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Externes Gremium Beiräte bringen Schwung ins Geschäft

Viele Familienunternehmer lassen sich freiwillig von Externen kontrollieren. Das sehen auch Banken in Bezug auf Kreditvergabe gerne. Doch nur eine gute Auswahl macht das Gremium wirklich erfolgreich.

Stahlfederproduzent Ahle: Seit 1996 steht der Firma ein Beirat zur Seite. Quelle: handelsblatt.com

KÖLN. Joachim Ahle hat kein Problem damit, sich bei seinen Entscheidungen genau auf die Finger schauen zu lassen. Im Gegenteil: Der Geschäftsführer des Stahlfederherstellers Ahle aus Lindlar bei Köln bespricht sich bei großen Investitionen und wichtigen Personalfragen mit drei Externen. Ein Wirtschaftsfachanwalt und zwei Unternehmer stehen ihm beratend zur Seite und fungieren als Mittler zu den Gesellschaftern der Firma.

Den Beirat, ein freiwillig eingerichtetes Aufsichtsgremium, ruft Ahle vier Mal im Jahr zusammen. "Wegen seiner großen Kompetenz fallen dem Beirat teils Gesellschafteraufgaben zu", sagt der Geschäftsführer.

Für ihn ist die selbst auferlegte externe Kontrolle wichtig - allein durch die präzise Vorbereitung der Meetings lässt er im Quartalsrhythmus das Geschäft Revue passieren - und hinterfragt alle Weichenstellungen, um bei der Beiratssitzung Rechenschaft ablegen zu können. "Bevor es den Beirat gab, wurde das nicht so konsequent gemacht", sagt Ahle. Seit 1996 lässt er sich bereits von den Experten beraten. Mittlerweile ist das Gremium in dem 140-Mann-Unternehmen unverzichtbar, denn es erfüllt wichtige Aufgaben: "Ein Beirat muss kreativ, kritisch und konstruktiv sein", sagt Ahle. Bilanzen absegnen - das reiche ihm nicht.

Freunden fehlt die Distanz

So positiv läuft es nicht immer. Brun-Hagen Hennerkes, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen, bezeichnet sich zwar als strikten Befürworter von Beiräten. Ein großer Teil arbeite aber nicht optimal. "Größtes Problem ist die Besetzung", sagt er. Viele neigten dazu, Freunde zu bitten. Besser sei es, geeignete Personen anhand des firmenspezifischen Anforderungsprofils zu suchen: "Ein Modeunternehmen braucht einen kreativen Hochleister, eine Leasingfirma einen Finanzfachmann, ein Anlagenbauer einen Ingenieur mit Auslandserfahrung."

Sind die passenden Experten für das Gremium gefunden, legt der Betrieb die Aufgaben und die Vergütung fest. Hennerkes plädiert für eine Beteiligung am Unternehmenserfolg, etwa gemessen am Deckungsbeitrag: "Ein Beirat muss mehr bringen, als er kostet", sagt er. Das Prüfungs- und Beratungsunternehmen Deloitte empfiehlt in jedem Fall die Abkehr vom Ehrenamt und rechnet mit einer Vergütung von bis zu 10000 Euro im Jahr.

Die meisten Vorstände setzen auf eine Mischung aus Kontrolleur und Berater. Beim Wiehler Unternehmen Müller Textil, einem Spezialisten für technische Textilien, muss der Beirat unter anderem wichtige Investitionen absegnen. Das führe dazu, dass solche Entscheidungen besser vorbereitet und geplant würden, sagt Geschäftsführer Frank Müller. "Wir hatten den Fall, dass wir eher aus dem Bauch heraus eine Investition tätigen wollten. Nach Absprache mit dem Beirat haben wir das lieber gelassen." Er wolle die externe Hilfe nicht mehr missen, sagt Müller.

Ratgeber brauchen Praxisbezug

Mit der Einstellung steht er nicht alleine. "Gerade die neue Generation von Unternehmern, die gut ausgebildet ist, setzt auf den Austausch", sagt Jürgen Reker, Leiter des Deloitte Mittelstandsprogramms. Bei einem konfliktträchtigen Generationswechsel oder beim Etablieren eines Fremdgeschäftsführers sei ein kontrollierender Begleiter sinnvoll. Das gilt auch bei einem sehr starkem Wachstum, bei dem der Unternehmer nicht mehr alle Entscheidungen alleine tragen möchte.

Doch wer macht den Job am besten? Bei Müller Textil sind alle drei Beiräte Unternehmer. "Wir wollen keine Rechtsanwälte oder Steuerprüfer haben", sagt Müller. Ähnlich sieht es Hennerkes: "Das müssen Leute sein, die Praxisbezug haben", sagt er. Berater und Anwälte hält er im Beirat für überflüssig. Die Persönlichkeit spiele eine große Rolle: "Ein Gramm Charakter ist mehr wert als ein Kilo Sachverstand", sagt Hennerkes.

Den Erfolg der Beiratsarbeit hat das Deloitte Mittelstandsinstitut an der Universität Bamberg untersucht. 57 Prozent der befragten Firmen haben einen Beirat oder wollen ihn in naher Zukunft einrichten. 78 Prozent messen dem Gremium eine hohe bis sehr hohe Bedeutung für die Unternehmensführung bei. Laut Studie sehen 85 Prozent der Befragten einen Zusammenhang zwischen der Arbeit des Beirats und wachsenden Geschäftserfolgen. Hennerkes von der Stiftung Familienunternehmen sieht das genauso: "Der Erfolg verbessert sich entscheidend", sagt er.

Ein nicht zu unterschätzender Nebeneffekt ist die Außenwirkung: So vergeben Banken lieber Kredite, wenn ein zusätzliches Kontrollgremium über die Finanzen entscheidet. Federproduzent Ahle bestätigt, dass es im Ranking Pluspunkte gebe, wenn ein Beirat existiert.

Professionelle Vermittler

Der Kontakt zum Experten entsteht meist durch persönliche Beziehungen - doch auch professionelle Vermittler stehen zu Diensten: Die Firma Mittelstand Plus etwa schafft den Kontakt zu potenziellen Beiratsmitgliedern. Sie bietet, wie auch die Initiative aktiver Unternehmensbeirat, zudem einen Beirats-Check an. Geschäftsführer überprüfen mit Fragebögen ihren Beirat und erkennen so Schwachstellen. Deloitte-Experte Reker ist von den Agenturen weniger überzeugt, er setzt auf persönliche Kontakte: "Die Netzwerke der Unternehmer sind besser geeignet."

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