WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Facebook, Twitter, LinkedIn Welche Internet-Firmen wirklich Zukunft haben

Jung, cool, teuer – ist Facebook wirklich 50 Milliarden Dollar wert? Der Gutscheinanbieter Groupon 4,75 Milliarden? Und der Kurznachrichtendienst Twitter 3,7 Milliarden? Zehn Jahre nach dem New-Economy-Boom wachsen die Bewertungen wieder in den Himmel. Droht jetzt die nächste Blase? Welche Geschäftsmodelle im Web wirklich Zukunft haben.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Internetseite Groupon Quelle: REUTERS

Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten reichen Ärger über eine Telefongesellschaft, Kreativität und Fleiß, um innerhalb von zwei Jahren zum Milliardär aufzusteigen. 2006 wollte Andrew Mason seinen Handy-Vertrag kündigen. "Eine Qual", erinnert sich der Web-Entwickler aus Chicago. Wenn sich viele Kunden zusammenschließen könnten, würde die Telefongesellschaft anders reagieren, so seine Überlegung. Aus dem Kalkül über die Kraft der Masse entstand im November 2008 Groupon. Das Startup verkauft übers Web Gutscheine für Dienste wie Massagen, Hubschrauberflüge oder Restaurantbesuche mit Rabatten von bis zu 80 Prozent – aber nur, wenn sich genügend Käufer für die Offerte finden.

In diesen Tagen schreibt der erst 29-jährige Mason Wirtschaftsgeschichte. Auf dem Konto seines Unternehmens gehen gerade 950 Millionen Dollar ein, die größte Summe, die je ein Startup auf einen Streich erhalten hat. Sie stammen von einem Investorenkonsortium, das Groupon mit 4,75 Milliarden Dollar bewertet. Jeder der derzeit rund 50 Millionen Nutzer ist ihnen 95 Dollar wert. Für Internet-Pionier Marc Andreessen, dessen Netscape-Browser Mitte der Neunzigerjahre die erste Internet-Welle in Bewegung setzte, ist das noch immer ein Schnäppchen. - "Groupon steht ganz am Anfang", begründet er seine Investition in das Startup.

Nächste gefährliche Internet-Blase?

Fast gleichzeitig taxiert die Investmentbank Goldman Sachs das soziale Netz Facebook auf atemberaubende 50 Milliarden Dollar. Dagegen ist der deutsche Industriegigant ThyssenKrupp an der Börse nur 21,6 Milliarden Dollar wert, der Gasehersteller Linde 24,7 Milliarden. Den kräftig Geld verbrennenden Kurznachrichtendienst Twitter bewerten Investoren bereits mit 3,7 Milliarden Dollar, das Business-Netzwerk LinkedIn mit 2,1 Milliarden.

Ist das die nächste gefährliche Internet-Blase? Eine wie zu Beginn dieses Jahrtausends, als es in der Dotcom-Ära darum ging, ohne Rücksicht auf Verluste so viele Kunden wie möglich zu gewinnen?

Vieles spricht dagegen. Das rasante Wachstum des mobilen Internets wird die Branche über Jahre beflügeln. Noch nie war es so einfach und günstig, Serverkapazitäten aufzustocken. Zudem verfügen im Gegensatz zur New-Economy-Zeit viele Jungunternehmen der Web-2.0-Generation über Geschäftsmodelle jenseits des reinen Verkaufs von Online-Werbung. Dienste wie Facebook oder Groupon fahren bereits Gewinne ein.

Boom auf breiterer Basis

Die Frage ist, wer mittelfristig zu den Siegern zählt und für seine Investoren auch Geld verdient. Denn nicht alle Stars von heute bieten Grund zur Euphorie. Twitter oder der Handy-Eincheckservice Four-square ziehen in der Szene zwar viel Aufmerksamkeit auf sich, haben aber noch kein valides Geschäftsmodell auf die Beine gestellt, das in absehbarer Zeit Gewinne verspricht.

Geht es nach Wagnisfinanzier Michael Moritz, der einst auch Google und Yahoo mit Startkapital ausstattete, dann "gehören Blasen bei Wachstumsmärkten einfach dazu". Die Kunst sei, sich von der Angst nicht paralysieren zu lassen. Dabei hilft die Tatsache, dass im Web 2.0 vieles anders ist als beim Dotcom-Boom der Neunziger. 1,8 Milliarden Internet-Nutzer gibt es heute weltweit, 1999 waren es 150 Millionen. In den USA verfügen acht von zehn Einwohnern über einen Internet-Zugang. Von den 445 Milliarden Werbedollar weltweit flossen im vergangenen Jahr bereits 54 Milliarden Dollar ins Web.

