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Expertenrat Die Agenda 2010 für Opel

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Fritz Indra: Entwicklungsstärke nutzen

Starker Einbruch (zur Vollansicht bitte auf die Grafik klicken)

Opel ist innerhalb des General-Motors-Konzerns die einzige Marke, die moderne Autos für den globalen Markt unter allen Gesichtspunkten komplett entwickeln kann.

Eine Spezialität von Opel liegt darin, was im Fachjargon Packaging heißt, also zum Beispiel die Größe des Kofferraums oder die Flexibilität der Sitze. Opel hatte etwa als erster Hersteller Rücksitze, die sich komplett im Fahrzeugboden versenken ließen. Ebenso sehe ich als Stärke, dass Opel sowohl Rechts- und Linkslenker-Versionen als auch Fahrzeuge für die speziellen Anforderungen des US-Marktes entwickeln kann. Das ist technologisch sehr anspruchsvoll.

Opel verfügt über sehr effiziente Drei- und Vierzylinder-Motoren, die schon jetzt sehr sparsam sind und technologisch noch viel Potenzial zur Weiterentwicklung haben – und zum Verkauf an andere Hersteller.

Der Verkauf von Motoren und Getrieben ist traditionell ein sehr profitables Geschäft. Das sollte Opel sich zusammen mit seinem neuen Partner zunutze machen. Außerdem sollte Opel seine Kompetenz bei sportlichen und sparsamen Motoren mit Turboaufladung weiter ausbauen. Diese Kompetenz kann Opel auch nutzen, um sein Image zu verbessern.

Auch bei dem Thema Erdgas als alternativem Antrieb ist Opel sehr gut aufgestellt und hat aus meiner Sicht einen klaren Vorsprung gegenüber der direkten Konkurrenz. Aufholbedarf sehe ich in technologischer Sicht noch am ehesten beim Getriebe. Ein modernes und spritsparendes Doppelkupplungsgetriebe sollte früher oder später auch Opel haben. Zumal ein solches Getriebe langfristig in kleinen und mittleren Fahrzeugklassen auch die klassischen Automatikgetriebe vollständig ersetzen kann.

Christoph Stürmer: Märkte erobern

Opel braucht größere Stückzahlen, daran besteht gar kein Zweifel. Die fixen Kosten müssen auf mehr Fahrzeuge umgelegt werden – das ist die einfache betriebswirtschaftliche Wahrheit und wichtige Aufgabe des neuen Eigentümers. Entweder Opel versucht, innerhalb eines Konzernverbundes Aufträge zu ergattern, oder erschließt sich neue Absatzmärkte. Auf der Landkarte des Opel-Reiches gibt es noch viele weiße Flecken. Klassisches Opel-Terrain ist im wesentlichen Westeuropa. Das Geschäft in Osteuropa, Russland, USA und Lateinamerika hält sich sehr in Grenzen, China spielt praktisch keine Rolle. Das heißt: Die Märkte mit dem größten Potenzial kann Opel noch erobern.

Die besten Chancen sehe ich in Lateinamerika, wo es einen recht großen Markt für Kompaktfahrzeuge mit europäischem Design gibt, in südostasiatischen Ländern wie Thailand oder Indonesien, in Russland oder auch in den USA, wo Opel-Fahrzeuge bereits unter der Marke Saturn verkauft werden. Die Modellnamen wie zum Beispiel Astra sind identisch mit den Namen in Europa – Opel müsste also nur die Dachmarke ändern. Das wird vom Markt leichter aufgenommen, als wenn sich die Marken komplett ändern, und kostet weniger Geld.

In zwei bis fünf Jahren könnte Opel hier mit Autos, die speziell an amerikanische Bedürfnisse angepasst sind, durchstarten. Die Autos müssten dafür aber größer, breiter und robuster sein, die Design- und Marketingstrategie müsste auf die USA abgestimmt sein. Die Sache hat nur einen Haken: Ich kann mir gut vorstellen, dass GM seine Tochter Opel nur dann ziehen lässt, wenn sie vertraglich zusichert, dass sie GM in wichtigen Märkten wie USA, Asien oder Russland nicht ins Gehege kommt. Das könnte Opel auf lange Sicht das Leben schwer machen.

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