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Ex-Tochter Hypo Alpe Adria Früherer BayernLB-Vorstand im Visier der Ermittler

Nach der Verhaftung des ehemaligen Hypo-Alpe-Adria-Chefs gehen die Ermittlungen gegen die frühere BayernLB-Tochter in die entscheidende Phase. Gibt es bald auch in Deutschland Festnahmen?

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Wolfgang Kulterer Quelle: REUTERS

Wolfgang Kulterer war lange ganz oben. Fast 15 Jahre lenkte der „Paradebanker“, wie er in Österreich genannt wurde, die Geschicke der Kärntner Hypo Group Alpe Adria (HGAA). Kulterer war in der Alpenrepublik ein angesehener Mann — auch beim vor zwei Jahren tödlich verunglückten Klagenfurter Landeshauptmann Jörg Haider. Dessen finanzielle Wünsche, etwa das Sponsoring pompöser Veranstaltungen, erfüllte der Banker. Auch nach seinem Abgang bei der Kärntner Landesbank 2006 wegen eines Verfahrens, bei dem er schließlich wegen Bilanzfälschung verurteilt wurde, blieb die gehobene Finanzwelt sein Zuhause. Als Vorstand der Flick-Stiftung kümmert er sich aktiv um das Erbe des einst reichsten Deutschen.

Jetzt ist erst mal Schluss mit dem süßen Leben: Am Freitag vorvergangener Woche wurde Kulterer in Klagenfurt verhaftet. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft – und ist damit der erste Beteiligte eines der größten Bankenskandale, der zumindest zeitweise hinter Gitter muss. Auch in Deutschland haben die Vorgänge um die HGAA tiefe Einschläge hinterlassen. Nachdem sich im Lauf des vergangenen Jahres Milliardenlöcher aufgetan hatten, verkaufte die Bayerische Landesbank ihre Tochter im Dezember für nur einen Euro an den österreichischen Staat. Das gut zwei Jahre dauernde Abenteuer kostete den bayrischen Steuerzahler insgesamt 3,7 Milliarden Euro.

Kulterer werden Untreue, Geldwäsche, falsche Zeugenaussagen und sogar die Bildung einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen. Er selbst weist alle Vorwürfe der Staatsanwaltschaft zurück und sieht hinter seiner Verhaftung vor allem politische Motive.

Jörg Haider Quelle: dpa

Ermittler halten es jedoch für möglich, dass bald weitere Verhaftungen folgen. Sie sind auf neue Details gestoßen, die beweisen sollen, dass verantwortliche Manager die Kärntner Bank über Jahre missbrauchten, um sich selbst und ihnen nahestehende Geschäftspartner zu bereichern. Allein in Österreich gibt es inzwischen mehr als 70 Strafanzeigen, gegen rund 40 Beschuldigte laufen Ermittlungen. Diese zeigen, wie dubios das Institut arbeitete, in das die bayrischen Landesbanker im Jahr 2007 große Hoffnungen setzten.

Auch auf deutscher Seite gehen die Ermittlungen weiter. Sie machten „gute Fortschritte“, heißt es bei der Münchner Staatsanwaltschaft. Die Beamten aus dem Freistaat konzentrieren sich vor allem auf Werner Schmidt, bis Anfang 2008 Chef der BayernLB. Er war 2007 maßgeblich am Kauf der Mehrheit an der österreichischen Bank beteiligt. Seit Monaten wird gegen ihn ermittelt, weil Schmidt wissentlich einen zu hohen Kaufpreis gezahlt haben könnte. Tatsächlich war der von der Bayern-LB akzeptierte Preis für die HGAA deutlich höher als der von eigenen Spezialisten und Beratern ermittelte Wert. Schmidt und seine ehemaligen Verwaltungsräte haben alle Vorwürfe stets bestritten.

Verdacht eines abgekarteten Spiels

Profitiert haben von dem Geschäft der in Kärnten wohnende Vermögensverwalter Tilo Berlin und eine Gruppe reicher Investoren. Sie hatten sich Ende 2006 in die HGAA eingekauft und ihren Anteil nach nur wenigen Monaten mit hohem Gewinn an die BayernLB weitergegeben. Dass sich Schmidt und Berlin gut kannten, nährt den Verdacht eines abgekarteten Spiels, was beide von sich weisen.

Nach Informationen aus dem Umfeld der österreichischen Ermittler besteht weiter der Verdacht, dass der frühere BayernLB-Chef persönlich von der Transaktion profitiert hat. Belastbare Belege hierfür wurden bisher nicht vorgelegt. Vielmehr stützen sich die Ermittler auf die ausführliche anonyme Anzeige eines HGAA-Insiders, die der WirtschaftsWoche vorliegt. Der behauptet, Vermögensverwalter Berlin habe im Dezember 2006 in einem Gespräch mit Kulterer gesagt, es sei „notwendig, gewisse Strukturen über Liechtenstein beziehungsweise Luxemburg laufen zu lassen, da bestimmte Herren eine Provision zu erhalten haben. Insbesondere Schmidt/BLB sei zu bedenken.“ Schmidts Anwalt bezeichnet diese Darstellung als „Quatsch“.

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