Besonders das mobile Internet befeuert die Fantasie der Investoren. Die Preise für internetfähige Smartphones, Tablet-PCs und Netbooks werden unter 200 Dollar fallen. Wurden laut Marktforscher IDC 2010 rund 270 Millionen Smartphones verkauft, prognostizieren Experten für 2011 den Absatz von einer halben Milliarde Geräte. Die Investmentbank Morgan Stanley erwartet daher, dass in fünf Jahren fünf Prozent aller Einkäufe via Handy abgewickelt werden. Dazu brauchte der Online-Einkauf über Computer 15 Jahre.

Grafiik: Bewertung von Facebook und Co. in Milliarden Dollar

Auch die Anlegerstruktur ist heute anders. Beim Platzen der Dotcom-Blase vor zehn Jahren bluteten viele Kleinanleger, die an der Börse mit Aktien wie Infospace oder Intershop spekulierten und von deren Absturz kalt erwischt wurden. Diesmal stammen die Dollar vorwiegend von reichen Privatinvestoren mit längerem Atem. Wer etwa über Goldman Sachs Anteile an Facebook erwerben will, muss mindesens zwei Millionen Dollar investieren, wenn er überhaupt zum Zug kommt. Und dann kann er sie – anders als an der Börse – nicht einfach kurzfristig verkaufen.

Eine Menge Geld stammt derzeit aus Russland und Asien, etwa von der britisch-russischen Investmentfirma Digital Sky Technologies, die Facebook, Twitter und Groupon mit Hunderten Millionen Dollar ausgestattet hat. Auch das ist ein Unterschied zu 1999: Viele der Web-Größen wie Facebook, Groupon oder der Spieleanbieter Zynga brauchen die Gelder gar nicht. Sie sind bereits profitabel, nutzen einen Teil der Mittel, um Altinvestoren auszuzahlen und ihre Gesellschafterstruktur zu vereinfachen.

Profitable Geschäftsmodelle

Den rasanten Aufstieg junger Unternehmen wie Zynga machen auch Anbieter wie der Online-Versender Amazon möglich, dessen zweites Standbein die Vermietung riesiger Serverkapazitäten ist. Während die Dotcom-Unternehmen früher massenhaft Kapital durch den Aufbau eigener Infrastruktur verbrannten, können die Stars von heute einfach per Mausklick und Kreditkarte Rechenleistung von Amazon mieten. Werden aus fünf Millionen Nutzern in kurzer Zeit 50 Millionen – kein Problem. Inzwischen bauen auch Microsoft, Apple und Google riesige Serverparks auf.

Im Internet lässt sich vor allem mit Werbung und bezahlten Premium-Angeboten Geld verdienen. Neuerdings ist der Handel mit Nutzerdaten hinzugekommen. Ein funktionierendes Geschäftsmodell mit verlässlichen Erlösen ist heute genauso wichtig wie hohe Nutzerzahlen. Entscheidend für den Erfolg ist die Marktführerschaft im jeweiligen Segment. Im Netz gilt fast immer: Der Gewinner bekommt alles – bis der nächste Gewinner auftaucht.

Facebook ist derzeit der Musterknabe unter den Internet-Firmen: Es bietet sowohl eine riesige Nutzerbasis als auch ein solides Geschäftsmodell. Inzwischen zählt Facebook weltweit rund 650 Millionen Mitglieder. Vor wenigen Tagen kündigte Goldman Sachs an, 450 Millionen Dollar eigenen Geldes und 1,5 Milliarden Dollar von reichen Kunden in das soziale Netzwerk zu investieren. Der Einstieg bewertet Facebook mit 50 Milliarden Dollar.

