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Evonik Ein Wagnis namens Börsengang

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Um sich auf das Chemiegeschäft zu konzentrieren, hat sich Evonik-Chef Engel von der Mehrheit seines Kohleverstromers Steag getrennt. 51 Prozent halten nun nordrhein-westfälische Stadtwerke unter Führung der Stadtwerke Duisburg. Damit verabschiedete sich Evonik von der Idee des integrierten Mischkonzerns, der Evonik-Mitbegründer Werner Müller noch nachhing. Zwar verliert Evonik damit einen zuverlässigen Cash-Flow-Lieferanten, aber Engel hatte dem Kapitalmarkt damit signalisiert, dass er seine Ankündigung, sich vom Energiegeschäft zu trennen, auch wahrmacht. Das war ein Stück Vertrauensvorschuß, der nun beim avisierten Börsengang nur nützen kann. Die 651 Millionen Euro, die Engel mit dem Verkauf an das Stadtwerke-Konsortium einnahm, nutzte er für die Stärkung des Chemiegeschäfts. Gleichzeitig will er sich von der Grundstoffchemie von Evonik trennen, das ist vor allem das Rußgeschäft - wichtiger Vorlieferant für Arzneimittelhersteller aber auch für die Reifenindustrie. Dafür soll er auch schon einen Investor in der Hinterhand haben, das Private-Equity-Unternehmen Advent. Evonik wird langsam besenrein.Eine Bedingung an den Investor CVC hat Engel bei den Börsengang-Plänen allerdings durchgedrückt. Die Immobiliensparte von Evonik wird nicht an die Börse gehen. Es handelt sich dabei um rund 70.000 teilweise schwer sanierungsbedürftige Bergarbeiterwohnungen im Ruhrgebiet, die preisgünstig sind. Sie stellen so etwas wie einen Solidarpakt mit den Bergarbeitern und den Zulieferern des Bergbaus dar, die nicht "ins Bergfreie" fallen sollen, so ein Jargon aus der Bergwerkswelt. Sprich: Die Wohnungen sollen nicht in die Hände von geldgierigen Spekulanten fallen, sondern auch noch unter der Obhut der Energie- und Bergbaugewerkschaft bleiben. Das hat Engel der IG BCE versprochen. Ob damit eine Art gewerkschaftsnaher Immobilienkonzern geschaffen werden kann, ist aber noch offen.

Am 12. April soll das Kuratorium der RAG-Stiftung über die Börsenpläne entscheiden. Die Zeichen stehen günstig. In Nordrhein-Westfalen riecht es angesichts haushaltsrechtlicher Probleme der Minderheitsregierung unter Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) nach Neuwahlen noch in diesem Jahr. Dann muss das Bergbau- und Wohungsthema abgehakt sein und soll nicht mehr in den Wahlkampf hineingezogen werden. Kraft kann sich hier als weitsichtige Wirtschaftspolitikerin darstellen. Sie gehört dem Kuratorium an. Zweites wichtiges Mitglied des Kuratoriums ist Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble 8CDU), der das Thema Bergbausubventionen sowieso leid ist. Und er Kuratoriumsvorsitzende Ulrich Hartmann will in den nächsten Monaten in Pension gehen. Da liegt nichts näher, als das Thema Evonik auch für ihn endlich abzuhaken.

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