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Facebook, Twitter, LinkedIn Welche Internet-Firmen wirklich Zukunft haben

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Grafiik: Bewertung von Facebook und Co. in Milliarden Dollar

Auch die Anlegerstruktur ist heute anders. Beim Platzen der Dotcom-Blase vor zehn Jahren bluteten viele Kleinanleger, die an der Börse mit Aktien wie Infospace oder Intershop spekulierten und von deren Absturz kalt erwischt wurden. Diesmal stammen die Dollar vorwiegend von reichen Privatinvestoren mit längerem Atem. Wer etwa über Goldman Sachs Anteile an Facebook erwerben will, muss mindesens zwei Millionen Dollar investieren, wenn er überhaupt zum Zug kommt. Und dann kann er sie – anders als an der Börse – nicht einfach kurzfristig verkaufen.

Eine Menge Geld stammt derzeit aus Russland und Asien, etwa von der britisch-russischen Investmentfirma Digital Sky Technologies, die Facebook, Twitter und Groupon mit Hunderten Millionen Dollar ausgestattet hat. Auch das ist ein Unterschied zu 1999: Viele der Web-Größen wie Facebook, Groupon oder der Spieleanbieter Zynga brauchen die Gelder gar nicht. Sie sind bereits profitabel, nutzen einen Teil der Mittel, um Altinvestoren auszuzahlen und ihre Gesellschafterstruktur zu vereinfachen.

Profitable Geschäftsmodelle

Den rasanten Aufstieg junger Unternehmen wie Zynga machen auch Anbieter wie der Online-Versender Amazon möglich, dessen zweites Standbein die Vermietung riesiger Serverkapazitäten ist. Während die Dotcom-Unternehmen früher massenhaft Kapital durch den Aufbau eigener Infrastruktur verbrannten, können die Stars von heute einfach per Mausklick und Kreditkarte Rechenleistung von Amazon mieten. Werden aus fünf Millionen Nutzern in kurzer Zeit 50 Millionen – kein Problem. Inzwischen bauen auch Microsoft, Apple und Google riesige Serverparks auf.

Im Internet lässt sich vor allem mit Werbung und bezahlten Premium-Angeboten Geld verdienen. Neuerdings ist der Handel mit Nutzerdaten hinzugekommen. Ein funktionierendes Geschäftsmodell mit verlässlichen Erlösen ist heute genauso wichtig wie hohe Nutzerzahlen. Entscheidend für den Erfolg ist die Marktführerschaft im jeweiligen Segment. Im Netz gilt fast immer: Der Gewinner bekommt alles – bis der nächste Gewinner auftaucht.

Facebook ist derzeit der Musterknabe unter den Internet-Firmen: Es bietet sowohl eine riesige Nutzerbasis als auch ein solides Geschäftsmodell. Inzwischen zählt Facebook weltweit rund 650 Millionen Mitglieder. Vor wenigen Tagen kündigte Goldman Sachs an, 450 Millionen Dollar eigenen Geldes und 1,5 Milliarden Dollar von reichen Kunden in das soziale Netzwerk zu investieren. Der Einstieg bewertet Facebook mit 50 Milliarden Dollar.

Facebook profitabler als Google

Selbst diese gewaltige Summe erscheint bei einem Blick auf den Suchriesen Google, der heute an der Börse knapp 200 Milliarden Dollar wert ist und 30 Milliarden Dollar pro Jahr umsetzt, gar nicht so verrückt. Denn als Google 2004 einen Börsenwert von 50 Milliarden Dollar erreichte, erwirtschaftete das Unternehmen zwar schon mehr Umsatz als Facebook heute, war dafür aber weit weniger profitabel. Setzte Google mit Anzeigen 2004 rund 2,2 Milliarden Dollar um und erwirtschaftete einen Nettogewinn von 195 Millionen Dollar, brachte es Facebook laut Goldman Sachs in den ersten neun Monaten 2010 auf 1,2 Milliarden Dollar Umsatz und 355 Millionen Dollar Gewinn. Das entspricht einer Marge von fast 30 Prozent.

Auch erwirtschaftet Facebook den eigenen Umsatz anders als Google aus mehreren Quellen. Zum einen sind das Werbebanner auf der eigenen Web-Site. Zudem verdient Facebook an Partnerschaften etwa mit Microsofts Suchmaschine Bing: Der liefert das Netzwerk Daten aus seinen "Gefällt mir"-Markierungen, die darüber Aufschluss geben, welche Web-Sites Facebook-Nutzer besonders mögen. Zudem ist Facebook auch noch an den Umsätzen beteiligt, die Anbieter wie Zynga durch ihre Spiele auf Facebook einnehmen.

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