Facebook profitabler als Google

Selbst diese gewaltige Summe erscheint bei einem Blick auf den Suchriesen Google, der heute an der Börse knapp 200 Milliarden Dollar wert ist und 30 Milliarden Dollar pro Jahr umsetzt, gar nicht so verrückt. Denn als Google 2004 einen Börsenwert von 50 Milliarden Dollar erreichte, erwirtschaftete das Unternehmen zwar schon mehr Umsatz als Facebook heute, war dafür aber weit weniger profitabel. Setzte Google mit Anzeigen 2004 rund 2,2 Milliarden Dollar um und erwirtschaftete einen Nettogewinn von 195 Millionen Dollar, brachte es Facebook laut Goldman Sachs in den ersten neun Monaten 2010 auf 1,2 Milliarden Dollar Umsatz und 355 Millionen Dollar Gewinn. Das entspricht einer Marge von fast 30 Prozent.

Auch erwirtschaftet Facebook den eigenen Umsatz anders als Google aus mehreren Quellen. Zum einen sind das Werbebanner auf der eigenen Web-Site. Zudem verdient Facebook an Partnerschaften etwa mit Microsofts Suchmaschine Bing: Der liefert das Netzwerk Daten aus seinen "Gefällt mir"-Markierungen, die darüber Aufschluss geben, welche Web-Sites Facebook-Nutzer besonders mögen. Zudem ist Facebook auch noch an den Umsätzen beteiligt, die Anbieter wie Zynga durch ihre Spiele auf Facebook einnehmen.

Zynga-Spiel Café World: Social Games sind „typische Managementspiele“

Denn im Sog von Facebook entsteht eine milliardenschwere Subindustrie, zu der auch die sogenannten Social Games gehören. Vor allem Zynga, Anbieter von Spielen wie FarmVille, CityVille und Mafia Wars, stieg im Schlepptau von Facebook zum Riesen auf.

Im Oktober überholte Zynga mit einem von Investoren beim Einstieg taxierten Unternehmenswert von fast sechs Milliarden Dollar sogar das 1982 gegründete Videospiele-Schwergewicht Electronic Arts, der Klassiker wie Die Sims und Need for Speed herausbringt.

Während sich der weitaus kleinere Social-Games-Anbieter Playfish für 400 Millionen Dollar an Electronic Arts verkaufte und Konkurrent Playdom für 763 Millionen bei Disney unterschlüpfte, ist der gerade einmal etwas mehr als drei Jahre alte Riese Zynga immer noch selbstständig.

Lukratives Geschäft mit virtuellen Tomaten

Schätzungen zufolge spielen heute mehr als 300 Millionen Menschen die kostenlosen sozialen Spiele im Netzwerk-Facebook. Sie bauen gemeinsam mit ihren Freunden virtuelle Tomaten an, errichten virtuelle Häuser.

Das aktuell erfolgreichste soziale Spiel City-Ville, das erst seit Dezember letzten Jahres auf dem Markt ist, bringt es derzeit auf 100 Millionen Mitspieler. Zynga finanziert sich dabei aus dem Verkauf virtueller Güter. So kann ein Spieler in CityVille gegen echtes Geld virtuellen Strom für seine Stadt kaufen und so mehr Punkte sammeln. Immerhin drei Prozent der Spieler nutzen diese Art Punkte-Doping bereits. Vom Erlös aus diesen Käufen kassiert Facebook satte 30 Prozent. Zudem experimentieren Zynga & Co. mittlerweile mit Werbung in den Spielen.

Foursquare ist das derzeit heißeste Startup

Solcher Erfolge zum Trotz ist auch im modernen Internet vom Geschäftsmodell her nicht alles Gold, was glänzt. Als eines der heißesten Startups gilt derzeit Foursquare, ein Dienst vor allem für Smartphones. Nutzer können sich über ein GPS-fähiges Telefon – das also per Satellit ihren Standort erkennen kann – in Restaurants, Hotels, Bahnhöfen, Parks und allen möglichen anderen Orten "einchecken". Die Software übermittelt den aktuellen Standort dann unter anderem an das Facebook- oder Twitter-Konto des Nutzers.

Was als eine Art Spiel gedacht war, wird zunehmend von Unternehmen als Möglichkeit zur Kundenbindung entdeckt. So bieten auch hierzulande Restaurants kostenlose Speisen an für die Person, die am häufigsten in dem Lokal eincheckt. Der US-Textilriese Gap gab im vergangenen Sommer einen Tag lang jedem, der via Foursquare in einer Gap-Filiale eincheckte, 25 Prozent Rabatt.

