WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Facebook, Twitter, LinkedIn Welche Internet-Firmen wirklich Zukunft haben

Seite 5/5

Die meisten europäischen Internet-Unternehmen steigen denn auch gar nicht erst zu Weltruhm auf. Denn hiesige Startups sind im aktuellen Internet-Hype meist entweder als Verlierer vertreten oder aber als erfolgreiche Kopisten, die sich dann – wie das von den deutschen Investorenbrüdern Samwer geschaffene Schnäppchenportal CityDeals – von ihren US-Konkurrenten schlucken lassen. Im Fall von CityDeals war das Groupon.

Viele europäische Internet-Firmen kopieren einfach das Geschäftsmodell eines US-Startups. Letzteres bekommt wegen der Größe des nordamerikanischen Marktes in der Regel aber mehr Startkapital zu ungleich höheren Bewertungen. Damit sind die US-Startups beim Angriff in Europa finanziell meist besser ausgestattet als die lokale Konkurrenz. Im Gegenzug kommt ein Angriff der europäischen Klone in Amerika kaum infrage, da dort schon die US-Originale ihr Revier abgesteckt haben.

Viele der Gründer legen es deshalb von Anfang an nur darauf an, sich ihr Unternehmen von einem US-Rivalen abkaufen zu lassen. "Das ist mit viel weniger Risiko verbunden, als selbst ein großes Geschäft aufzubauen", sagt Internet-Unternehmer Stephan Uhrenbacher, der das immer noch selbstständige Bewertungsportal Qype gegründet hat. Doch so könne nie ein europäischer Internet-Gigant entstehen.

Nagelprobe Börsengang?

Zu Zeiten der Dotcom-Blase galt der Börsengang als Nagelprobe und Ritterschlag eines Startups. Doch diesmal ist nicht mit einer Flut davon zu rechnen. Zwar wird spekuliert, dass es Skype, LinkedIn und gar Facebook demnächst aufs Parkett zieht. Doch Skype etwa zeigt keine Eile: Obwohl das Unternehmen schon im August die Unterlagen für einen Börsengang einreichte, ist bis heute nicht entschieden, wann und ob der tatsächlich stattfindet.

Die durchaus liquiden Web-Stars Facebook und Groupon akzeptieren derzeit noch einmal von Privatinvestoren Geld, um einen Börsengang aufzuschieben. "Wegen der hohen Auflagen und Kosten war es in den vergangenen Jahren unattraktiv, an die Börse zu gehen", sagt Packy Kelly, Partner beim Wirtschaftsprüfer KPMG im Silicon Valley. Facebook etwa müsste seine Strategie stärker offenlegen. Die Finanzkrise tat ihr Übriges.

Die Wagniskapitalgeber drängen nicht: Sie müssten bei einem Börsengang einen Teil ihrer Aktien verkaufen und hätten aufgrund der aktuell niedrigen Zinsen Schwierigkeiten, die Mittel sinnvoll zwischenzuparken. Auch sehen sie im Web derzeit die größten Gewinnpotenziale.

Yuri Milner, Chef des russischen Internet-Imperiums Digital Sky Technologies, kann sich so noch lange im Ruhm sonnen, früh bei Facebook eingestiegen zu sein. Hätte der Russe auf die Kassandra-Blasenrufer gehört und früh verkauft, gälte er jetzt nicht als neuer Internet-Tycoon.

Jetzt auf wiwo.de

Sie wollen wissen, was die Wirtschaft bewegt? Hier geht es direkt zu den aktuellsten Beiträgen der WirtschaftsWoche.
Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%