber auch nicht auf Wachstum. Die deutschen Filialen der schwedischen Bank SEB hat der spanische Konkurrent Santander übernommen.

Auf Eis liegt erst einmal auch ein anderes Zukunftsprojekt: Die schon seit zwei Jahren geplante Umbenennung der HVB-Filialen in UniCredit. Vor allem die Kundenberater müssten zurzeit "viele kritische Fragen zur Bank beantworten", klagt ein Beschäftigter. "Da wäre es im Augenblick sicher kein Vorteil, für alle sichtbar eine italienische Bank zu sein."

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