Hatte Foursquare vor einem Jahr gerade mal 250.000 Nutzer, sind es inzwischen mehr als 5,5 Millionen. Umsatz generiert das Unternehmen aber kaum. Trotz der sehr hohen Bewertung von 95 Millionen Dollar ist es offenbar für manche Investoren aber einfach cool, mal 10.000 Dollar in Foursquare zu investieren. "Denen geht es in erster Linie nicht um Rendite", lästert der britische Internet-Unternehmer Brent Hoberman, der im Dotcom-Boom das Portal Lastminute.com gründete und heute als Investor in der Branche aktiv ist. Vielmehr wollen diese Investoren mit Four-square in Verbindung gebracht werden.

Grafik: Weltweite Nutzerzahlen von Facebook und Co.

Unternehmen wie Facebook, Yelp und Groupon sind inzwischen rund um den Globus aktiv. Doch die neue Internet-Welt ist auch erbarmungslos. Während Industriekonzerne wie Daimler auf mehr als 100 Jahre Firmengeschichte blicken und wohl auch die kommenden 100 Jahre existieren werden, ist dies bei Internet-Riesen wie Google und Facebook nicht gesagt.

Denn im Web gilt fast immer: Der Gewinner bekommt alles – aber nur, bis die nächste Nummer eins um die Ecke kommt. Die meisten Nutzer steuern am liebsten genau die sozialen Netzwerke, Suchmaschinen, Videoportale an, die auch alle anderen gerade nutzen – derzeit sind das Facebook, Google, YouTube. Schon die Zweitplatzierten sind meist hoffnungslos abgeschlagen.

Doch Gewinner können schnell zu Verlierern werden. Nur wer ein zeitlos gutes Geschäftsmodell hat wie der Versandhändler Amazon oder sich ständig an neue Trends anpasst wie Google, bleibt an der Spitze. Beispiele für den Abstieg einstiger Stars gibt es viele – etwa das soziale Netz MySpace, das Internet-Portal Yahoo oder die virtuelle Online-Welt Second Life.

Yahoo und MySpace geraten unter die Räder

Als Medienzar Rupert Murdoch im Juli 2005 MySpace für 580 Millionen Dollar kaufte, hielten ihn die einen für verrückt, die anderen für genial. Tatsächlich war MySpace wenig später, im Sommer 2006, das populärste soziale Netzwerk Amerikas. Doch dann folgte der katapultartige Aufstieg Facebooks und damit der rasante Abstieg von MySpace. Facebook mit seinen nur für Freunde einsehbaren privaten Nutzerseiten traf den Nerv der Menschen besser. Heute ist die Nutzerzahl sechsmal größer als die von MySpace. Erst vergangene Woche gab Murdochs Portal bekannt, die Hälfte seiner 1100 Stellen zu streichen. Dazu schließt MySpace unter anderem seine Büros in Deutschland.

Entlassen muss trotz ungebrochenem Internet-Boom auch Yahoo. Der einst gefeierte Suchmaschinen- und Portalanbieter gerät immer mehr unter die Räder von Google und Facebook. Er ist einfach nicht so innovativ wie die Konkurrenz.

Und dann ist da noch Linden Lab, das Unternehmen hinter Second Life. 2007 wurde dessen virtuelle Welt von den Mächtigen aus Politik und Wirtschaft auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos als Megatrend gefeiert. Doch richtig abgehoben ist das Unternehmen aus San Francisco nie. Am Ende war das Spiel den Nutzern einfach zu langweilig. Im August 2008 hatte Second Life gerade einmal eine Million aktive Mitglieder – verglichen mit heutigen Social-Games-Anbietern wie Zynga ein Zwerg. Ende 2007 auf eine Milliarde Dollar geschätzt, ist das Unternehmen heute nur noch 100 Millionen wert.

Schwaches Europa

Wie schnell ein Star absteigen kann, zeigt sich in Deutschland am Beispiel des zur Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck gehörenden Netzwerks StudiVZ. Mit dem Markteintritt von Facebook begann die Popularität des deutschen Nachahmers zu schwinden, der zudem nur auf junge Nutzer spezialisiert ist. Inzwischen ärgert sich Martin Weber, Partner bei Holtzbrinck Ventures, StudiVZ 2006 nicht an Facebook verkauft zu haben. Doch Facebook sei zum Zeitpunkt des Angebots lange nicht so stark und profitabel gewesen wie heute. Auch wollten die Amerikaner nur in eigenen Anteilen zahlen.

