WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Exportindustrie Japan kämpft mit Umsatzeinbrüchen

Seite 2/2

Nintendo spielt fast 90 Quelle: obs

Ein ähnliches Blutbad erwartet Ökonom Shirakawa für die Autobranche. „Nur Toyota und Honda können profitabel überleben, wenn sie schnell und konsequent reagieren.“ Toyota kürzt die Produktion in Japan bereits radikal. Zwischen Februar und April halbiert der Autokönig in seinen zwölf Inlandswerken den Ausstoß, damit die Läger nicht überquellen. Diese Einschnitte schockieren nicht nur Experten. Japan ist das Epizentrum der globalen Exportkrise. Die Ausfuhren der zweitgrößten Ökonomie der Welt sackten im Dezember um 35 Prozent gegenüber dem Vorjahr ab, so heftig wie nie, seit in Tokio Exportstatistiken geführt werden. Erstmals musste Asiens wichtigste Ökonomie damit drei Monate in Folge ein Handelsdefizit hinnehmen.

„Japans Exporteuren bleibt fast nichts anderes übrig, als ihrer Heimat den Rücken zu kehren, um außerhalb der Landesgrenzen mit niedrigeren Kosten zu produzieren“, sagt Ökonom Tasker. Nippons Großindustrie fertigt derzeit durchschnittlich 30 Prozent seiner Erzeugnisse in der Fremde. Autoanalyst Endo rechnet damit, dass der Auslandsanteil schon bald auf mindestens 50 Prozent steigt. Dies könnte zwar die Großen retten. Zugleich droht jedoch Hunderttausenden japanischen Firmen der Bankrott, die von Zulieferungen an die Konzerne abhängig sind.

Honda fährt Produktion weiter zurück

Honda fährt seine Inlandsproduktion um weitere 56.000 Fahrzeuge zurück. Zugleich verkündete das Unternehmen Ende Januar, seine Produktionskapazität in China um fast ein Viertel auf einen Jahresausstoß von 650.000 Autos zu steigern. Nissan wird sein Erfolgsmodell March, das in Europa Micra heißt, künftig in Niedriglohnländern wie Thailand statt in Japan vom Band laufen lassen und so die Kosten um bis zu 30 Prozent zurückfahren. Auch der Subaru-Hersteller Fuji Heavy, an dem Toyota 16,5 Prozent hält, prüft eine Teilverlegung der Produktion ins Ausland.

Sogar den Pharmariesen Takeda zieht es über die Grenzen. Vorstandschef Yasuchika Hasegawa treiben gleich zwei Gründe: Mehr als 60 Prozent seines Umsatzes machte Takeda zwar 2007 noch in Japan. Der japanische Medikamentenmarkt bietet aber kaum Chancen, da der Staat rigide Preissenkungen durchsetzt. Und beim Export ist Takeda wie die anderen Industrien vom starken Yen betroffen. Takeda-Chef Hasegawa schlägt somit zwei Fliegen mit einer Klappe. 2008 hat er bereits in den USA zugekauft: Für 8,8 Milliarden Dollar übernahm er das Biotech-Unternehmen Millennium Pharmaceuticals. Mit dem weltgrößten Biotech-Konzern Amgen schmiedete er eine Forschungsallianz. Im März 2005 hatte Hasegawa bereits die US-Firma Syrrx (heute Takeda San Diego) übernommen – der erste Zukauf in der 228-jährigen Firmengeschichte.

Subunternehmen in China

Für Nippons Konzerne kann diese Flucht in die Fremde die Rettung bedeuten, etwa so, wie die Spaßfirma Nintendo dies mit zwar schrumpfenden, aber immer noch eindrucksvollen Gewinnen vorführt. Der Spielkonsolenhersteller lässt seine Geräte ohne nationale Sentimentalitäten schon jetzt ausnahmslos von Subunternehmern in China herstellen, leidet also nicht unter den hohen Produktionskosten in Japan. Sprecher Yasuhiro Minagawa: „Wir sind wie immer der glückliche Außenseiter.“

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%