Inzwischen bedroht der Erfolg Facebooks auch andere deutsche Portale: Das einst stark wachsende soziale Netzwerk Wer-kennt-wen, Anfang 2009 vom Fernsehsender RTL übernommen, kam im Dezember 2010 als Nummer zwei auf gerade einmal 5,1 Millionen Nutzer, wie die Werbeagentur Compass Heading aus Krefeld ermittelt hat. Das ist ein Verlust von einem Viertel aller Nutzer im Vergleich zum Jahresanfang. Noch stärker eingebrochen ist die Schulfreunde-Plattform Stayfriends, die im Jahresverlauf ein Drittel ihrer Nutzer verlor und auf 3,8 Millionen Besucher im Dezember absackte.

Die meisten europäischen Internet-Unternehmen steigen denn auch gar nicht erst zu Weltruhm auf. Denn hiesige Startups sind im aktuellen Internet-Hype meist entweder als Verlierer vertreten oder aber als erfolgreiche Kopisten, die sich dann – wie das von den deutschen Investorenbrüdern Samwer geschaffene Schnäppchenportal CityDeals – von ihren US-Konkurrenten schlucken lassen. Im Fall von CityDeals war das Groupon.

Viele europäische Internet-Firmen kopieren einfach das Geschäftsmodell eines US-Startups. Letzteres bekommt wegen der Größe des nordamerikanischen Marktes in der Regel aber mehr Startkapital zu ungleich höheren Bewertungen. Damit sind die US-Startups beim Angriff in Europa finanziell meist besser ausgestattet als die lokale Konkurrenz. Im Gegenzug kommt ein Angriff der europäischen Klone in Amerika kaum infrage, da dort schon die US-Originale ihr Revier abgesteckt haben.

Viele der Gründer legen es deshalb von Anfang an nur darauf an, sich ihr Unternehmen von einem US-Rivalen abkaufen zu lassen. "Das ist mit viel weniger Risiko verbunden, als selbst ein großes Geschäft aufzubauen", sagt Internet-Unternehmer Stephan Uhrenbacher, der das immer noch selbstständige Bewertungsportal Qype gegründet hat. Doch so könne nie ein europäischer Internet-Gigant entstehen.

Nagelprobe Börsengang?

Zu Zeiten der Dotcom-Blase galt der Börsengang als Nagelprobe und Ritterschlag eines Startups. Doch diesmal ist nicht mit einer Flut davon zu rechnen. Zwar wird spekuliert, dass es Skype, LinkedIn und gar Facebook demnächst aufs Parkett zieht. Doch Skype etwa zeigt keine Eile: Obwohl das Unternehmen schon im August die Unterlagen für einen Börsengang einreichte, ist bis heute nicht entschieden, wann und ob der tatsächlich stattfindet.

Die durchaus liquiden Web-Stars Facebook und Groupon akzeptieren derzeit noch einmal von Privatinvestoren Geld, um einen Börsengang aufzuschieben. "Wegen der hohen Auflagen und Kosten war es in den vergangenen Jahren unattraktiv, an die Börse zu gehen", sagt Packy Kelly, Partner beim Wirtschaftsprüfer KPMG im Silicon Valley. Facebook etwa müsste seine Strategie stärker offenlegen. Die Finanzkrise tat ihr Übriges.

Die Wagniskapitalgeber drängen nicht: Sie müssten bei einem Börsengang einen Teil ihrer Aktien verkaufen und hätten aufgrund der aktuell niedrigen Zinsen Schwierigkeiten, die Mittel sinnvoll zwischenzuparken. Auch sehen sie im Web derzeit die größten Gewinnpotenziale.

Yuri Milner, Chef des russischen Internet-Imperiums Digital Sky Technologies, kann sich so noch lange im Ruhm sonnen, früh bei Facebook eingestiegen zu sein. Hätte der Russe auf die Kassandra-Blasenrufer gehört und früh verkauft, gälte er jetzt nicht als neuer Internet-Tycoon.

Jetzt auf wiwo.de

Sie wollen wissen, was die Wirtschaft bewegt? Hier geht es direkt zu den aktuellsten Beiträgen der WirtschaftsWoche.
Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%